Samstag, 19. Oktober 2019
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Nischenplayer Keba segelt auf Internationalisierungskurs

Mit Fleiß, Geschick, aber auch Glück bauten der gelernte Maschinenschlosser Karl Kletzmaier und sein Partner Gunther Krippner ihre Elektronikfirma zu einem weltweit agierenden Unternehmen auf, das in einigen Bereichen sogar Weltmarkführer ist.

[[image1]]„Wir hatten bei der Firmengründung 1968 kein Geld und nichts zu verlieren“, sagte Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratschef Kletzmaier im vergangenen Herbst vor Linzer Gymnasiasten. Während andere Betriebe scheiterten, entwickelte Keba den ersten Terminal, der über Ferneingabe mit einem Rechner kommunizierte. Im Anschluss kamen Aufträge von der Post, der deutschen Bundeswehr und Siemens, wobei private Interessen zurückgestellt und die Einnahmen aus den Aufträgen wieder in das Unternehmen investiert wurden.

Vorstandsvorsitzender Gerhard LuftensteinerHeute ist das auf die Bank- und Industrieautomatisation spezialisierte Unternehmen mit Sitz in Linz in elf Ländern mit eigenen Niederlassungen vertreten – siehe nachfolgendes Interview mit Vorstandsvorsitzendem Gerhard Luftensteiner – und wird im Geschäftsjahr 2012/13 mit 804 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 145 Millionen Euro erzielen. Die Exportquote beträgt mittlerweile 83 Prozent, Tendenz weiter steigend. Zu den prestigeträchtigsten Aufträgen zählen die Lotto-Terminals für die Österreichischen Lotterien, Paketautomaten für die Deutsche Post, bei denen Sendungen rund um die Uhr abgeholt und aufgegeben werden können sowie jüngst die Entwicklung von Stromtankstellen und Stromladestationen für Elektrofahrzeuge.

Neue Wachstumsmärkte im Visier

Zur Erfolgsstory hat neben dem hohen Aufwand für Forschung und Entwicklung von rund 20 Prozent des Umsatzes auch die Internationalisierungsstrategie beigetragen. So nahm die Elektronikfirma ab dem Jahr 2000 mit chinesischen  Vertriebspartnern den Bereich Bankautomatisierung ins Visier, zwei Jahre später wurden Automatisierungslösungen für die Industrie angeboten. Um schneller und nachhaltiger in den Markt zu kommen, ging Keba schließlich ein Joint-Venture mit der chinesischen Firma CBPM ein. 419 Mitarbeiter produzieren für den lokalen Markt Geldautomaten und erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von umgerechnet 38 Millionen Euro.

Parallel zu China wurde das Unternehmen auch in Taiwan,  Japan und Südkorea tätig und ist hier seit 2008 (Taiwan) bzw. 2011 (Japan) mit eigenen Tochterfirmen vertreten. „Jedes Land entwickelt sich anderes, hat ein anderes Wachstum. Deshalb ist es wichtig, in möglichst vielen Märkten vertreten zu sein und hier seine Chancen zu nutzen“, erläutert Luftensteiner. Erst Anfang März setzte Keba einen weiteren wichtigen Internationalisierungsschritt und beteiligte sich mit 55 Prozent am niederländischen Automatisierungsunternehmen Delem.

Welchen Anteil haben Forschung und Entwicklung am Unternehmenserfolg der Firma Keba?

Als zukunftsorientiertes und innovatives Unternehmen mit dem Ziel, Mehrwert und Wettbewerbsvorteile für unsere Kunden zu schaffen, hat Forschung und Entwicklung einen großen Stellenwert für Keba. In unseren Branchen stehen wir ständig im Wettbewerb mit Weltkonzernen. Durch unsere laufende Investition in F&E, unseren hohen Innovationsgrad und unsere enorme Kundennähe ist es uns aber gelungen, in etlichen Nischen Weltmarktführer zu sein.

Wie hoch ist der Anteil am Umsatz, der für diesen Bereich aufgewendet wird?

Wir investieren kontinuierlich bis zu 20 Prozent in Forschung und Entwicklung. Im letzten Geschäftsjahr waren es 17 Prozent (per 31.3.2012).

Ist es schwierig, am Produktionsstandort Linz geeignete Mitarbeiter für Forschung und Entwicklung zu bekommen?

Es gelingt uns immer wieder, unsere offenen Positionen mit entsprechend gut ausgebildeten und erfahrenen Personen zu besetzen. Dass die Wirtschaft mehr Fachkräften und Techniker benötigen würde, ist kein Spezifikum von Keba, sondern ein generelles Thema.

Keba erwirtschaftet mehr als 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Gibt es noch weiße Flecken, die man besetzen will? Sind weitere Zukäufe im Rahmen der Internationalisierungsstrategie geplant?

Wir verfolgen seit mehr als einem Jahrzehnt eine klare Internationalisierungsstrategie, die wir natürlich auch in den kommenden Jahren klar fortsetzen. Durch die erst kürzlich erfolgte Übernahme der Mehrheit am niederländischen Unternehmen Delem hat Keba seine Position am Markt deutlich ausgebaut und ist nun in insgesamt elf Länder – von den USA über Europa bis Asien – mit eigenen Niederlassungen vertreten.
Auch in diesem Jahr haben wir wieder einen Aufbau einer eigenen Niederlassung in einem neuen Land vorgesehen. Der Weg, kontinuierlich an der Internationalisierung zu arbeiten, ist für Keba ein wesentlicher strategischer Grundsatz.

Inwieweit hat sich die Schuldenkrise in der EU in den vergangenen Jahren auf die Geschäftstätigkeit von Keba ausgewirkt?

Durch die Breite und Unterschiedlichkeit in unseren Geschäftsfeldern gelingt es uns, Schwankungen, die sich im Markt abspielen, gut auszugleichen. Wie das laufende Geschäftsjahr zeigt, können wir auch dieses Jahr wieder mit einem zweistelligen Umsatzwachstum von rund 12 Prozent rechnen.

Befürchten Sie, dass es angesichts der jüngsten Maßnahme in Zypern neuerlich zu einer Kreditklemme kommen könnte?

Wir gehen in diesem Zusammenhang nicht von einer Beeinflussung der Märkte aus.

Könnte die geplante Finanztransaktionssteuer in elf EU-Ländern negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben?

Wir gehen nicht davon aus, dass es zu Auswirkungen kommen wird.

Was wünschen Sie sich von der öffentlichen Hand bzw. der EU in Sachen Forschungsförderung?

Wir würden uns wünschen, dass die mündlichen Bekundungen der Forschungsförderung in konkrete Projekte umgesetzt werden und Gelder entsprechend zur Verfügung gestellt werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen letztendlich erhalten bleibt.

Über WERNITZNIG, Heinz

WERNITZNIG, Heinz
EU-Infothek: Interviews Heinz Wernitznig studierte Kommunikationswissenschaft und ist heute Redakteur beim Neuen Volksblatt in Linz, Ressort Chronik.

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