Montag, 23. September 2019
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KURIER / Strache-Video: Der Schnüffler, der auf Ibiza Regie führte

Symbolbild Spionage / Bild © CC0 Creative Commons, Pixabay (Ausschnitt)

Wie der Kurier aktuell berichtet, soll das Skandal-Video über die zwei FPÖ-Granden bereits im Jänner 2019 mehreren Medien zum Kauf angeboten worden sein.

Der Wiener Rechtsanwalt M. ist offenbar auf Tauchstation gegangen. Er hat nicht nur seinen Twitter-Account gelöscht, sondern soll laut seiner Sekretärin auch am Mittwoch seiner Kanzlei in der Wiener Singerstraße fern geblieben sein. Dabei soll M. laut Gudenus eine zentrale Rolle bei der Anbahnung der „Ibiza-Causa“ gespielt haben.

Ein Waldverkauf?

Denn der Anwalt mit iranischen Wurzeln soll, wie der KURIER berichtete, den lettisch-russischen Lockvogel, den Detektiv Julian Thaler und den FPÖ-Funktionär Johann Gudenus an einen Tisch gebracht haben; unter dem Vorwand, die angebliche Oligarchen-Nichte aus Lettland wolle von der Familie Gudenus ein Waldstück bzw. eine Jagd im Waldviertel kaufen.

Das wird zwar von Einheimischen und Nachbarn von Gudenus in Zweifel gezogen. Etwaige potenzielle Käufer wären aufgefallen – seien es aber nicht, heißt es dort.

„Das ist ein Blödsinn, die Lettin war nicht im Haus, sondern am Grundstück“, sagt Gudenus zum KURIER. „Wie wollen die denn beurteilen, wen ich auf das Grundstück führe?“ Mehr will er nicht dazu sagen, es handle sich um eine Privatsache. Gudenus selbst ist mittlerweile gar nicht mehr redselig.

Dubiose Figuren

Zurück zum Anwalt: Auf Ibiza war der Advokat laut Gudenus nicht dabei, aber offenbar der Mittelsmann der Pseudo-Oligarchin, sprich der Detektiv Julian Thaler. Er kommt auch am Rande in dem brisanten Video vor.

Dazu muss man wissen, dass das Ibiza-Video bereits im Jänner 2019 verschiedenen Medien in Deutschland angeboten wurde, doch damals sollen die „Verkäufer“ noch ordentlich Geld dafür verlangt haben.

Wer ist nun dieser ominöse Detektiv Julian Thaler? Er heißt eigentlich Julian H. Laut Firmenbuch unterhält er in München eine Sicherheitsberatungsfirma, die er im März 2015 gegründet hat. Die Homepage ist offline, der Telefonanschluss führt mittlerweile zu einer Münchner Anwaltskanzlei. Dort will man die Detektei nicht kennen.

Detektiv wohnt in Wien

Die Schnüffelgeschäfte in München dürften nicht  rosig gelaufen sein.   Im Geschäftsjahr 2017 betrug der „nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag“ laut Creditreform 97.494 Euro, die Schulden  163.864 Euro.

Julian H. wohnt offiziell in Wien-Neubau, einen österreichischen Gewerbeschein für eine Detektei hat er laut Wirtschaftskammer aber nicht. Laut dem EU-Infothek-Betreiber Gert Schmidt, der als erster über den fragwürdigen Detektiv  berichtet hat, soll der Name von  Julian H.auch in einem  mutmaßlichen  Industrie-Spionagefall  auftauchen.

Alte Rechnungen

So wie auch der Name seines mutmaßlichen ehemaligen Kompagnons, einem Detektiv aus NiederösterreichSascha Wandl erklärt, er sei es gewesen, der Julian H. in Sachen Betriebsspionage ausgebildet hat. 2016 sollen sich die Wege allerdings getrennt haben.  Nicht im Guten – deshalb dürfte Wandl ihn jetzt auch auf den Markt werfen.

Zu einem möglichen Motiv sagt Wandl: Es gehe um Geld und Politik. Und er bringt auch einen aktiven Wiener FPÖ-Politiker ins Spiel, der mit dem Anwalt und dem Detektiv Julian H. befreundet sein soll.  Es soll sich um einen ehemaligen Strache-Weggefährten handeln, der heute allerdings nicht mehr gut auf ihn zu sprechen ist.

Wandl und Detektiv Julian H. werden sich übrigens Ende Juni wieder treffen – im Landesgericht Krems. Dort wird Wandl rund um einen österreichischen Betriebs-Spionagefall der Prozess gemacht. Julian H. ist in dem Verfahren als Zeuge geladen.

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