Österreich steht vor der größten Neuordnung des Glücksspielmarktes seit Jahren. Zwischen 2026 und 2030 werden Online-Glücksspiel, Lotto und Casino-Konzessionen schrittweise neu vergeben. Parallel dazu entsteht eine unabhängige Glücksspielbehörde, die künftig Ausschreibungen und die Aufsicht übernimmt.

Parlament und Gesetz (2026–2027)
Den Auftakt der Reform bildet die Übermittlung des Gesetzesentwurfs an die Europäische Union am 4. August 2026. Mit der EU-Notifikation beginnt eine dreimonatige Stillhaltefrist, während der das Parlament zwar über den Entwurf beraten, ihn jedoch noch nicht beschließen darf. Erst nach Ablauf dieser Frist wird zwischen November und Dezember 2026 mit den Beschlüssen von Nationalrat und Bundesrat gerechnet. Im Anschluss soll das Gesetz kundgemacht und ab Anfang 2027 die neue unabhängige Glücksspielbehörde aufgebaut werden.
Online-Glücksspiel: Das Ende des Monopols und der Start eines neuen Lizenzsystems
Im Online-Glücksspiel steht die wohl weitreichendste Veränderung der gesamten Reform bevor. Die bestehende Konzession von win2day endet zwar regulär am 30. September 2027, soll jedoch per Gesetz bis zum 31. Dezember 2028 verlängert werden. Diese Übergangsregel soll sicherstellen, dass der Markt während der Umstellung auf das neue Lizenzsystem ohne Unterbrechung weiterläuft.
Kernstück der Reform ist die Abkehr vom bisherigen Ein-Konzessionsmodell hin zu einer Mehrfachlizenzierung. Künftig sollen mehrere Unternehmen eine Zulassung erhalten können. Anders als bei einer einmaligen Vergaberunde setzt die Reform dabei auf eine sogenannte Rolling Procedure: Anträge werden laufend entgegengenommen und einzeln geprüft, anstatt sämtliche Konzessionen in einem einzigen Verfahren zu vergeben. Für erstmals vergebene Online-Lizenzen ist eine Laufzeit von fünf Jahren vorgesehen, während spätere Verlängerungen für zehn Jahre gelten sollen.
Bereits ab 1. Jänner 2027 verschärfen sich die Regeln für bisher illegale Anbieter deutlich. Unternehmen, die bislang ohne österreichische Konzession tätig waren, müssen ihr Angebot vollständig einstellen, wenn sie sich später um eine Lizenz bewerben wollen. Darüber hinaus schreibt das Gesetz eine Cooling-off-Periode von 18 Monaten für die ersten Bewerbungsrunden in den Jahren 2027 und 2028 vor. Ab 2030 verlängert sich diese Wartefrist auf 24 Monate.
Mit der bloßen Einstellung des Angebots ist es jedoch nicht getan. Bewerber müssen außerdem sämtliche offenen Glücksspielsteuern begleichen, rechtskräftige Urteile zugunsten von Spielerinnen und Spielern erfüllen und mittels eidesstattlicher Erklärung nachweisen, dass sie sämtliche gesetzlichen Vorgaben vollständig einhalten. Diese Compliance-Anforderungen gelten als zentrale Voraussetzung für eine spätere Zulassung.
Die praktische Umsetzung des neuen Systems beginnt im Laufe des Jahres 2027. Zunächst veröffentlicht die neue Glücksspielbehörde im Zeitraum Q1 bis Q3 2027 die technischen Standards, Formblätter und Zulassungsvoraussetzungen. Ab dem 1. Oktober 2027 können Unternehmen ihre ersten Anträge einreichen. Die ersten Lizenzvergaben werden zwischen Ende 2027 und Mitte 2028 erwartet, anschließend sollen weitere Entscheidungen bis 2029 im Rahmen der laufenden Einzelprüfungen folgen. Ab 2030 gelten schließlich die verschärften Cooling-off-Regeln als fester Bestandteil des neuen Systems.
Lotto: Monopol bleibt – die Konzession wird dennoch neu vergeben
Während das Online-Glücksspiel grundlegend neu organisiert wird, bleibt das Lotto auch künftig ein Monopol. Die Reform sieht ausdrücklich vor, dass weiterhin nur eine einzige Konzession vergeben wird. Dennoch steht auch in diesem Bereich ein umfangreiches Vergabeverfahren bevor, denn die bestehende Lotto-Konzession läuft am 30. September 2027 aus. Damit muss erstmals unter den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen ein neuer Konzessionär für den österreichischen Lotteriemarkt ausgewählt werden.
Die Vorbereitung des Vergabeverfahrens beginnt im Frühjahr und Sommer 2027. In dieser Phase soll die neue Glücksspielbehörde die Ausschreibungsunterlagen fertigstellen und die Konzession EU-weit ausschreiben. Mit der europaweiten Veröffentlichung startet offiziell das Bewerbungsverfahren, das potenziellen Interessenten die Möglichkeit gibt, vollständige Bewerbungsunterlagen einzureichen. Die eigentliche Bewerbungsphase ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
Anschließend übernimmt die neue Behörde die Prüfung der eingereichten Konzepte und entscheidet über die Vergabe der Konzession. Nach dem derzeitigen Zeitplan wird die Entscheidung zwischen Ende 2027 und Mitte 2028 erwartet. Trotz des Eigentümerwechsels beziehungsweise einer möglichen Neuvergabe soll der Übergang für Spielerinnen und Spieler möglichst unbemerkt verlaufen: Das Gesetz sieht vor, dass der Betrieb ohne Unterbrechung fortgesetzt wird und die neue Konzession unmittelbar an die bisherige anschließt.
