Mittwoch, 13. November 2019
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Neues Geld nach Athen zu tragen löst Griechenlands Problem nicht

Die Eurogruppe berät über einen griechischen Kreditantrag. Was Griechenland am meisten fehlt, ist das Vertrauen in- und ausländischer Investoren. Das lässt sich mit Geld allein nicht kaufen.

Ob die Regierung von Alexis Tsipras bereit ist, im Gegenzug zu frischem Geld auch Auflagen zu akzeptieren, sorgt derzeit in ganz Europa für Gesprächsstoff. Aber löst neues Geld das Problem des Krisenlandes? Ein Blick auf die Investitionslage im Land der Hellenen hilft weiter. Seit Ausbruch der Krise sind die öffentlichen wie die privaten Investitionen stark zurückgegangen. Die öffentlichen, weil der Staat weniger Geld zur Verfügung hatte, die privaten, weil niemand sein Geld in einem Land versenken will, das er auf falschem Kurs sieht.

Das galt schon für die bisherigen Regierungen aller Richtungen, die Ausgabenkürzungen gegenüber strukturellen Reformen den Vorzug gaben (um die eigene Klientel zu schützen). Einzig die Militärausgaben blieben auf enorm hohen Niveau. Auch die Koalition aus der linken Syriza und der nationalistischen Rechtsaußen-Partei steht bis dato nicht für Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Wie Griechenland kürzten auch andere Krisenländer ihre öffentlichen Investitionen – Spanien und Irland sogar viel deutlicher. Ins Auge sticht, dass private Investoren sich aus Griechenland in viel größerem Ausmaß zurückgezogen haben als aus Portugal, Spanien oder Irland.

Der Geschäftsklimaindex zeigt ebenfalls ganz deutlich, dass Investoren, deren Geld der Wirtschaft zu neuem Schwung verhelfen könnte, Griechenland extrem skeptisch gegenüberstehen. Kleine Notiz am Rande: Der wahrlich Besorgnis erregende Wert für Österreich sollte den heimischen Entscheidungsträgern zu denken geben. Während etwa in Deutschland die Lage von den Investoren besser eingeschätzt wird als noch vor einem Jahr, sinkt die Zuversicht in Österreich deutlich. Mittlerweile ist die Gruppe jener, die eine Verschlechterung der Geschäftslage erwarten, um 40 Prozentpunkte höher als das Lager der Optimisten (Lesebeispiel: 70 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 30 Prozent eine Verbesserung).

Kann man angesichts dieser Werte hoffen, dass allein weitere Euro-Milliarden Griechenland tatsächlich aus der Krise helfen? Wir meinen: Nein. Die griechische Regierung muss mit wirksamen Strukturmaßnahmen, die bisher zu zaghaft angegangen wurden, die Investoren auf ihre Seite bringen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das englische Sprichwort „to throw good money after bad“ schneller bewahrheitet als den Euro-Ländern recht sein kann.

Quelle: Agenda Austria
 

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