Donnerstag, 20. Juni 2019
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Ibiza-Gate: „Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“ (Zitat Heinz von Foerster)

Wahrheit / Lüge | Bild © CC0 Creative Commons, Pixabay (Ausschnitt)

Die Deutungshoheit über das, was wahr ist und als wahr wahrgenommen werden sollte, lag und liegt immer bei den Siegern, den Mächtigen, jetzt in unserer Demokratie bei den Politikern und großen Medien.

Politiker und mächtige Medien bestimmen die Argumentationslinie und beeinflussen die Gedanken ihrer Wähler und Leser.

Dieser unbestrittene Sachverhalt hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Internet, Social-Media-Kanäle und Online Medien haben das Meinungsmonopol der Politiker und großer Medien gebrochen.

Wahr ist nicht mehr allein das, was mächtige Personen und Medien behaupten, sondern mit Fakten unterlegt und einer professionellen Nachrecherche oder einer eigenen Wahrnehmung – und sei dies auch nur der Hausverstand – standhält.

Das Ibiza Video ist der beste Beweis, dass Wahrheit, je tiefer dieser nachgegangen und je intensiver ein Thema recherchiert wird, sehr zum Nachdenken zwingt

Es ist unbestritten, dass der Eindruck der partiellen Video-Sequenzen, welche HC Strache und Johann Gudenus zu Fall gebracht haben, ein fürchterlicher, erschreckender und abstoßender ist.

Das sollen Politiker sein, die in einer Partei, in diesem Fall der FPÖ, Machthaber sind und als deren Leader auftreten?

Gewiss, die Macht der Bilder ist überwältigend und der erste impulsive Gedanke lautet: Hier gibt es nichts mehr zu erklären, es ist alles klar und deutlich am Bildschirm.

De Äußerung nicht weniger Politiker und Kommentare von bedeutenden Journalisten gehen in eine Richtung: Die handelnden Personen und deren Partei sind zu verurteilen und müssen geächtet werden. Ohne Wenn und Aber, die Bilder und Worte sprechen ja für sich. Hinzu kommt der beliebte Stehsatz: Aus einem Menschen kann verbal nur herauskommen, was er in sich trägt und fühlt.

Diese Totschlagargumente sind in unserer Demokratie nicht zu akzeptieren.

Wir alle sind stolz auf unser humanes Gerichtssystem, in welchem jedem Beschuldigten die Möglichkeit, alle Argumente vorzutragen, gewährleistet wird.

Zum Glück haben wir Staatsanwälte, welche von Amts wegen verpflichtet sind, nicht nur alles Belastende gegen den oder die Beschuldigten zu erforschen, sondern auch, gleichwertig, alles Entlastende. Einigen durch besondere Güte hervortretende Medien ist immer wieder zu entnehmen, dass Prozesse zum Beispiel gegen Gewalttäter oder Vergewaltiger sehr milde oder mit Freispruch enden, weil das Gericht, die Anwälte, oftmals sogar die Staatsanwälte oder die Geschworenen festgestellt haben, dass es bedeutende mildernde Umstände gibt, die unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Dieses System der fairen Gerichtsbarkeit haben auch Politiker zu erwarten. Die massive Verurteilung ohne Wenn und Aber, ohne die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte, die Regie hinter dem Video, die Bedeutung der gesamten kriminellen Organisation, welche daran mitgewirkt hat, die politischen Hassmotive, der Zeitpunkt vor der Europawahl und der Versuch, dieses Video beispielgebend für alle Parteien und deren Vertreter, welche rechts der Mitte stehen, einzusetzen, ist restlos zu klären. Es muss allen handelnden Personen, welche das Video ganz oder in Sequenzen gesehen haben, sofort die Regie hinter den gezeigten Bildern aufgefallen sein. Es muss auch jedem denkenden Journalisten der Zustand von Strache und Gudenus ins Auge gesprungen sein.

All diese Fakten müssen sehr wohl in unserer Demokratie geprüft, geklärt und hinterfragt werden.

Die beliebte, bekannte Art besonders österreichischer Politiker und Journalisten, jeden unliebsamen Aufdecker sofort in irgendein Eck zu stellen oder ihm finanzielle oder andere Motive zu unterstellen, Abhängigkeit vorzuwerfen, die es nicht gibt, wird auch dort und da in Bezug auf die Enttarnung der Hintermänner des Ibiza Videos gepflegt.

Anstelle einer intensiven eigenen Recherche oder Prüfung der veröffentlichten Rechercheergebnisse wird versucht, den aufgelegten Elfmeter ohne Tormann, welcher die ungeliebte FPÖ und deren Politiker ins Aus kicken soll, zu verwandeln.

