Mittwoch, 25. April 2018
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Wie geht es Ihnen? Leider gut.

Bild © CC narciso1/Pixabay (Ausschnitt)

Wer Europas Medien konsumiert, der glaubt, hier hungerten Menschen in Straßengräben, würden darbende Arbeiter von dickgefressenen Kapitalisten versklavt werden, die Welt in Gift und Dreck verwelken. Denn für Europas Eliten in Medien, Schulen, Unis und NGOs ist das Glas nicht halbvoll – sondern immer leer.

Negative, beziehungsweise auf Wut getrimmte Nachrichten genießen in den Medien prinzipiell freie Fahrt. Ihre dumpfe Botschaft, „Wegen des Kapitalismus wird alles schlechter, teurer und ungerechter!“, wird prinzipiell unrecherchiert und unkritisiert auf prominentem Platz veröffentlicht. Und so manche Partei verdankt ihre Existenz der geschürten Abstiegsangst.

 

Früher war der Himmel blauer

Dabei scheinen unsere Eliten vergessen zu haben, dass sie in den Wohngemeinschaften von gestern noch Buch führen mussten, wie lange ein jeder wohin telefonierte, so teuer war das damals noch.

Die Marktwirtschaft hingegen hat die biologisch perfekten Wachstumsbedingungen für uns Menschen geschaffen: Jährlich werden unsere Kinder noch größer, noch gesünder, noch schwerer und noch klüger. Die Geschlechtsreife rückt immer weiter nach vorne, und wir leben immer länger.

 

Auf Pessimisten hereingefallen

„Tagesschau“-Sendungen aus den 80ern sorgen heute für kalten Schauer: täglich Betriebsschließungen, Massenarbeitslosigkeit, Inflationsrekorde, Streiks, Terroranschläge – Pessimismus, wohin man schaute. Und Sozialpolitiker, die vor der Zukunft warnten und nach mehr Verteilung riefen.

Wer damals aber trotzdem in Immobilien investierte – der war 20 Jahre später ein gemachter Mann. Denn natürlich war die Welt nicht unter- sondern munter weitergegangen. Vor allem aber Preise, Löhne und Inflation.

Wer aber auf seine pessimistischen Sozialpolitiker reingefallen und Mieter geblieben war, der hat auch heute nichts. Kein Vermögen, keine Sicherheiten – nur eine Pension, von der die Miete große Teile frisst. Nun ist er wieder von pessimistischen Sozialpolitikern abhängig, die einem alle fünf Jahre (vor der Wahl) die Pension erhöhen, um weiter an der Macht zu bleiben.

 

91% glauben: „Umwelt wird zunehmend verschmutzt!“ [1]

Europas Eliten ziehen ihre Daseinsberechtigung aus herbeibeschworenen Katastrophen. Diese betreffen jeden Menschen, jedes Tier und jede Pflanze an jedem Platz dieser Erde. Auszugsweise seien erwähnt: Öko-Pauschal-Katastrophe, Wasserkatastrophe und Rohstoffkatastrophe.

Dabei künden fast alle Luft- und Wassermessergebnisse vom Gegenteil. Um 86 Prozent sank die Feinstaubbelastung seit 1990: Von damals 180 Mikrogramm pro Kubikmeter bis auf nur mehr 25 Mikrogramm (2010).

90 Prozent des Schwefeldioxids verschwanden seit 1990 aus der Luft. Ozonschädigende Stoffe sind fast ganz verschwunden. Dank unzähliger Kläranlagen sind die meisten Seen und Flüsse heute so sauber wie seit 150 Jahren nicht mehr. Und um einen Dollar BIP zu erzeugen, brauchen die Chinesen heute weniger als ein Viertel der noch im Sozialismus benötigten Energie (10.000 BTU Energieeinheiten gegenüber 34.000, 1979)[2].

 

72% glauben: „Kriminalität nimmt zu!“

Falsch. Fragt man Leute von der Straße: „In den 1970ern gab es in Deutschland pro Jahr 50 bis 60 Sexualmorde – wie viele glauben Sie, gibt es heute?“ – dann erhält man regelmäßig Zahlen, die wesentlich höher liegen. Tatsächlich waren es 2013 nur noch sechs[3],[4]! Im ganzen Jahr.

