Donnerstag, 30. Juni 2022
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Exxpress / Bernhard Heinzlmaier: Die Tyrannei der Intimität

Logo: Exxpress (Ausschnitt: Twitter) / Prof. Mag. Bernhard Heinzlmaier, Screenshot: ORF/ZIB 2

Die “Tyrannei der Intimität” ist jene Strategie, die versucht, jede öffentliche Person auf das Maß eines lächerlichen Privatmenschen in Unterwäsche herabzudrücken – aber auch die Verfolgung von Andersdenkenden, und resultiert schließlich allzu oft in der Zerstörung des öffentlichen Raums. Jan Böhmermann oder Florian Klenk bedienen sich nur zu gerne an ihr, wie eXXpress-Kolumnist Bernhard Heinzlmaier beobachtet.

In Friedrich Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“ findet man den Satz: „Der christliche Entschluss, die Welt hässlich und schlecht zu finden, hat die Welt hässlich und schlecht gemacht.“ Nachdem es der postmodernen Welt recht egal ist, wie das Christentum sie findet, und sie deshalb auf dessen mürrische Betrachtungen kaum mehr reagiert, muss nach anderen Einflüssen gesucht werden, deren bösartiger Misanthropismus dafür sorgt, dass das Antlitz unserer Kultur uns zunehmend als hässliche Fratze erscheint. Schnell wird unsere Suche unter elitären Kulturschaffenden und unter Qualitätsjournalisten, die die Nase besonders hoch tragen, fündig.

Dort trifft man auf narzisstische und destruktive Charaktere, die keine anderen Ziele haben als den persönlichen Vorteil und die lustvolle Zerstörung der Werke, die andere geschaffen haben. Diese Menschen wollen nichts Brauchbares und Nützliches herstellen. Im Gegenteil, ihnen ist jedes Mittel recht, um sich das Lustgefühl zu verschaffen, das sich bei ihnen beim Anblick rauchender Trümmerfelder, deren Urheber sie selbst waren, einstellt.

Der zerstörerische Einfluss des Jan Böhmermann

Einer der gegenwärtig einflussreichsten narzisstischen Zerstörer ist der deutsche Fernsehclown Jan Böhmermann. Seine Methode, um Aufmerksamkeit zu erreichen, ist die Eskalation der Verbalinjurie. Was er macht, ist dem Prinzip des Dschungelcamps ähnlich. Dort gewinnt der, der kein Grausen davor hat, sich im stinkendsten Dreckhaufen zu wälzen und nicht vor den ärgsten und hinterhältigsten Intrigen gegen seine Mitspieler zurückschreckt. Auch Böhmermann nimmt lustvoll Dinge in den Mund, vor denen es dem normalen Menschen ekelt. Aussprüche wie „Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19, Wirtstiere“, gehen dem Mann geschmeidig über die Lippen. Und während er diesen und ähnlichen Dreck ausspuckt, sieht man seine Augen vor Glück und Geilheit strahlen und funkeln.

Böhmermann, das ist offensichtlich, ist niemandem verpflichtet und verfolgt keine politische Agenda. Was ihn antreibt, ist die reine perverse Lust an der Destruktivität. Menschen wie Böhmermann besitzen teuflische Anziehungskraft. Schon Thomas Mann hat festgestellt, dass für ihn Stawrogin, die Hauptfigur des Romans „Die Dämonen“ von Dostojewski, dem es mit seiner teuflischen Art gelingt, eine ganze Stadt ins Chaos zu stürzen, eine der anziehendsten Gestalten der Weltliteratur ist.

Florian Klenk, oder der „Richter Gnadenlos“

Eine ähnliche Figur wie Böhmermann, wenn auch weitaus hintergründiger, subtiler und vor allem tückischer, ist der österreichische Journalist Florian Klenk. Viele halten ihn für einen Linken, in Wirklichkeit ist dieser Mann aber nichts anderes als ein Exponent einer postmodernen performativen Ökonomie, der durch Aktivismus und Selbstdarstellung Aufmerksamkeitskapital zu akkumulieren versucht. Am Ende wird das Aufmerksamkeitskapital gegen ökonomisches Kapital getauscht und dieses in einen kleinbürgerlich-biederen Lebensentwurf investiert. Das Wesen der journalistischen Existenzweise von Klenk ist der des öffentlich-rechtlichen Clowns Böhmermann nicht unähnlich. Beiden ist jedes Mittel recht, um an ihr egoistisches Ziel zu gelangen.

