Freitag, 27. November 2020
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Ibiza-Gate: WO versteckt sich der „Detektiv“? – Die abenteuerliche Flucht der Ibiza-Bande

Europa-Tour. Der Haupttäter im Ibiza-Krimi floh durch halb Europa. Seine Gefährtin packte jetzt aus.

Wien. 22 Seiten lang ist das Protokoll der Einvernahme der Ex-Freundin (35) des Haupttatverdächtigen, das der Investigativ-Plattform EU-Infothek.com und dem INSIDER vorliegt: Die Soko Ibiza wollte mit ihren zahlreichen Fragen mehr Infos über sämtliche Kontakte, die Fluchtroute und den Aufenthaltsort des untergetauchten Drahtziehers erhalten. Der Partner des Wiener Juristen wird auch wegen des Verdachts des Drogenhandels gesucht.

Bis zum Jahr 2014 hat die Ex-Geliebte bei dem Verdächtigen gewohnt, später folgte eine weitere Zusammenarbeit samt einer On-Off-Beziehung.

Video-Täter unter Zeitdruck: Es werde jetzt „gefährlich“

Mit ziemlicher Sicherheit überraschte die Zeugin mit ihren Aussagen die Kripo: Sie wusste „ein bis zwei Wochen“ vor der Veröffentlichung des Videos (17. Mai 2019) von dem Dreh, der HC Strache den Job als Vizekanzler gekostet hat. Zitat: „X. (der Haupttatverdächtige) erzählte mir, dass es wegen des Videos brenzlig wird, und er nicht mehr viel Zeit hat. Und dass es langsam gefährlich wird. Er sagte, dass er die Story nicht mehr lange aufrechterhalten könne.“

Nach diesem Treffen sei X. abgetaucht und hätte sich erst Anfang Juni wieder bei der Ex-Geliebten gemeldet: Es kam zu einem Treffen in München – dort wurde ein Laptop vom Firmensitz abgeholt. Im August begann dann die Flucht des Duos durch halb Europa.

Flucht von Berlin über Zürich bis nach Malaga

Offenbar in der falschen Annahme, dass bereits nach ihm polizeilich gesucht werde, startete der Haupttatverdächtige seine Tour bis Spanien: Ende September ist X. mit seiner Begleiterin in Berlin aufgetaucht, es soll dort ein Treffen mit seinem Anwalt gegeben haben.

Nicht sehr weit entfernt von Malaga wohnt seit Jahren einer der besten Freunde des „Detektivs“ (ehemaliger und aktueller Name und Aufenthaltsort der Redaktion bekannt). Die beiden kennen sich seit fast einem Jahrzehnt, als beide in Berlin wohnten.

Diese Ex-Freundin, aktuell Dolmetscherin in Wien, war damals mit diesem Freund des „Detektivs“ liiert und hat dann den „Detektiv“ der Gruppe des Sascha Wandl vorgestellt und auch diesen „Detektiv“ als neuen Freund „übernommen“.

Der Freund verabschiedete sich dann von seiner „bürgerlichen Existenz“ und trat in den Adelsstand, mit bekannten, gräflichen, österreichischen Namen, ein. Mit diesem berühmten Namen präsentiert sich auch seine nunmehrige Ehefrau, eine spanische Künstlerin.

Zeugin hatte Kontakt zu Journalist und Drogenfahnder

Dann ging es weiter nach Frankreich, von dort bis nach Fuengirola, einem Ferienort südlich von Malaga. X., der nur einen gefälschten Führerschein besaß, nutzte dafür luxuriöse Leihwagen. Die Zeugin im Kripo-Protokoll: „Wir waren dann in mehreren Hafenstädten. X. hatte irgendwas beruflich zu tun. Ich fuhr dann alleine nach Wien zurück.“

Der Haupttatverdächtige schickte die Ex-Geliebte auch zu seiner Mutter: Die Freundin und Mitarbeiterin sollte ein Mobiltelefon von ihr abholen, offenbar befürchtete der Hauptverdächtige eine Überwachung dieses Hauses.

In der Kripo-Einvernahme musste die Zeugin noch weitere Details preisgeben: Sie besaß eine lettische SIM-Karte (und wusste angeblich nicht, warum), sie hätte auch geplant, ein Buch über die „Verstrickungen in der Ibiza-Causa“ zu verfassen, und sie hatte eine Kommunikation mit einem Journalisten einer Wiener Wochenzeitung.

Außerdem bestätigte die Zeugin, dass sie einen kürzlich zu drei Jahren Haft verurteilten Kollegen des Haupttatverdächtigen gut kannte: K., ein Polizeispitzel, sollte 2012 ihr Trauzeuge werden.

Über K. hatte sie auch vor 2015 dessen Kontaktmann im Innenministerium kennengelernt, berichtete die Zeugin. Der langjährige Undercover-Drogenfahnder wollte sie 2019 „zur Ibiza-Sache ausfragen“.

Wie kam Wiener Bande zu falscher Oligarchin?

Die Abschrift des Ibiza-Videos zeigt, wie schlecht die „Oligarchin“ spielte. Wer hat sie wo angeheuert, wo hat sie sich versteckt?

Zu Beginn des Gesprächs in der Ibiza-Finca verpasst sie ihren Einsatz, über die Kronen Zeitung zu sprechen. Später will sie Johann Gudenus trotz konkreter Aufforderung nicht ihren Pass zeigen. Und sie macht sich verdächtig, weil sie ihren Wohnort nicht nennen kann. „Alyona Makarov“, die Blondine, die sich als Nichte des russischen Milliardärs Igor Makarov ausgegeben hat, war eine extrem schlechte Schauspielerin. Trotzdem konnten sie und der Haupttatverdächtige (siehe Bericht links) den Ex-FPÖ-Chef und seinen Ex-FPÖ-Klubobmann in der Finca auf Ibiza am 23. Juli 2017 täuschen.

Der Lockvogel droht: „Habe andere Methoden“

Fahndung. Die Frage, die bisher vom Bundeskriminalamt unbeantwortet blieb: Wie kam die Wiener Tätergruppe zu dieser jungen Frau? Private Ermittler meinen, dass es einen familiären Zusammenhang zwischen dem Haupttatverdächtigen und dieser Nebenerwerbs-Aktrice geben könnte.

Die schon seit Ende Mai laufende Fahndung des Bundeskriminalamts hat jedenfalls bis zu Redaktionsschluss noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden können. Und das, obwohl „Alyona Makarov“ im Ibiza-Video sogar gegenüber Johann Gudenus drohte: „Na ja. Du sollst verstehen, dass in kurzer Zeit etwas Schlechtes passiert . . . Ich habe andere Methoden.“ Der Ex-FPÖ-Klubchef hatte zuvor in den frühen Morgenstunden in der Küche der Finca erwähnt, dass „auch Kanzler Kern jetzt auf Ibiza ist“.

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