Dienstag, 22. Oktober 2019
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Weg mit dem Schotter – das Ende von Cent und Euro-Münzen?

Nur zu gut kennen wir das Problem der Geldbörsen, die aus allen Nähten platzen, weil sich darin unweigerlich jede Menge Kleingeld sammelt. Zehn Jahre nach Einführung der Währung denkt man nun an die Abschaffung der 1 und 2 Cent-Münzen und Umstellung auf 1 und 2 Euro-Geldscheine.

Zwei legislative Berichte dazu wurden Dienstag mit großer Mehrheit angenommen und die EU-Kommission wird eine Folgenabschätzung dessen durchführen, was in Finnland schon lange praktiziert wird.

Nur zu gut kennen wir das Problem der Geldbörsen, die aus allen Nähten platzen, weil sich darin unweigerlich jede Menge Kleingeld sammelt. Zehn Jahre nach Einführung der Währung denkt man nun an die Abschaffung der 1 und 2 Cent-Münzen und Umstellung auf 1 und 2 Euro-Geldscheine.

Zwei legislative Berichte dazu wurden Dienstag mit großer Mehrheit angenommen und die EU-Kommission wird eine Folgenabschätzung dessen durchführen, was in Finnland schon lange praktiziert wird.

Um ein plakatives Bild von dem Schotterberg, der sich in den Geld- und Hosentaschen der Europäer tummelt, zu zeichnen: Etwa 37 Milliarden Cent-Münzen und immerhin noch über 10 Milliarden Euro-Münzen sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Das entspricht einem Umlaufwert von 15 Milliarden Euro und bringt ein Gesamtgewicht von 1700 Tonnen auf die Waage. Für die Entsorgung des Metallschrotts sind staatliche Unternehmen zuständig, die die Reste zumeist an Metallhändler versteigern. Alleine der Kupfergehalt der Euromünzen beläuft sich auf 600 Tonnen. Ein Hype an Gewinnen ist allerdings nicht zu erwarten, liegt doch der Wert für das ganze Metall derzeit bei gerade mal 4,5 Mio. US Dollar.

Das visionäre Österreich hatte schon vor der Währungseinführung für einen 2 Euro-Schein plädiert, ist jedoch an mangelnder Unterstützung der anderen Mitgliedsstaaten gescheitert. Also wurde gemeinschaftliches Geld in Design, Prägung und Umrüstung diverser münzbetriebener Geräte gesteckt, ganze Industrien haben mitverdient und jetzt spulen wir das Geldvernichtungsprogramm rückwärts ab. Ein paar Hürden gilt es schon zu überwinden. Was steckt man in die Einkaufswagen im Supermarkt? Wie bringt man in der Waschküche die Waschmaschine zum Laufen, wenn man keinen Euro mehr einwerfen kann? Wer wird noch die Sonntagsausgabe der Zeitung sponsern oder hängen dann größere Boxen an den Zeitungsständern, um die Münz- und Scheineflut aufzufangen? Egal, zur Belebung der Volkswirtschaft wird sicher alles wieder umgerüstet und der Einzelne zahlt brav mit.

Wie wird sich die Umstellung auf Spenden auswirken? Die paar Restmünzen wirft man doch leichten Herzens in die Büchsen, die an jeder McDonalds Theke aufgestellt sind und deren Inhalt Caritas, Kinderhilfe oder dem Tierschutz zu Gute kommt. Fällt das unter den Rost oder quellen die Sammelboxen bald schon mit Scheinen über?

Stichwort Spenden: Als nette Aktion der Nachbarschaftshilfe könnten wir die ungeliebten Münzen mit Konvois nach Griechenland schicken. Kleinvieh macht schließlich auch Mist. Aber werden die Griechen den Euro(restmüll) überhaupt noch haben wollen?

Über WAMBACHER, Mag. Gerlinde

WAMBACHER, Mag. Gerlinde
Mag. Gerlinde Wambacher war Redakteurin des wirtschaftspolitischen Magazins ERFOLG, Mitautorin des Buches "Wenn der Achter im Zenit steht. Causa Jack Unterweger" und schreibt Zeitgeistkolumnen.

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