Montag, 3. August 2020
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Thank you for Flying Romanistan

“ROMANISTAN steht für den Wunsch nach einer selbstverständlichen Existenz – mit der damit verbundenen Hoffnung, dass irgendwann alles gut wird,” schreibt der Schauspieler und Theaterpädagoge Hamze Bytyci in der Projektpublikation “Romanistan ist überall”.

[[image1]]Romanistan. Crossing Spaces in Europe. entstand auf Initiative des Roma Kulturzentrum Wien. Dem Projekt gingen jahrelange vergebliche Versuche des Zugangs zu Fördermitteln der Stadt Wien voraus. Da es sich bei der städtischen Förderlandschaft um eine strukturell bedingte diskriminierende Praxis handelt, wurde versucht in das EU-Kulturprogramm vorzudringen. Die Eckpunkte der Projektidee lassen sich mit den Schlagworten politischer Networking, Antirassimus, Kulturarbeit, Selbstbestimmung, Kunstproduktion und Zuschreibung umreißen.

Der Titel ROMANISTAN hat bereits bei der Eröffnungskonferenz in Wien zu heftigen, aber höchst interessanten Diskussionen zwischen den VertreterInnen verschiedener Romaorganisationen geführt. Und auch am Ende des Projektes sind in der Abschlusskonferenz „Thank you for flying Romanistan“  Konfliktfelder sichtbar geworden.

Kultur ist Konflikt

Die Reise durch Romanistan endet nun im Sommer und es beginnt eine neue Reise mit dem nächsten EU-Kulturprojekt Romani Lives. Lungo Drom. Im Zentrum steht eine internationale Ausstellung von und mit Roma zu ihrer eigenen Geschichte sowie Stellungnahmen zu aktuellen Themen. Insbesondere der für die Ausstellung in Österreich produzierte Part To One’s Name, der von Suzana Milevska kuratiert wurde, beinhaltet die Beschäftigung mit aktuellen Debatten und Kontroversen. Die Ausstellung eröffnet ein weites Feld, greift vielerlei Stränge auf, verbindet sie oder stellt sie nebeneinander, wenn sie nicht so ohne weiteres vereinbar sein sollten und vermittelt dadurch eine Vielzahl verschiedener Perspektiven. So wird auch Romani Lives die Konflikte weiter durch den Diskurs tragen, die Widersprüche können mitunter aber nicht gelöst werden.

Denn die beteiligten Personen sind verschiedener Herkunft, Nationalität, Muttersprache, Religion, unterscheiden sich in Bildungsstand und sozialem Status und haben unterschiedlichen beruflichen Hintergrund. Hinzu kommen Fragen der Verflechtungen mit der hegemonialen Kultur, von der man sich letztlich kaum restlos abgrenzen kann, sowie Interdependenzen zur lokalen Politik oder der europäischen Union und deren politische Strategien, vor allem auch in Zusammenhang zur bestehenden Förderpolitik. Vielfältig gelagerte Interessen prallen aufeinander, viele verschiedene Zwänge definieren die jeweiligen Handlungsspielräume. Es treffen auch innerhalb der Bewegung ganz unterschiedliche Positionen und Taktiken aufeinander, die oft so weit auseinander liegen, dass sie schlicht unvereinbar scheinen. Romani Lives eröffnet insofern einen Raum für verschiedene Zugänge, ohne die naive Hoffnung, diese zu vereinbaren, jedoch guter Dinge, dass damit wichtige Aushandlungsprozesse in Gang gesetzt oder weitergetragen werden können. Es ist nämlich in der Tat ein Lungo Drom (Langer Weg) und somit ein Projekt, das nicht trotz, sondern nur wegen der Konflikte erfolgreich sein kann.

Die Ausstellung wird am 5. Juli 2013 in der Kunsthalle Exnergasse (WUK) eröffnet. Ausstellungszeitraum ist von 9. Juli bis 30. September 2013 (Öffnungszeiten Di-Fr 13:00 -18:00).

Am Eröffnungsabend spielen ab 21:00 Harri Stojka und Band sowie Marjan Kristic & Serbian Allstars im Ost-Klub. Der Eintritt ist frei.

Gabriele Gerbasits Patrick KwasniewskiGabriele Gerbasits und Patrick Kwaśniewski arbeiten im Rahmen von Romani Lives für die IG Kultur Österreich.

 

 

 

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