Im Gegensatz zum Online-Glücksspiel, wo künftig mehrere Anbieter parallel tätig sein können, verfolgt der Gesetzgeber beim Lotto damit bewusst einen anderen Ansatz. Der Markt bleibt auf einen einzigen Konzessionär beschränkt, während sich die eigentliche Veränderung vor allem auf das Vergabeverfahren konzentriert: Künftig soll die Auswahl unter der Aufsicht der neuen unabhängigen Glücksspielbehörde erfolgen und nach den im neuen Rechtsrahmen vorgesehenen Ausschreibungs- und Prüfungsmechanismen abgewickelt werden.
Casinos: Neuvergabe in zwei Etappen
Auch bei den österreichischen Casinos steht in den kommenden Jahren eine umfassende Neuvergabe der Konzessionen bevor. Anders als beim Lotto erfolgt dieser Prozess jedoch nicht in einem einzigen Schritt, sondern über mehrere Jahre hinweg in zwei Etappen. Während sechs große Casino-Standorte bereits Ende 2027 aus ihren bestehenden Konzessionen fallen, laufen die Genehmigungen weiterer Standorte erst 2030 aus. Die Reform schafft damit einen gestaffelten Zeitplan, der der neuen Glücksspielbehörde ausreichend Zeit für die Durchführung der einzelnen Vergabeverfahren geben soll.
Den Anfang machen die sechs Standorte Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Bregenz, deren Konzessionen am 31. Dezember 2027 enden. Bereits zuvor soll die neue Behörde die Kriterien für die Vergabe festlegen und entscheiden, wie die Standorte ausgeschrieben werden. Das Gesetz eröffnet dabei ausdrücklich die Möglichkeit, mehrere Casinos gemeinsam als sogenannte Standortpakete zu vergeben, anstatt jede Konzession zwingend einzeln auszuschreiben.
Die eigentliche Ausschreibung dieser ersten sechs Standorte ist für das erste und zweite Quartal 2027 vorgesehen und soll EU-weit veröffentlicht werden. Im Anschluss beginnt die Bewerbungsphase, in der Interessenten ihre Konzepte präsentieren müssen. Zwischen dem dritten und vierten Quartal 2027 sind Hearings sowie umfassende Due-Diligence-Prüfungen geplant, bei denen die neue Behörde die wirtschaftliche und rechtliche Eignung der Bewerber bewertet. Die endgültigen Vergabeentscheidungen werden nach dem derzeitigen Zeitplan zwischen dem ersten und dritten Quartal 2028 erwartet.
Mit der ersten Vergaberunde ist der Prozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Für jene Casino-Standorte, deren bestehende Konzessionen erst 2030 auslaufen, beginnt eine zweite Ausschreibungsphase im Jahr 2029. Nach der Vorbereitung der entsprechenden Verfahren sollen die verbleibenden Konzessionen im Laufe des Jahres 2030 vergeben werden. Auf diese Weise wird die vollständige Neuordnung des Casinomarktes über mehrere Jahre gestreckt, während die neue Glücksspielbehörde schrittweise sämtliche Vergabeverfahren übernimmt.
Im Vergleich zum Lotto und zum Online-Glücksspiel nimmt der Casino-Bereich damit eine Zwischenstellung ein: Zwar bleibt der Markt weiterhin konzessionsgebunden, doch mit künftig 13 vorgesehenen Casino-Konzessionen, der Möglichkeit einer Vergabe in Standortpaketen und einem mehrjährigen Ausschreibungsprozess verändert sich vor allem die Organisation der Vergabe grundlegend.
Parallel: Spielerschutz wird ausgebaut
Parallel zur Neuvergabe der Konzessionen sieht die Reform mehrere Maßnahmen zur Stärkung des Spielerschutzes vor. Bereits ab 2027 soll ein zentrales Sperrregister eingeführt werden, in dem sich gesperrte Spielerinnen und Spieler österreichweit erfassen lassen. In den Jahren 2027 und 2028 folgen weitere technische Kontrollinstrumente: Payment-Blocking (Sperrung von Zahlungsströmen zu unerlaubten Anbietern), IP-Blocking (Erschwerung des Zugriffs auf bestimmte Websites) und Blacklisting (offizielle Liste nicht zugelassener Anbieter) sollen illegales Online-Glücksspiel stärker eindämmen. Bis 2029 ist außerdem ein digitales Aufsichtssystem vorgesehen, das Einzahlungslimits überwachen und die behördliche Kontrolle über den Online-Markt erleichtern soll.
Die wichtigsten Termine auf einen Blick
| Bereich | Ablauf bisherige Konzession | Ausschreibung | Vergabe | Marktstart |
| Online | 30.09.2027 (bis 31.12.2028 verlängert) | ab 01.10.2027 | 2027–2028 | ab 01.10.2027 |
| Lotto | 30.09.2027 | Frühjahr–Sommer 2027 | Ende 2027–Mitte 2028 | 2028 |
| Casinos (6 Standorte) | 31.12.2027 | 2027 | 2028 | 2028 |
| Weitere Casinos | 2030 | 2029 | 2030 | 2030 |
EU-Infothek.com