Samstag, 19. Oktober 2019
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Mein Glaube heißt Gleichheit

Den Glauben an einen christlichen Gott als Staatsgrundidee hat die Idee „der totalen Gleichheit aller Menschen und Kulturen“ abgelöst. Diesem opfern fanatische Eliten wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen im täglichen Leben. 

Jede wirtschaftspolitische Entwicklung wird vom „Mainstream“ in Schulen, Universitäten, NGOs – und vor allem in der Presse – heute am Kriterium beurteilt, ob sie denn die Gleichheit steigere. Denn die Botschaft an Europas Völker lautet: „Gerechtigkeit währt erst, wenn alle gleich sind!“.

Nicht gleich? Diskriminiert!

Bereits in der Schule lernen unsere Kinder (in „Religion“ und „Ethik“): Alle Menschen sind von Natur aus gleich begabt, gleich diszipliniert und gleich ehrgeizig. Damit würden alle Menschen dieser Welt auch gleich wohlhabend werden. Wenn aber der eine im Laufe seines Lebens erfolgreicher wird als der andere, dann muss der Erfolglose vom Erfolgreichen wohl diskriminiert und ausgebeutet worden sein!“ (Soziologen doktern dann kunstvoll die Begründung herbei).
Eine freizeitorientierte Halbtags-Telefonistin wohnt zur Miete, während ein aufstiegshungriger Ingenieur bei 50 Wochenstunden im schmucken Häuschen residiert? Unmoralisch! – hätten denn nicht beide dasselbe Potential und müssten folglich gleich gut wohnen?
Ein Bettler kommt nach Österreich und „verdient“ hier netto mehr als jemand, der zur Arbeit geht? Geht laut NGOs und Kirche voll in Ordnung. Denn er kommt aus einem armen Land, und überdies ist er noch Analphabet. Also muss „unser reiches Land“ wohl sein armes ausgebeutet und dem Menschen dort die Bildung vorenthalten haben.

Vom Christentum zum Sozialismus

Vom tiefgläubigen Europa ist nach 300 Jahren Aufklärung nicht mehr viel übriggeblieben. Außer sein christliches Gleichheitsideal. Es wurde von der neuen Religion des 19. Jahrhunderts, dem Sozialismus, dankbar aufgenommen – aber entscheidend abgewandelt. Denn aus der Gleichheit vor Gott oder dem Gesetz wurde schon bald eine von (den Hohepriestern des Marxismus, den) Soziologen angeordnete Gleichheit bei Intelligenz, Fleiß und Ehrgeiz.
So ätzt der liberale Ökonomen, Murray Rothbard: „Hinter dem honigsüßen, aber absurden Einstehen für Gleichheit steckt der rücksichtslose Trieb, sich selbst (die Elite) an die Spitze der Hierarchie zu setzen.“

Werde Mozart in 10.000 Stunden

Für die Linke ist es eine Glaubensfrage, auf die Wunderdrogen „Üben“ und „Erziehung“ zu setzen. Denn der Muskulöse und der Leptosome wären ja gleich stark zur Welt gekommen – nur der Kapitalismus hätte Ersterem einen besseren Startvorteil verschafft. Deshalb müsste dem Fliegengewicht ein bisschen Hantel-Training schon reichen, um den Muskelbepackten auf den Rücken zu legen.
Die meisten Bürger abseits der soziologischen Elfenbeintürme wissen um die Hoffnungslosigkeit des Plans. Alleine schon, weil der athletische Körper Nahrung von Natur aus stärker in Muskelkraft umsetzt als jener des Dünnen. Was „Spiegel“-Wissenschaftler Jörg Blech nicht irritiert. Er behauptet, dass es so etwas wie Talent erst gar nicht gibt: „In 10.000 Stunden Übung kann selbst der Unbegabteste zum Mozart werden!“
Es gehört zu den großen Träumen des Menschen, Aussehen, Talent und Charakter nicht aus fremden Genpools zugeteilt zu bekommen. Sondern sie durch passives Abfärben von seiner Umwelt zu erhalten – oder gleich selber über sie bestimmen zu können. Bei Schönheits-OPs geht das auch schon ganz gut – aber eben nur bei diesen.

Bürger gleich kriminell

Für Europas Eliten sind alle Menschen gleich (wenig) kriminell. Und wenn doch, dann hatte nur die unglückliche Umgebung den Einzelnen vom rechten Wege abgebracht. Weil dieser wegen seiner Untat ohnedies schon unglücklich genug wäre, sollte man ihn nicht auch noch mit harten Worten (oder gar Gefängnis) bestrafen.
Konsequenterweise ersetzt die SPD im neuen Strafgesetzbuch das „diskriminierende“ Wort „Mörder“ durch „Einen, der einen Mord begangen hat“ – es kann ja schließlich jedem Mal passieren. Und senkt die Strafen weiter ab.

