Mittwoch, 16. Oktober 2019
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KRONE (Print) / So lief das Drehbuch zur Operation Strache

Die Villa in Ibiza / Bildmontage: EU-Infothek

Die Kronen Zeitung berichtet in der Printausgabe vom 27. Mai 2019 über die filmreifen Hintergründe zum Ibiza-Krimi.

Seit Freitag vor einer Woche will das ganze Land auch wissen: Wer sind die Hintermänner des Ibiza-Krimis, der den größten Polit-Skandal in der Zweiten Republik auslöste.

Die „Krone“ kennt nun unglaubliche Details. Es ging in erster Linie um Geld, aber auch persönliche Rache wegen tiefer Abneigung der freiheitlichen Politik. Und so lief das filmreife Drehbuch zur Operation Strache:

Im Jahr 2017 sollen zwei Sicherheitsexperten für Konzerne mit der Spezialität Industriespionage (einer von ihnen mit Geheimdiensthintergrund) zusammen mit dem schon bekannten Detektiv und dem Anwalt aus Wien die Idee zum Gaunerstück entwickelt haben. Der Jurist hatte über Straches Privatleben offenbar intime Detailkenntnisse von einem seiner damaligen Bodyguards. Mit diesen Infos plante das Quartett die raffinierte Videofalle im Stil einer nachrichtendienstlichen Aktion.

Eine Studentin als gut bezahlte Venusfalle

Zuerst wurde der Frauentyp des FPÖ-Chefs gecastet. Die Hauptrolle erhielt eine bosnische Studentin der Agrarwissenschaften. Tagesgage bis zu 7000 Euro. Sie konnte Gudenus mit Detailwissen über Jagd- und Forstwirtschaft derart „einkochen“, dass es schließlich zum fatalen Treffen auf der Partyinsel Ibiza kam. In einer ohnehin verwanzten Villa, die schon für andere verdeckte Operationen genutzt worden sei. Neben Alkohol hätte es auch andere rauschhaltige Substanzen in hohem Reinheitsgrad, um Strache und Gudenus die Zunge zu lockern, gegeben.

Mit dem brisanten Material, das das Quartett nach Angaben von Aufdecker Prof. Schmidt (siehe Interview unten) knapp 400.000 Euro gekostet hatte, plante es das große Geschäft. Doch Parteien oder ein großer Baukonzern hätten beim Preis von 1,5 bis 2 Millionen Euro abgewunken, die vier Männer blieben also vorerst auf dem Video sitzen.

Deutscher Verein kaufte Video mit Goldmünzen

Jetzt der Knaller: Im Jahr 2019 kommt ein deutscher Verein mit Konten auf einer Steueroase ins Spiel. Dass sich dahinter das von Aktionskünstlern initiierte „Zentrum für politische Schönheit“ verbirgt, wird energisch dementiert. Schlussendlich wären für den Video-Kauf 600.000 Euro in Krügerrand-Goldmünzen, die sich die vier Drahtzieher aufteilten, geflossen. Anwalt Soyer, der den beschuldigten Juristen vertritt, vielsagend zu den neuesten Entwicklungen: „Kein Kommentar.“

Sieben Sequenzen des Videos wurden dann an „Spiegel“ und „SZ“ weitergegeben. Der Polit-Thriller nahm seinen Lauf …

„Ich wollte die Drahtzieher vor den Vorhang holen“

Interview: Gert Schmidt gilt als Kämpfer gegen illegales Glücksspiel – und will den Polit-Skandal aufdecken. Mit der „Krone“ sprach er über seine Beweggründe.

Herr Professor Schmidt, warum haben Sie sich so in den Ibiza-Krimi verbissen?

Was mir von Anfang an fehlte, waren Informationen zu den Hintermännern der Aktion. Die will ich vor den Vorhang in die Öffentlichkeit holen. Ich will nicht, dass eine kleine Gruppe unsere Politik bestimmt.

Was wissen Sie über den mysteriösen weiblichen Lockvogel?

Die Dame spricht vier Sprachen, darunter perfekt Russisch, ist Studentin für Agrarwissenschaften in Bosnien und entspricht dem Frauentyp, der Herrn Strache interessiert. Sie soll pro Tag des Engagements 6000 bis 7000 Euro bezahlt bekommen haben.

Wie lief schließlich der Verkauf des Videos ab?

Über einen Verein, der 600.000 Euro in Goldmünzen bezahlte.

 

Anhang:

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Danke für die vorzügliche journalistische Arbeit.
    Aus der deutschen Presse ist hierzu leider nichts mehr zu vernehmen, noch nicht einmal Oberflächliches.

    Dieses „Zentrum für politische Schönheit“ hat übrigens in Deutschland schon einmal mit einer ausgesprochen widerwärtigen, wochenlangen Aktion gegen einen AfD-Politiker von sich Reden gemacht. Dabei wurden auch seine Kinder nicht verschont. Ganz gleich, was man von diesem Politiker hält, aber diese „Künstleraktion“ ging über alle guten Sitten und jeden guten Geschmack weit hinaus und hat auch in der Bevölkerung wenig bis keinen Anklang gefunden. Es würde mich daher wenig überraschen, wenn sich trotz Dementi eine Beteiligung dieser „Künstler“ auch an dieser Ibiza-Schmuddelkampagne herausstellen würde.

    Die mehr als seltsamen Aktionen dieser „Künstler“ kosten Geld, das sie angeblich über Spenden hereinholen. Bei der Ablehnungen, die diesen Leuten aus der Bevölkerung entgegen schlägt, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Spenden aus des deutschen Gesellschaft heraus erwirtschaftet werden. Vielleicht lohnt es sich, auch hier einmal den Geldströmen zu folgen ?

    Viele Grüße aus Deutschland

  2. Avatar

    Da hoffe ich doch sehr das Herr Professor Gert Schmidt dahinter kommt wer sonst noch dahinter steckt und wer (vielleicht auch ein Politiker) denn persönliche Rache wegen tiefer Abneigung der freiheitlichen Politik hat, und so weit geht mit solche hinterhältige Methoden. Ich finde es sehr schlecht was Herr Strache da von sich gegeben hat, aber man kann auch jemand, unter Einfluss von Alcohol und sonstige berauschende Stoffe, gut dazu bringen Dinge zu sagen und auch ihm Wörter in den Mund legen. Dazu muss man das ganze Video sehen und hören. Ich bin Niederländerin, wohne in Österreich und verfolge die ganze Politik hier sehr mit. Bin damals sehr erstaunt gewesen, das ein Herr Kern abwegige Methoden ( Herr Silberstein) eingesetzt hat während dem Wahlkampf. Darüber verliert die SPÖ nun kein Wort mehr. Die Bevölkerung hat es aber nicht vergessen und hat sie nun auch weiterhin den Rücken zugewendet. Jetzt setzen sie auf Rache(Die SPÖ war kein Teil der Koalition mehr) in dem sie den Misstrauens Antrag gestellt haben. Rache ist scheinbar ihre Stärke.

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