Die restlose Aufklärung aller Umstände im Zusammenhang mit dem Ibiza Video ist noch nicht abgeschlossen, geht aber zügig weiter.

Die offenen Punkte und Fragen sind:

  • Zur Beurteilung muss das gesamte Video eingesehen werden können
  • War RA Ramin Mirfakhrai auch der Finanzier des Videos? – Er ist sehr vermögend und könnte das Video locker selbst finanziert haben. Andererseits hat er in seinem Anwalts-Tätigkeitsfeld sehr vermögende Firmen und Personen, die als Finanzier in Frage kommen könnten.
  • Wer hat die 600.00 Euro Krüger Rand auf den Tisch gelegt?
  • Welche Rolle spielen die Medien, wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Falter wirklich? – Zumindest jener Teil der Geschichte, welcher von der Übergabe des Materials handelt, ist atemberaubend.
  • Welche politischen Kräfte in Wien wussten seit 2017 von dem Video, kannten es sogar und haben es auch auf Eis gelegt bzw. die handelnden Personen gebeten, es auf Eis zu legen?
  • Welche politischen Kräfte haben in Zusammenarbeit mit der Wiener politischen Szene das Video in Deutschland – mit perfektem Timing – an die Medien gebracht?
  • Welche Partei hat möglicherweise die Investition von 600.000 Euro für den Ankauf des Videos als wesentlich günstiger empfunden als Millionen Euro für Plakatwerbung auszugeben?
  • Wer hat den Fragenkatalog für HC Strache und Gudenus zusammengestellt?
  • Welche Substanzen haben die beiden im bekannten Haus in Ibiza vorgesetzt bekommen und auch vereinnahmt?
  • Welche Substanzen haben dieses überbordende Balzverhalten der beiden Männer – trotz Anwesenheit einer Ehefrau – ausgelöst und auch über einen langen Zeitraum aufrecht gehalten?
  • Wo wurde der Lockvogel gecastet? – Es gibt Hinweise, dass dieses Casting in einer Kanzlei in der Wiener Innenstadt stattgefunden hat.
  • Wer hat Julian Hessenthaler mit Bargeld, auch wenn es kleinere Summen waren, versorgt, zumal dieser zum Zeitpunkt 2017 ja laut Recherchen von EU-Infothek sich immer wieder kleine Beträge von 1.000 bis 2.000 Euro ausgeborgt hat?

Erst dann, und wirklich erst dann, wenn all diese Fragen restlos geklärt sind, sollten wir alle über Ibiza-Gate urteilen.

Nochmals zu Klarheit für alle, die das nicht gerne sehen:

Es geht wirklich nur um die Wahrheit und nicht um die Unterstützung von Personen oder einer Partei. So viel Fairness sollten wir alle haben, besonders von den Medien kann das erwartet werden.

Den Politikern sind andere Meinungen und auch Verschwörungstheorien zu verzeihen, auch sie machen eben nur ihren Job.

Wenn Ibiza-Gate restlos aufgeklärt wird, wird es kaum wieder derartige Aktionen gegen politische Personen, Firmen oder Organisationen geben. Sie alle müssen bedenken, dass derartig kriminelle Methoden in der heutigen, technisierten Zeit jeden treffen können.

Dazu abschließend nur ein Hinweis: EU-Infothek liegen Informationen vor, wonach der Lockvogel für verschiedene weitere Aktionen ähnlicher Art im Einsatz war, monatelang, bis Februar 2019 sogar in Wien! Auch Julian Hessenthaler wurde kurz nach der ersten Veröffentlichung des Videos, Ende Mai 2019, in Wien gesehen.

EU-Infothek bleibt dran und wird weiter berichten.

An dieser Stelle großen Dank an Journalisten und Medien, die ebenfalls die Wahrheit recherchieren und diese verbreiten.

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9 Kommentare

  1. Ich als Bürger dieses Landes möchte restlose Aufklärung in dieser Sache , ich bin sehr froh das sich EU Infothek so stark einsetzt Danke .

  2. Das finde ich einen Spitzenmäßigen Beitrag! Mir gefällt, wie hier“ Ibizagate“ schon lange aufbereitet, wie recherchiert und aufgezeigt wird.

    Mir geht es gar nicht so sehr um Strache und Gudenus oder gar die FPÖ! Mir geht es in erster Linie um Recht und Gerechtigkeit – und dies gehört unbedingt eingefordert!

    Halbheiten, Halbwahrheiten, Verzerrungen, da nur ausgesuchte Sequenzen des Videos ausgestrahlt wurden, sofortige Verurteilung ohne Hintergründe aufzuhellen – das finde ich abscheulich! Abscheulich auch von den Medien, die das genussvoll immer und immer wieder bringen. Investigativer Journalismus? Fehlanzeige!

