Mittwoch, 11. Dezember 2019
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Neuer Europäischer Drogenbericht: Alte und neue Drogenprobleme

Europas Drogensituation ist in Veränderung begriffen und es werden neue Probleme erkennbar, angesichts derer die derzeitigen Strategien und Praxismodelle hinterfragt werden müssen. Dies ist dem Europäischen Drogenbericht 2013: Trends und Entwicklungen zu entnehmen, der heute von der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) in Lissabon veröffentlicht wurde.

[[image1]]In ihrem jährlichen Bericht beschreibt die EMCDDA positive Entwicklungen, wie beispielsweise den Rückgang der Neukonsumenten von Heroin, des injizierenden Drogenkonsums und des Konsums von Cannabis und Kokain in manchen Ländern. Dem stehen jedoch Bedenken im Zusammenhang mit synthetischen Stimulanzien und neuen psychoaktiven Substanzen gegenüber, die beide auf dem illegalen und dem sogenannten „Legal Highs“-Markt verkauft werden.

„Zuversichtlich als auch besorgt“

EU-Kommissarin für Inneres Cecilia Malmström: „Ich bin im Hinblick auf die Ergebnisse des Europäischen Drogenberichts 2013 des EMCDDA sowohl zuversichtlich als auch besorgt. Zuversichtlich bin ich aufgrund der Tatsache, dass dank robuster Drogenmaßnahmen und eines Rekordniveaus von Behandlungsangeboten der Konsum von Heroin, Kokain und Cannabis in einigen Ländern abzunehmen scheint und drogenbedingte HIV-Infektionen weiterhin zurückgehen. Aber ich bin auch besorgt darüber, dass ein Viertel der erwachsenen Europäer, das sind 85 Millionen Menschen, illegale Drogen konsumiert haben und dass sich der Drogenkonsum in Europa immer noch auf einem historisch hohen Stand befindet.“

Cannabis: ein stabiler und vielfältiger Markt, Bedenken hinsichtlich des Hochrisikokonsums, steigende Behandlungsnachfrage

Schätzungsweise 77 Millionen erwachsene Europäer (im Alter von 15-64 Jahren) haben irgendwann im Leben einmal Cannabis probiert, für das letzte Jahr berichten dies etwa 20 Millionen. Trotz Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern lassen aktuelle Erhebungsdaten insgesamt stabile oder rückläufige Tendenzen beim Konsum erkennen. Dessen ungeachtet zeigt der aktuelle Drogenbericht, dass sich der Cannabiskonsum in Europa im historischen Vergleich weiterhin auf einem hohen Stand befindet und dass ein „umfangreicher und vergleichsweise stabiler Markt“ für diese Substanz existiert, verbunden mit einer größeren Vielfalt angebotener Cannabisprodukte.

Kokain: Konsum und Sicherstellungen rückläufig, Handelsrouten diversifizieren sich

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich Kokain als das am häufigsten konsumierte illegale Stimulans in Europa etabliert, doch konzentriert sich die Mehrheit der Konsumenten auf eine kleine Zahl von westlichen Ländern in der EU. Etwa 14,5 Millionen Europäer (im Alter von 15-64 Jahren) haben irgendwann im Leben einmal Kokain probiert, im letzten Jahr etwa 3,5 Millionen. Der aktuelle Drogenbericht zeigt jedoch, dass insgesamt sowohl der Konsum als auch das Angebot von Kokain eine rückläufige Tendenz aufweisen.

Während einige Länder weiterhin über eine Zunahme des geschätzten Kokainkonsums berichten, ergaben sich aus jüngeren Erhebungen Anzeichen für einen abnehmenden Konsum bei jungen Erwachsenen (15-34 Jahre) in den fünf Ländern mit der höchsten Prävalenz (Dänemark, Irland, Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich.

Synthetische Stimulanzien: zunehmende Bedeutung, neue Herausforderungen

Laut dem aktuellen Drogenbericht „wird das Verständnis der allgemeinen Konsumtrends bei den synthetischen Stimulanzien dadurch erschwert, dass die Konsumenten diese Drogen je nach Verfügbarkeit, Preis und angenommener Qualität häufig gegeneinander austauschen“. Dabei sind Amphetamine und Ecstasy weiterhin die meistkonsumierten synthetischen Stimulanzien in Europa und konkurrieren in gewissem Maße mit Kokain.
Schätzungsweise etwa 12,7 Millionen Europäer (im Alter von 15-64 Jahren) haben irgendwann im Leben einmal Amphetamine (der Begriff schließt Amphetamin und Methamphetamin ein) probiert, im letzten Jahr etwa 2 Millionen. Neuere Daten belegen, dass der Konsum von Amphetaminen bei jungen Erwachsenen stabil bzw. rückläufig ist. Von den beiden Drogen ist Amphetamin in Europa seit jeher weiter verbreitet, doch gibt es mittlerweile Anzeichen für ein steigendes Angebot sowie einen zunehmenden Konsum von Methamphetamin.

Neue Drogen: ein sich rasch verändernder Markt

Im Jahr 2012 wurden über das EU-Frühwarnsystem (EWS) 73 neue psychotrope Substanzen erstmals offiziell gemeldet. Von diesen Substanzen waren 30 synthetische Cannabinoide, die Cannabis ähnliche Wirkungen aufweisen. Laut Drogenbericht „wurden diese Produkte, die extrem stark sein können, inzwischen in praktisch allen europäischen Ländern gemeldet“. Eine neue Analyse des EMCDDA bietet eine Aktualisierung auf den aktuellen Kenntnisstand zu diesen Substanzen, die mittlerweile die umfangreichste unter den mithilfe des EWS überwachten Gruppen von Verbindungen repräsentieren. In dem POD werden neue Trends in diesem Bereich untersucht, darunter das Aufkommen harziger Produkte, die solche Substanzen enthalten; das Vorliegen dieser Chemikalien in Proben von Cannabiskraut sowie ihr Nachweis in Mischungen, die andere, nicht verwandte Substanzen enthalten (beispielsweise Tryptamine oder synthetische Cathinone).

 

Bild: Xenia Kehnen /© www.pixelio.de/pixelio.de

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