Von Natur aus ungerecht

In Wahrheit werden nicht nur körperliche Merkmale wie Größe, Augenfarbe, Blutgruppe und Statur vererbt – sondern auch nicht-sichtbare wie Intelligenz, Disziplin und Willensstärke. Darum ist der Bildungserfolg von Kindern aus talentierteren (und deshalb meist wohlhabenderen Familien) im Schnitt höher als der aus ärmeren. Buben sind im Schnitt mathematisch begabter, Mädchen verbal. So reüssieren erstere bei naturwissenschaftlichen Tests, und Mädchen bei den Sprachen. Weltweit.
Dabei wurden weder die einen noch die anderen bevorzugt oder diskriminiert. Es ist schlicht das genetische Ergebnis Jahrmillionen-währender Evolutionsprozesse.

Die Menschen sind eben nicht gleich geboren. In jedem System entwickelt sich einer mit vielen Talenten besser als jemand mit weniger Talenten. Ohne dass der Erfolgreiche ihn unterdrückt hätte.
So deprimierend es auf den ersten Blick klingt – aber alle menschlichen Übungs- und Behandlungsfortschritte sind durch das von der Natur zur Verfügung gestellte Potential gedeckelt. So fördert guter Unterricht die Intelligenz zwar (kurzfristig), er kann aber jemanden mit einem IQ von 90 nicht zum Physiker machen. Genauso wenig, wie er aus einem Leptosomen einen Gewichtheber und aus einem Unmusikalischen einen Mozart machen kann. Egal, wie viel man übt.
Dabei verzichtet die Natur – für Europas Eliten unbegreiflich – auf jeden sozialen Ausgleich. Die eine Schwester ist von Natur aus talentiert, umgänglich und gut aussehend – während es der anderen an solchen Eigenschaften mangelt.

Grenzen erfahren

Das ist nicht gerecht. Aber auch nicht so schlimm, denn es liegt immer noch am eigenen Willen und der Eigenverantwortung (und hier spielt die Umgebung sehr wohl eine Rolle), was man aus dem naturgegebenen Basis-Package rausholt. Und Hand auf´s Herz – es gehört zu den schmerzvollsten Erfahrungen des Mensch-Seins, seine eigenen Grenzen zu erfahren.
Aber es gehört zum Niederträchtigsten, den weniger Talentierten weiszumachen, sie hätten Besseres verdient – wenn sich nicht eine kleine Oberschicht („Kapitalisten“) auf ihre Kosten bereichert hätte. Das tun unsere Eliten nämlich.

Ohne Talentierte keine Jobs

Nach 50 Jahren ideologischer Indoktrination verstehen die Europäer heute die grundlegendsten Funktionsweisen menschlichen Wirtschaftens nicht mehr. Es können nicht alle Menschen gleich viel verdienen, denn sie tragen nicht alle gleichmäßig zur Erzeugung von Wertschöpfung bei.
2000 stand Südkoreas Kia-Konzern vor der Pleite. Das Design seiner Autos kam in Europa nicht an, die Qualität (etwa beim Kia Carnival) war miserabel. Dann die Rettung in letzter Not. Mit Dollar-Millionen lockte man Peter Schreyer von Volkswagen zu Kia. Und schwuppdiwupp – zeichnete der den Koreaner aus der Krise. Die Neukonstruktionen ließen die Absatzzahlen in die Höhe schnellen, ebenso Gewinn und Umsatz. Tausende Arbeiter wurden wieder eingestellt.
Berufsrevolutionäre, lernt! Zuerst müssen Talente top bezahlt werden – dann erst gibt es gute Jobs für Jedermann.

Wie klug waren doch die Väter vieler europäischer Verfassungen noch vor 70 oder 100 Jahren. Man erkennt es an den damals formulierten Gleichheitsgrundsätzen. Diese normieren, Gleiches gleich, Ungleiches aber ungleich zu behandeln.
Die Annahme, alle Menschen und Kulturen dieser Welt, teilten alle die exakt gleichen Einstellungen (wie ökonomischen Ehrgeiz oder Bildungshunger) mag für Manchen ein bewundernswertes Ideal darstellen – auf ein echtes Staatengebilde umgemünzt kann es wie alle Utopien aber nur in einem Trümmerhaufen enden.

Über HÖRL, MMag. Michael

HÖRL, MMag. Michael
EU-Infothek-Kolumne „nEUrotisch MMag. Michael Hörl, Betriebswirt, Wirtschaftspädagoge und Wirtschaftspublizist in Salzburg. Hörl hat Europas erstes "Globalisierungskritik-kritisches" Buch geschrieben: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". Zuletzt erschienen: „Die Armutsindustrie. Wie mit falschen Zahlen Politik gemacht wird“, Wien: Verlag Frank & Frei der Team Stronach Akademie 2017. www.michaelhoerl.at

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