Montag, 21. Juni 2021
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Aufgedeckt: „Falter“-Redaktion wusste seit Ostern 2018 vom Ibiza-Video – und erstattete nicht Anzeige

Das Ibiza-Video / Bildmontage: EU-Infothek / Quelle: Spiegel, SZ / Süddeutsche Zeitung

Der Chefredakteur der Wochenzeitung „Falter“, Florian Klenk, hat sich kürzlich von Twitter verabschiedet. Nur kurz zuvor hat eine wichtige Zeugin im Video-Krimi vor der Soko Ibiza ausgesagt: Sie erzählte, dass sie im Auftrag des Ibiza-Detektivs H. die „Falter“-Redaktion schon „in den Osterferien 2018“ über das Video informiert hätte. Und: Ein Termin zwischen Klenk und H. sei ebenfalls im Frühjahr 2018 vereinbart worden. EU-Infothek hat die gesamte Zeugenaussage.

Just jenes Medium, das sich immer wieder gerne als „Aufdecker-Plattform“ sieht, konnte ziemlich gut und lange schweigen: Laut der nun EU-Infothek und dem Online-Magazin „eXXpress“ zugespielten Zeugenaussage vor der Soko Ibiza liegt der Verdacht nahe, dass die „Falter“-Redaktion schon „in den Osterferien 2018“, also vor drei Jahren, erstmals von der Existenz des berühmten Ibiza-Videos erfahren hat – von einem Video, auf dem Straches naives wie korruptionsverdächtiges Wording ebenso wie der sehr geschickte Zusammenschnitt der Szenen am 17. Mai 2019 für eine folgenschwere Regierungskrise gesorgt haben.

Jetzt erklärte die frühere Lebensgefährtin des Detektivs Julian H. vor den Ermittlern des Bundeskriminalamts, wie sie den möglichen Drahtzieher der Video-Attacke mit Florian Klenk, dem Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung, zusammenbringen wollte. Die Wienerin, die elf Jahre mit H. in einer Beziehung lebte, geriet ins Visier der Kripo, weil sie Julian H. auch an den Ex-Wahlkampfhelfer des Bundespräsidenten, den jetzt bei Vizekanzler Werner Kogler beschäftigten Grün-Politiker, vermittelt hat. Zitat aus der Niederschrift des Bundeskriminalamts: „Er (Julian H., Anm. der Redaktion) wäre jetzt einverstanden, dass ich den „Falter“ – wie von mir zuvor vorgeschlagen – kontaktieren solle. Das hab ich dann getan.“

Zeugin vor Soko: „Termin mit Klenk für den Folgetag.“

Und detailliert berichtet die Zeugin dann die weitere Vorgangsweise: „Ich habe mit einem Assistenten des Herrn Klenk – dessen Namen ich nicht mehr weiß – gesprochen. Dieser hat mich dann nach Rücksprache mit Herrn Klenk zurückgerufen und einen Termin für den Folgetag vorgeschlagen. Diese Information habe ich an Julian weitergegeben.“ Dann sagt die Auskunftsperson der Soko allerdings: „Er ist aber zu diesem Termin nicht hingegangen. Ich war dann sauer auf ihn, weil ich mich für ihn eingesetzt habe.“

Auf die Frage der Ermittler, was sie genau dem „Falter“ sagte: „Videomaterial. Strache. Korruption.“ Im Sommer 2018 hätte sie dann die E-Mail-Adresse von Bastian Obermayer, des Redakteurs der „Süddeutschen Zeitung“, an den Ibiza-Detektiv weitergeschickt. Zitat: „Mein Mann hat das vorgeschlagen.“ Zu diesem Zeitpunkt hätte sie „wöchentlich Kontakt zu H.“ gehabt.

„Er war grantig. Sie haben überall versucht, es anzubringen.“

Und noch ein Detail aus der Aussage dieser Zeugin könnte jetzt für etwas Aufregung sorgen – auf die Frage der Kripo, ob der Detektiv ihr gesagt hätte, wem er das Video angeboten hat, meinte die Wienerin: „Er hat mir jedenfalls gesagt, dass sie schon bei allen politischen Parteien damit waren. Ich hab glaublich nachgefragt, ob er auch bei der Polizei war, und er hat das bejaht.“ Und an anderer Stelle der Einvernahme sagt die Zeugin: „Er war aber sehr frustriert und grantig und hat mir erzählt, dass sie es schon überall versucht haben, es anzubringen, wobei das sämtliche politische Parteien und die Polizei miteinbezieht.“ Fazit: Niemand der politischen Player in Österreich wollte also das Belastungsmaterial aus der Ibiza-Finca kaufen (zumindest nicht direkt).

Der weitere Weg von der Kontaktaufnahme des Privatdetektivs mit dem Redakteur der „Süddeutschen“ bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dürfte dann auch noch etwas mühsam für die Video-Clique gewesen sein: Erst im Frühjahr 2019 ist es dann zur Veröffentlichung gekommen. Ob der Detektiv und seine Komplizen dafür Geld wollten, beantwortete die Zeugin und langjährige Lebensgefährtin des Hauptverdächtigen H. so: „Was er mir gesagt hat, dass es publiziert werden soll. Und das eine mindestens sechsstellige Summe notwendig wäre, um ihn und zwei weitere Personen für einige Jahre abzusichern.

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3 Kommentare

  1. „Haltung“ wäre gewesen, wenn Klenk & Co. sofort Anzeige erstattet hätten, und rechtsstaatlich, wenn die Polizei diese kriminelle Erpresserbande unschädlich gemacht hätte.
    Leider haben wir aber nur „Haltungsjournalisten“ und eine politische Polizei.

  2. Also der sogenannte Gutmensch und Aufdecker wird zum Zudecker wenn es politisch opportun ist und reiht sich dadurch nahtlos in die Reihe der linken „Qualitätsmedien“ ein. Wenn man einem politischen Gegner aus Mangel an esprit rein sachpolitisch nichts anhaben kann, dann versucht man’s halt mit „linken“ (links=linkisch, falsch) Methoden um ans Ziel (Regierungsputsch) zu kommen. Natürlich nicht zu vergessen, die völlig „unauffällige“ Unterstützung der Türkisen und womöglich die Absprache mit VdB.

  3. Ich verstehe nicht ganz, warum so getan wird, als ob die Zeugenaussage, auf die man sich hier bezieht, neue Informationen beinhalte. Klenk hat bereits im Juni vor einem Jahr all das vor dem UA ausgesagt, und die Protokolle seiner Aussage sind öffentlich einsehbar: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/KOMM/KOMM_00041/fnameorig_813059.html?fbclid=IwAR0Pgzf_siV1uDwqzsUUZ2J-wKYiqm9PPPcB4AtdmCJQd97k0ph3jy35r8I

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