Samstag, 19. Oktober 2019
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Österreichische Banken spielen im Risikobericht der EZB weiterhin eine prominente Rolle

Erste Group und Raiffeisen ist es zu verdanken, dass sich kein europäisches Land bei der Finanzierung der „Emerging Markets“ so weit aus dem Fenster gelehnt hat wie Österreich – das aber in vergleichsweise sicheren Regionen.

[[image1]]Alle sechs Monate veröffentlicht die EZB ihre „Financial Stability Review“, in der die EZB-Ökonomen ihre Einschätzung zur aktuellen Risikolage an den Finanzmärkten abliefern. Gerade ist die aktuelle Ausgabe erschienen und mit einer Warnung vor neuen Gefahren an den Aktienmärkten, die sich in gefährlichen Höhen befänden, haben es die Ökonomen pflichtgemäß in die Schlagzeilen geschafft.

Medial unbeachtet blieb hingegen die prominente Rolle, die die Wiener Banken in diesem Bericht jetzt schon seit Jahren spielen und die natürlich mit der Rolle Österreichs in den europäischen „Emerging Markets“ zusammenhängt. Denn Österreich ist laut Europäischer Zentralbank mit 57 Prozent des BIP relativ der mit Abstand größte Kreditgeber der Emerging Markets, gefolgt von Spanien (41%), Griechenland (34%), Holland (23%) und Portugal (19%).

US-Tapering gefährdet Emerging Markets

Das könne kritisch werden, denn seit die USA letzten Sommer angekündigt hatten, ihre Geldpolitik zurückzufahren, hat sich die finanzielle Situation der EM-Staaten generell verschlechtert, wobei in der Türkei und China bereits offen von eskalierenden Kreditkrisen die Rede ist. Dabei werden die europäischen Banken laut EZB nicht ungeschoren davonkommen, auf die rund die Hälfte der gesamten globalen Bankforderungen gegenüber den Emerging Marktes von rund 3,6 Billionen Euro entfallen.

Besonders hohe Risiken sieht die EZB beispielsweise bereits in generell überhöhten Verschuldungsniveaus in Indien, Indonesien und Malaysia, was aus österreichischer Sicht den nicht unbeträchtlichen Vorteil hat, dort nicht engagiert zu sein. Allerdings ortet die EZB auch in der Türkei und Russland steigende Probleme, wo Österreichs Banken in den vergangenen Jahren zunehmend hohe Gewinne erzielt hatten. Immerhin sei dafür im zentral- und südosteuropäischem Kernmarkt der Österreicher die Überschuldung spürbar zurückgegangen, während der nach der Krise befürchtete abrupte Rückzug der Auslandsbanken „nicht zuletzt aufgrund der Wiener Bankeninitiative“ definitiv vermieden werden konnte.

Nur zwölf Banken über EZB-Warnschwelle

Die EZB hegt zudem einige Hoffnungen, dass auch Lateinamerika eine schwere Kreditkrise erspart bleiben könnte, wofür bislang vor allem Südeuropäische Banken gesorgt haben. Dadurch haben laut EZB die beiden spanischen Banken Santander und BBVA sowie die Italienische Mutter der Bank Austria, UniCredit die in Summe höchsten EM-Kredite vergeben.  Sie liegen damit aber noch immer unter der Gefahrenschwelle der EZB von zehn Prozent der Bilanzsummen, was nur bei zwölf europäischen Banken der Fall ist. Hier liegen indes Raiffeisen and Erste Bank an der Spitze, gefolgt von der National Bank of Greece (NBG) und Sloweniens Nova Ljubljanska Banka.
 

Über SOMMER, Mag. Rainer †

SOMMER, Mag. Rainer †
Rainer Sommer war nach seinem Abschluss an der WU-Wien bei der Banca san Paulo in Turin und daraufhin als Wirtschaftsjournalist tätig. Er war der Verfasser des weltweit ersten Buches über die Subprime-Krise: „Die Subprime-Krise und ihre Folgen“, Heise Medien 2008.

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