Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Retro in der Bildungspolitik muss keinen Rückschritt bedeuten

Bild © CC0 Creative Commons, Pixabay (Ausschnitt)

Die Wiedereinführung der Notenvergabe in Volksschulen veranlasste so genannte Bildungsexperten von einem „Rückschritt in die Vergangenheit“ zu sprechen. Tatsächlich geht es um die bewusste Förderung des Leistungswillen.

Bildungspolitik gehört in Europa in den Kompetenzbereich der Mitgliedsländer. Das hat seinen Grund in den verschiedenen kulturellen Traditionen. Österreich gehört was das so genannte duale Bildungssystem bei Lehrlingen betrifft zur Spitze. Auf dem Sektor des allgemein bildenden Schulwesens ist die Alpenrepublik aber nur Durchschnitt, wie zum Beispiel die PISA-Tests immer wieder zeigen. Die Regierung hat es sich daher zum Ziel gesetzt, auch hier einen Aufholprozess zu starten.

In Österreich ist Bildungspolitik schon seit langem ein Zankapfel zwischen linken und grünen sowie eher konservativen Pädagogen. Auch die Universitäten waren mit daran beteiligt, zumal viele Junglehrer mehr auf die Vermittlung von Ideologien als Wissen Bedacht nehmen. Das zeigte allein der sich eine Zeitlang eskalierende Streit zwischen ÖVP und SPÖ über die Frage, ob das differenzierte Schulwesen der Sechs- bis Vierzehnjährigen beibehalten oder durch die Einheits- beziehungsweise Gesamtschule ersetzt werden soll.

Rücknahme der Nivellierung

Es geht aber noch um Mehr. Eine Folge der so genannten 68-er Revolution in Österreich war, dass in der Zeit der Regierung Kreisky eine Philosophie der Nivellierung im Erziehungs- und Schulwesen forciert wurde. Das begann mit der In-Frage-Stellung der Autorität und reichte bis hin zum Abbau des Leistungsdenkens. In der Zeit der Großen Koalition wurde schließlich sogar auf Druck der SPÖ Einigung darüber erzielt, in den Volksschulen vom Notensystem Abstand zu nehmen. Um den Leistungsdruck von den Jugendlichen zu nehmen und ihnen mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

Dr. Heinz Faßmann / By Redboston, CC BY-SA 3.0 or GFDL 1.3, via Wikimedia Commons

Bundesminister Heinz Faßmann kann man eines sicher nicht nachsagen, nämlich, dass er kein ausgewiesener Bildungsexperte ist. Er hat vielmehr einen ausgezeichneten Ruf als Wissenschaftler. Was für so manche Politiker, die sich Bildungssprecher nennen, nicht unbedingt gilt. Faßmann hat sein Knowhow schon vor seinem Regierungseintritt bewiesen, als er sich mit dem Problem der Integration von Migrantenkinder in das Schulwesen auseinandersetzte. Lehrkräfte wissen serienweise davon ein Lied zu singen, dass bei vielen Migrantenkindern nicht nur das Problem mangelnder Deutschkenntnisse sondern auch einer oft religiös und ethnisch bedingten Verhaltensauffälligkeit im Unterricht besteht.

Ein erster Schritt war daher die Einführung so genannter Deutsch-Förderungsklassen. Was wiederum zur Reaktion selbsternannter Experten führte, dass damit Kinder nicht die Chance zur Integration im Klassenverband gegeben wird sondern sie geradezu aus eben diesem Zusammenleben mit anderen, einheimischen Kindern herausgerissen würden. Tatsächlich müsste noch viel mehr Wert darauf gelegt werden, dafür zu sorgen, dass die Kinder von Asylanten und Migranten angehalten werden, nicht nur im Unterricht Deutsch zu sprechen.

Ein „Fünfer“ ist keine Belobigung

Wer im Berufsleben Erfolg haben will, muss etwas leisten. Das ist mehr denn je zu einem Leitmotiv nicht nur in der Wirtschaft geworden. Dazu ist es aber auch notwendig, das Leistungsdenken bereits bei den in den Schulalltag einsteigenden Kindern zu verankern. Daher werden nun einheitliche Schulreifekriterien eingeführt, was ein Kind können muss, um an eine Volksschule aufgenommen zu werden. Daher soll es künftig klare Leistungsbeurteilungen ab Ende der zweiten Klasse in Form von Noten geben, auch das „Durchfallen“ soll wieder möglich werden. Ein „Fünfer“ muss Konsequenzen haben. Und auch bei der Neuen Mittelschule, die eigentlich die alte Hauptschule abgelöst hat, sollen die Schüler daher nicht über einen Kamm „geschoren“, also unterrichtet sondern bei ihnen nach „Leistungsniveaus“ unterschieden werden.

Dieses jüngste Maßnahmenpaket wird zwar von so manchen Kritikern als ein Rückschritt in die Vergangenheit bewertet, tatsächlich wird damit ein wichtiger Schritt getan, um Leistung einzufordern. Den Rückwärtsgang einzulegen, kann mitunter notwendig sein, um keinen falschen Weg einzuschlagen. Der oftmals so gern zitierte Satz, wonach nicht das Siegen sondern das Dabeisein wichtig sei, hat in einem Bildungswesen, das die bestmögliche Grundlage für die Herausforderungen der Zukunft schaffen soll, nichts verloren. Daher ist das Postulat von Faßmanns Reform „Schüler müssen gemäß ihren Fähigkeiten gefördert und gefordert werden“, die richtige und notwendige Ansage.

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