52 Prozent der Bundesbürger sagen heute: „Ich bin gewaltfrei erzogen worden!“ – noch vor 20 Jahren waren es nur halb so viele. Wurden Mitte der 1990ern noch knapp 1.800 Menschen jährlich ermordet[5], ist es heute nur noch knapp ein Sechstel (2015: 296)[6]. Den einzigen Ausreißer bilden Wohnungseinbrüche, sie steigen durch die Ostöffnung.

 

72 % glauben: „Wir ernähren uns immer ungesünder!“

Auch hier klaffen Wirklichkeit und Angst weit auseinander. In den 1950ern konsumierten Herr und Frau Österreicher erst 50 Kilogramm Gemüse im Jahr, 2015 verputzten sie schon das Doppelte –  115 kg[7]. Ähnliches bei Obst und Fisch. Fleisch dagegen gibt es immer seltener.

Die Dünger-Orgien der 70er-Jahre sind Vergangenheit, satellitengestützte Rechner dosieren heute für jedes Feld die Nährstoffgaben individuell.

Auch die Böden werden weniger stark ausgelaugt, als von Angst-Profis gern behauptet wird. Sagt Günter Schumann vom Julius-Kühn-Institut. Und dass Südfrüchte unreif gepflückt werden müssen, sei ein notwendiges Übel – im Lagerhaus würden sich in der Regel aber alle Vitamine voll ausbilden.

Gemeinwohl-Depression

Um glückliche Bilder vor Augen zu haben, müssen unsere traurigen Eliten weit zurückblicken. Etwa 300 Jahre. Bis dahin wäre die Welt für sie noch in Ordnung – Nahrungsmittel und Ökonomie gesund und ehrlich gewesen. Das Wirtschaftsmodell der damaligen Zeit – unzählige Kleinbauern, einige Handwerker, keine Großbetriebe – begreifen sie auch ohne Wirtschaftsbildung.

Leider gab es damals aber weder Technik noch Maschinen. Die Arbeitskräfte waren unproduktiv (außer bei der Vermehrung), todunglücklich  – und bettelarm. Das Leben war einfach, kurz, archaisch und zentral strukturiert – von Kirche, Tradition und Fürst. Die beißende Not ließ alle eng zusammenrücken – was Sozial-Melancholiker heute gerne als Gemeinwohl-Orientierung verklären.

 

Zugegeben – dem langsamen Leben „von anno dazumal“ steht die Hektik einer modernen Gesellschaft entgegen. Tatsächlich verbrauchen moderne Ökonomien auch viel mehr Ressourcen als rückständige Agrar-Gesellschaften.

Dafür gibt es aber wesentlich weniger Gewalt, Krieg und Leid. Und, was rückwärtsgewandte Gemeinwohl-Pessimisten oft vergessen: Es ist ausgerechnet die „materialistische Marktwirtschaft“, die jene Mittel erwirtschaftet, um zehntausenden Absolventen von „Flower-Power“-Orchideenstudien stressfreie Jobs bei Staat und NGOs zu finanzieren.

Wie bei so vielen gesellschaftlichen Problemen heutzutage, scheint es auch hier wieder an den Medien zu liegen, wenn sie negative und systemkritische Meldungen so krampfhaft überbetonen, dass den Menschen Lebensfreude und Zukunftsglauben genommen werden.

Und das schadet der Gesundheit auch.

 

 

 

 


[1] Umweltbundesamt, In: „Die Luft wird besser“, Spiegel Online, 6.2.2013

[2] China – Energieintensität, www.knoema.de

[3] „Anzahl der polizeilich erfassten Sexualmorde in Deutschland“, www.statista.de

[4] Erst seit 2014 steigt der Wert wieder leicht auf 13 Fälle, 2015

[5] „Tötungsdelikte USA – Deutschland von 1900-2015, Kriminologie I, SS 2015, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht

[6] Anzahl der Mordopfer in Deutschland von 2000 bis 2015, www.statista.de

[7] Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauches an Gemüse in Österreich, Statistik Austria, AMA Marketing, 2016

 

Über HÖRL, MMag. Michael

HÖRL, MMag. Michael
EU-Infothek-Kolumne „nEUrotisch MMag. Michael Hörl, Betriebswirt, Wirtschaftspädagoge und Wirtschaftspublizist in Salzburg. Hörl hat Europas erstes "Globalisierungskritik-kritisches" Buch geschrieben: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". Zuletzt erschienen: „Die Armutsindustrie. Wie mit falschen Zahlen Politik gemacht wird“, Wien: Verlag Frank & Frei der Team Stronach Akademie 2017. www.michaelhoerl.at

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