Freitag, 23. April 2021
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Österreich stärkt seine Rolle als aktiver Investor trotz anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrise

Bereits 2010 überstieg der Wert der österreichischen Unternehmensbeteiligungen im Ausland jenen internationaler Investitionen im Inland beträchtlich. Die aktuelle Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) lässt nun einen Trend zur Ausweitung dieser Nettoposition erkennen: Ende 2011 lagen Österreichs Beteiligungen bei 146,5 Mrd EUR und damit um 14 Mrd EUR höher als 2010, während die Verpflichtungen bei 118 Mrd EUR stagnierten.

[[image1]]Die Nettoforderungen erreichten mit fast 30 Mrd EUR etwa das Doppelte des Vorjahres. Nach vorläufigen Schätzungen hält diese Entwicklung weiterhin an und führte Ende 2012 sogar zu einem Überschuss von rund 40 Mrd EUR.

Dies ist bemerkenswert, da heimische Unternehmen in einer Phase globaler wirtschaftlicher Schwäche und damit verbundener Unsicherheit der Investoren gegen den globalen Strom schwimmen: Gemäß neuesten Daten der UNCTAD verzeichneten die weltweiten Direktinvestitionen im Jahr 2011 einen deutlichen Rückgang von 18%. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Verhalten für Österreichs Unternehmen am Ende des Tages rentiert. Fest steht, dass deren Veranlagungsstrategie ein hohes Maß an Kontinuität signalisiert und selbst im fünften Jahr der Wirtschaftskrise keinerlei Panikreaktion in Form von abrupten Desinvestitionen erkennen lässt. Gemessen an der aktuellen Ertragslage befinden sich österreichische Direktinvestoren jedenfalls auf Erfolgskurs: Mit mehr als 9 Mrd EUR erreichte der bilanzielle Jahresertrag beinahe das Rekordniveau des Jahres 2007.

So günstig das Bild heimischer Direktinvestoren insgesamt erscheint, so differenziert wirkt es in der detaillierten Regionalbetrachtung: Während aufstrebende Märkte wie Russland oder China für profitable Erträge sorgen, gestaltet sich das Engagement in den südeuropäischen Krisenländern Italien, Griechenland und Portugal verlustreich. In der bislang so profitablen Region Zentral-, Ost- und Südosteuropas findet sich mittlerweile eine Reihe von Ländern mit schwacher Ertragssituation, während sich andere weiterhin positiv entwickeln. Besonders negativ stellt sich die Situation in Ungarn mit einem Verlust von fast einer Milliarde EUR dar.

Es überrascht daher nicht, dass heimische Direktinvestitionsflüsse im Verlauf der Krise sukzessive von Zentral-, Ost- und Südosteuropa in andere europäische Länder, die gemeinhin als sicherer Hafen gelten, umgelenkt wurden. Hier sticht vor allem der für Österreich mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Deutschland hervor, der 31 neue Beteiligungen – das entspricht einem Sechstel des gesamten Neuengagements – im Gegenwert von einer Milliarde EUR absorbierte. Dadurch wurden 7.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Der leichte Bedeutungsverlust Zentral-, Ost- und Südosteuropas findet seinen Niederschlag vor allem in Rumänien, Weißrussland sowie Kroatien, während in Russland oder der Ukraine mehr investiert wurde als zuletzt. Im Vordergrund des Interesses österreichischer Investoren stehen seit einigen Jahren auch die dynamisch wachsenden Volkswirtschaften Türkei und China. Mit 20.000 Beschäftigten in über 100 Beteiligungen ist China knapp hinter den USA das zweitwichtigste Zielland außerhalb Europas. Unter den ausländischen Investoren in Österreich hat Deutschland im Jahr 2011 seine dominierende Position gefestigt. 4 Mrd EUR an zusätzlichem Kapital, mehr als 90 zusätzliche Beteiligungen und 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze verzeichnet die Statistik der OeNB im Jahr 2011. Mit deutlichem Abstand folgen die USA, Italien, die Schweiz und die Niederlande.

Insgesamt nimmt Österreich in Zentral-, Ost- und Südosteuropa aber weiterhin eine enorm starke Position ein und liegt in der Rangliste der wichtigsten Investoren einiger Länder weit vorne.

 

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Weitere Informationen zu Österreichs Direktinvestitionen erhalten Sie auf der Webseite der OeNB.

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