Der schottisch-amerikanische Philosoph Alasdaire MacIntyre unterscheidet zwischen dem inhärenten und dem äußeren Gut, welches ein Mensch mit seiner Tätigkeit anstreben kann. Wer sich das Erreichen des inhärenten Guts zum Ziel setzt, dem geht es um die Sache selbst, wer das äußere Gut anstrebt, der will reich und berühmt werden, sonst nichts. Klenk geht es ganz offensichtlich nur um eines, die Erhöhung der Auflage seines anästhetischen, textüberladenen farblosen Wiener Regionalblättchens. Die Investigativ-Geschichten, die Klenk Woche für Woche bringt, sind von staubtrockenem Juristendeutsch und einer lustfeindlichen protestantischen Ethik geprägt. Dem Verfasser ist alles Menschliche, soweit es Affektives, Emotionales und Libidinöses betrifft, fremd. Was einzig zählt sind Recht, Gesetz, Urteilsspruch und Strafe. In der Welt von Klenk gibt es nur den Menschen als Rechtssubjekt.

Und Klenk selbst ist der Richter Gnadenlos, der das immer vernichtende Urteil spricht. Das klenksche Universum ist einzig beherrscht vom Prinzip Schuld und Sühne. Eine solche Mentalität passt prächtig zur Kleinbürgerlichkeit des Falterjournalismus, der den Herrschenden Macht und Geld neidet und die unteren Mittelschichten verachtet.

Die „Tyrannei der Intimität“ verbindet Böhmermann, Klenk und Konsorten

Die große Klammer, die die Charaktermasken der narzisstischen Postmoderne Böhmermann und Klenk miteinander verbindet, ist die Tyrannei der Intimität. So wird die Strategie benannt, die versucht, jede öffentliche Person auf das Maß eines lächerlichen Privatmenschen in Unterwäsche herabzudrücken. Dementsprechend wurde Ex-Bundeskanzler Kurz wegen seiner großen Ohren, seiner ihm angedichteten Homosexualität und seiner angeblichen Scheinvaterschaft wegen lächerlich gemacht. Böhmermann brachte das unglaublich amüsante Bonmot vom „Baby-Hitler“ in Umlauf. Und Klenk ließ es sich nicht nehmen, Kurz und seine Partnerin unter dem Motto „Geilzeit“ in eine Krippen-Szene zu montieren, in der Herbert Kickl und Alexander Schallenberg in der Rolle der guten Hirten auftreten und Susanne Thier mit nackten Brüsten posiert. Was hier gemacht wird, hat nichts mit Sexismus zu tun, vielmehr damit, dass in ihren Karrieremöglichkeiten limitierte neidzerfressene Kleinbürger jemanden auf ihr Niveau herunterzuholen versuchen, um sich so der Illusion hingeben zu können, mit der verhassten Person auf gleicher Statusebene zu stehen.

Was bleibt, ist der politisch-kulturelle Verfall

Tyrannei der Intimität bedeutet aber auch die Verfolgung von Andersdenkenden durch hinterhältige Intrigen, Verbreitung von Gerüchten, Gesinnungsschnüffelei, Denunzierung und die Ersetzung von Sachlichkeit durch das Pathos von Betroffenheits- und Opferrhetorik. Was das Verbreiten von Gerüchten betrifft, hat sich gerade Florian Klenk hervorgetan, der per Mail an die Polizei die Vermutung ausstreut, dass ein Twitter-Avatar namens Mr. Burns, durch den sich Klenk gefährlich bedroht fühlt, der Chefredakteur des Exxpress, Richard Schmidt, wäre. Die Hinweise, die Klenk dazu vorlegt, sind beliebig, assoziativ und an den Haaren herbeigezogen. Liest man die E-Mails, die Klenk an das LKA NÖ schickt, kann man sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass hier ein narzisstisch gekränkter Mensch, der sich gegenüber seinem Hassobjekt machtlos fühlt, mit Wut und Fanatismus Geschichten strickt, um diesem zu schaden. Wenn man in der Sache unterlegen ist, dann geht man über zum Angriff ad hominem.

Die Tyrannei der Intimität führt zur Zerstörung des öffentlichen Raums, in dem Menschen unabhängig von ihrer privaten Rolle über politische oder wirtschaftliche Angelegenheiten debattieren können sollen. Familie, sexuelle Orientierungen, private Verhältnisse betreffen alleine die Intimsphäre der Menschen. In der Politik und der politischen Berichterstattung haben sie nichts verloren. Beachtet man das nicht, degenerieren Politik und öffentlicher Raum zur lächerlichen Boulevardkomödie. Das genau erleben wir gerade und Böhmermann und Klenk sind die wichtigsten Initiatoren und Betreiber dieser politisch-kulturellen Verfallsgeschichte.

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