Montag, 23. September 2019
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PRESSE / „Ibiza-Video“ auch STRABAG angeboten

Das Strabag-Haus in der Wiener Donau City / Bild © Robert F. Tobler – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Ausschnitt)

Rund um das auf Ibiza mit einem Lockvogel gedrehte Video kommen mehr und mehr Details an die Öffentlichkeit. Wie die „Presse“ (Onlineausgabe) gestern berichtete, soll Anwalt M. nicht nur der SPÖ, sondern auch einem Lobbyisten der STRABAG das „Ibiza-Video“ für rund fünf Mio. Euro bereits im Sommer 2017 zum Kauf angeboten haben.

Laut Bericht sah der Lobbyist schon damals einige Auszüge des Videos, er lehnte aber ab. Der Preis sei „aberwitzig“ gewesen, zudem zahle die STRABAG niemals für Erpressungsmaterial. Den Angaben zufolge informierte er STRABAG-Chef Hans Peter Haselsteiner nicht über das Video, sondern erst nach dessen Veröffentlichung. Das bestätigte Haselsteiner laut „Presse“-Bericht.

Deutscher Verein zahlte 600.000 Euro

Ein deutscher Verein soll letztlich den Herstellern des „Ibiza-Videos“, das Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus zum Rücktritt bewogen hat, das Material um 600.000 Euro abgekauft haben. Das berichtete die „Kronen Zeitung“ (Montag-Ausgabe). Das Video, das in weiterer Folge vom „Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) veröffentlicht wurde, sei in Krügerrand-Goldmünzen bezahlt worden.

Laut „Krone“ waren vier Personen – ein Wiener Anwalt, ein Detektiv und zwei Sicherheitsexperten – für die Produktion des Videos verantwortlich. Ihr kolportiertes Motiv: persönliche Rache und Abneigung gegen die freiheitliche Politik. Ein Leibwächter des Anwalts mit einer Kanzlei in der Wiener Innenstadt soll Details über das Privatleben Straches gekannt haben, auf Basis dieser Informationen wurde dann angeblich gezielt ein Lockvogel für den FPÖ-Chef gecastet.

Studentin als Lockvogel?

Bei der vorgeblichen Nichte eines russischen Oligarchen, mit der sich Strache und Gudenus im Sommer 2017 auf Ibiza trafen, soll es sich um eine mehrsprachige bosnische Agrarwissenschaftsstudentin gehandelt haben. Laut „Krone“ erhielt sie für ihre schauspielerischen Leistungen eine Tagesgage von 6.000 bis 7.000 Euro.

Bestätigung für die „Krone“-Berichterstattung gab es keine. Der Rechtsvertreter des Wiener Anwalts, Richard Soyer, wollte auf APA-Anfrage die Meldung nicht kommentieren. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hatte am Wochenende für die Mitwirkenden am Video U-Haft wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr verlangt. Für die FPÖ besteht der Verdacht auf Urkundenfälschung, Täuschung und Missbrauch von Ton- und Abhörgeräten.

Staatsanwaltschaft Wien leitete Ermittlungen ein

Die für die Prüfung allfälliger strafrechtlicher Tatbestände zuständige Staatsanwaltschaft Wien hat zwar Ermittlungen eingeleitet, äußerte sich aber nicht dazu, gegen wen sich diese richten und welche möglichen Vergehen im Raum stehen. Es werde „in mehrere Richtungen ermittelt“, teilte Behördensprecherin Nina Bussek heute Vormittag in einer Presseaussendung mit. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ war Bussek zu keinen weiteren Auskünften bereit.

„Zentrum für politische Schönheit“ weist Beteiligung zurück

Das „Zentrum für politische Schönheit“ – ein deutscher Verein, der sich der politischen Aktionskunst verschrieben hat und der als möglicher Auftraggeber des „Ibiza-Videos“ vermutet wurde – wies heute über den Kurznachrichtendienst Twitter jedwede Beteiligung zurück. Weder sei für das Video seitens des Vereins Geld geflossen noch habe man es den Medien zugespielt.

„Statt wilde Gerüchte über den Ursprung des Videos zu verbreiten, könnten sich die investigativen Ressorts um die Finanzierungsquelle der #FPÖ kümmern“, twitterte das „Zentrum für politische Schönheit“.

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Vielleicht sollten sich unabhängige investigative Ressorts mal um die Finanzgebarung und etwaige dubiose (Auslands-) Förderung (z.B. durch finanzkräftige bekannte Investoren und deren Vorfeldorganisationen) dieses Vereins „Zentrum für politische Schönheit“ kümmern

  2. Avatar

    Ich bin über ihre Recherchen und vor allem die neutrale objektive Herangehensweise sehr erfreut. Ihre Redakteure ermitteln wie professionelle Kriminalisten.

    Bei vielen selbsternannten Aufdecker-Journalisten ist das nicht der Fall. Der Fall Udo LANDBAUER hatte einzig und alleine die Motivation des Aufdeckers, der FPÖ zu schaden. Wichtige Fragen in dieser Causa blieben unbeantwortet oder wurden nur am Rande erwähnt.

    Bitte recherchieren sie weiter wie bisher. Ich kann mir vorstellen, dass ihnen von allen Seiten „Wind“ entgegen bläst.

    Die Gerichte und Staatsanwälten können längst nicht mehr so uneingeschränkt ohne Beeinflussung von wo auch immer arbeiten. Das musste ich schon während meiner Zeit als Ermittler erkennen.

    Zurzeit arbeite ich an einem Buch – bzw schreibe ich Kommentare zu medialen Veröffentlichungen und Geschehnissen – wobei es mir darauf ankommt,

    was will der Publizist bezwecken,
    wem dient oder schadet es,
    ist die Publikation objektiv und neutral,
    ist eine Tendenz festzustellen

    und vieles mehr.

    Das heißt, alles wird von mir hinterfragt. Ich bin zur Ansicht gekommen, dass die Beeinflussung der Bürger ein derartiges Ausmaß angenommen hat, dass es für „Ottonormalverbraucher“ immer schwerer wird, die Realität zu erkennen.

    Es gibt nichts, wo nicht ein (un)lauteres Motiv dahinter steht. Nur wer erkennt wirklich, was bezweckt wird.

    Liebe Grüße und weiterhin frohes Schaffen im Sinne der Wahrheit und auch der Gerechtigkeit

    Josef MARKSTEINER

    PS

    Recherchen zum Rattengedicht-Verfasser wären interessant. Gedanken sind wohl erlaubt, ob da nicht auch Geld geflossen ist. Mit dem würde ich gern sprechen.

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