    Hintreten, schlecht machen all derer die Rechts von Links stehen datum geht es letztendlich!
    In A die in der Regierung befindliche FPÖ, in D die AfD! Überall dieselben, verlogenen Mechanismen!

  3. Ich danke der eu-Infothek für die Recherchen und hoffe, daß diese auch ohne Hindernisse oder ein Zurückpfeifen durch Politiker oder Institutionen die Aufklärung im Auge behalten. Denn, das was hier vorgefallen ist, Abhören, etc. erinnert an Zeiten von vor 70 Jahren resp. DDR.

    Allerdings wage ich zu bezweifeln, daß der u.a. Dank angebracht ist. Die linken Journalisten +Medien haben kein Interesse an einer Aufklärung, zumindest nicht nach meinem Dafürhalten !!

    „großen Dank an Journalisten und Medien, die ebenfalls die Wahrheit recherchieren und diese verbreiten.“

  4. ja, danke, dranbleiben!!! die „qualitätsmedien“ recherchieren ja nicht mehr, die kopieren bloß, was ihr ermittelt habt….

  5. Leider kann ich die Worte “ humanes Gerichtssystem“ und „Staatsanwälte, welche von Amts wegen verpflichtet sind, nicht nur alles Belastende gegen den oder die Beschuldigten zu erforschen, sondern auch, gleichwertig, alles Entlastende“ nicht bestätigen.

    Ich selbst wurde Opfer politischer Intrigen, bei denen, zumindest die Grazer Justiz, willfährig mitgespielt hat.

    Nachdem es ja um die Ibiza Sache in den Medien relativ ruhig geworden ist, hoffe ich nur, dass Ihr dranbleibt, sonst werden wir nach der nächsten Wahl erleben, wie man Ergebnisse zurückgehalten hat. Zumal ihr die einzigen seid, die wenigstens auch Namen nennen.

    BLEIBT DRAN

  6. Herzlichen Dank für ihren unermüdlichen Einsatz, damit die Auftraggeber. die Typen die dieses hinterhältige Video produziert und die Typen die es verkauft haben zur Rechenschaft gezogen werden.

  7. Ich finde es sehr bedenklich, dass bei dieser Ibiza Affäre medial kein Interesse an der Aufkärung der ganzen Intriege und an deren Hintermänner gezeigt wird. Das zeigt eindeutig das politische Interesse in diesem Fall. Enseitige Berichterstattung deutet in Östrreich für gewöhnlich an politische Einflussnahme hin.
    Der Fall muss restlos aufgeklärt werden. Mit der gezeigten Hinterhältigkeit und Skrupellosigkeit darf niemand durchkommen.
    Daher muss man EU-Infothek.com ganz besonders loben. Ohne diese Recherchen wäre der Ibiza Fall mit dem Rücktritt der beiden Politiker und der Absetzung des unbeteiligten Innenministers !! medial und höchstwahrscheinlich auch strafrechtlich beendet gewesen.
    Großartige Arbeit, bitte weiter so. DANKE!

  8. Es ist ja verständlich, daß sich die, an die Pressefreiheit klammernden Medien jetzt zurückhalten, und an weiterer Aufklärung kein Interesse haben! Der böse Feind ist erlegt, egal wie, von wem und mit welchen Methoden! Ungeachtet der Möglichkeit in Zukunft jeder persönlich oder politisch unbeliebten Person eine Falle stellen zu können, und sie damit auszuschalten! Ist das etwa die Form von Demokratie, die sich die heuchlerischen um „Pressefreiheit“ kämpfenden, aber stets gleichgeschalteten Medien wünschen? Die Unschuldsvermutung gilt nur für die Täter? Hauptsache das Ziel ist erreicht! Na, dann gute Nacht Demokratie! Der EU Infothek sei jedenfalls gedankt, dass sie sich nicht in den Mainstream eingliedert! Wünsche jedenfalls viel Erfolg bei der hoffentlich lückenlosen Aufklärung…

  9. Es ist völlig klar, was hier passiert ist und dass vor allem ein Land daran interessiert war, die österreichische Regierung zu Fall zu bringen: Deutschland ! Ich möchte endlich lesen, dass bekannt wird, bzw. die Steuerfahndung sich damit beschäftigt, woher das Geld kam, was es mit diesem ominösen Verein auf sich hat, ob die SZ für das Material bezahlt hat. Ich finde es auch sehr bedenklich, dass hier bei anderen Journalisten kein Wille zur Aufklärung mehr besteht. Ist aber aus genannten Gründen auch wiederum klar.
    Ich hoffe deshalb sehr, dass EU-Infothek.com weiter dran bleibt.

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