Mittwoch, 8. Dezember 2021
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Der neue Boom am Bosporus

München, Wien, Istanbul: Dies sind die drei Hotspots unter den europäischen Immobilienmärkten. Die Metropole am Bosporus zieht immer mehr internationale Investoren an. Aber auch Warschau, Berlin, Hamburg und Frankfurt bleiben interessante Standorte. Unterdessen verlagert sich die Preisdynamik auch in die mittelgroßen Städte.

[[image1]]Eigentlich steht Europa bei den internationalen Immobilien-Investoren nicht sonderlich hoch im Kurs. Von den insgesamt 20 Ländern, in denen die durchschnittlichen Objektpreise im vergangenen Jahr fielen, gehören 19 zur Europäischen Union. Wenig verwunderlich: Am stärksten brach der griechische Immobilienmarkt ein. Dort fielen die Preise 2012 im Schnitt um 13,3 Prozent.

Ganz anders in der benachbarten Türkei. Auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes im vergangenen Monat stand Istanbul im Fokus der Investoren. Die Stadt an der Nahtstelle von Europa und Asien gehört heute zu den Hotspots der weltweiten Immobilienmärkte. Aus dem einstigen „kranken Mann am Bosporus“ wurde eine kraftstrotzende Metropole.

Begünstigt wurde die Nachfrage nach Objekten in Istanbul und in anderen Großstädten der Türkei durch eine Reihe neuer Gesetze, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden,  und die ausländische Investitionen einfacher, sicherer und lukrativer machen. Der Bedarf an Immobilien in der Türkei ist gigantisch. Zugleich boomt die Wirtschaft. Das türkische Bruttoinlandsprodukt verdreifachte sich innerhalb von zehn Jahren. Die dortigen Einkommen wachsen laut OECD weltweit am schnellsten. Auch die Inflation, aktuell noch die Achillesferse der türkischen Wirtschaft, soll in diesem Jahr auf 6,4 Prozent sinken. Damit liegt das Land zwar immer noch deutlich über dem EU-Niveau, doch Fortschritte bei der Bekämpfung der Geldentwertung sind unübersehbar.

Auf dem Weg zum führenden Finanzzentrum

Während in anderen Staaten die Finanz- und Eurokrise tobte, stieg in der Türkei die Beschäftigung. Der dortige Bankensektor hat seine Krise schon vor vielen Jahren durchlebt. Nun rechnen Experten sogar damit, dass Istanbul in zehn Jahren zu einem der zehn größten Finanzzentren der Welt avancieren könnte.

Laut einer Umfrage von Pricewaterhouse Coopers und dem Urban Land Institute unter weltweit agierenden Investoren gilt Istanbul als erste Wahl bei laufenden und neuen Investitionen. In der Kategorie „Entwicklung“ hat sich die Stadt am Bosporus noch vor München. Warschau, Berlin und Stockholm platziert. Zusammen mit London, Paris und Moskau zählt Istanbul zu den vier europäischen Weltstädten. Langfristig dürfte der Istanbuler Immobilienmarkt daher äußerst interessant bleiben. Immerhin stufte die Association of Foreign Investors in Real Estate (AFIRE) die Türkei als Nummer drei der „attraktivsten aufstrebenden Volkswirtschaften für internationale Investitionen“ ein – nach Brasilien und China. Schon schwärmt Vize-Premier Ali Babacan von „Turkey 2023“. Sein Land will bis dahin zur zehntgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen.

Die Türkei ist kein Einzelfall. Während die internationalen Investoren die meisten europäischen Standorte derzeit eher meiden, ziehen andere Staaten das Kapital an wie riesige Magneten. Vor allem Österreich und Deutschland werden von Immobilien-Profis bevorzugt. Nach einer aktuellen Studie des britischen Immobilien-Beratungsunternehmens Knight Frank zählt Österreich bei Immobilien-Investoren zu den Top Ten und ist ähnlich attraktiv wie die Schweiz. Beim Investment-Ranking von PricewaterhouseCoopers belegte Wien Platz 5 – vor Mailand, Istanbul, Berlin, Rom und Frankfurt.

Die meisten Top-Immobilienstandorte gibt es derzeit allerdings in Deutschland. Unangefochten belegt München den ersten Platz unter den begehrtesten Metropolen in der Bundesrepublik. Es folgen Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main. Die Investoren interessieren sich dabei vor allem für moderne Bürogebäude, Shopping-Center und Hotels. Weil aber die anhaltend hohe Nachfrage in diesen Städten auf ein immer knapper werdendes Angebot stößt, steigen die Preise deutlich an. In Metropolen wie München und Hamburg warnen Experten schon vor der Gefahr einer Preisblase.

Die „Nebenwerte“ unter den Standorten

Daher rücken verstärkt mittelgroße deutsche Städte ins Blickfeld der Investoren. Während sich nämlich die Preisdynamik in den Ballungsgebieten etwas abschwächt, gewinnt sie zunehmend an Breite. Davon profitieren gute bis sehr gute Lagen an Standorten wie zum Beispiel Leipzig, Dresden, Heidelberg, Nürnberg und Mainz. Dort sind gleichermaßen Wohn- und Gewerbeimmobilien interessant. Wer allerdings in die Provinz geht, braucht ein hohes Maß an Marktkenntnis, denn er investiert gleichsam in „Nebenwerte“, die – wie an der Börse – in der Regel volatiler sind als die „Standardwerte“, sprich: die strukturstarken Metropolen.

Europas Immobilienstandort Nummer eins bleibt indessen London. Daneben gehört auch die polnische Hauptstadt Warschau zu den von Immobilien-Investoren bevorzugten Märkten. Was den Anstieg der internationalen Immobilienpreise angeht, bleibt Hongkong nach wie vor der Spitzenreiter. Dort stiegen die Objektpreise allein im vergangenen Jahr um 23,6 Prozent, ausgelöst durch den Ansturm chinesischer Investoren vom Festland. Eine zusätzliche Steuer soll diesen Nachfrageboom nun etwas eindämmen. Ebenfalls enorme Preissprünge wurden in Dubai verzeichnet. Die dortigen Immobilien legten 2012 im Schnitt um 19 Prozent zu. Verglichen damit, steigen die Preise selbst in Deutschland und Österreich in der Tat nur moderat.

 

 Bild: Rainer Sturm/PIXELIO/©www.pixelio.de

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