Freitag, 15. November 2019
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Ibiza-Gate: Mag. Johann Gudenus wurde vor „Lockvogel“ gewarnt – wirklich?

Mag. Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache / Bild: Milan Popovic, Instagram Screenshot (Ausschnitt)

Eine bereits fünf Monate alte Legende wird von den Medien neu aufgerollt: Nach der „freiwilligen“ Aussage vor der „Soko Ibiza“ im BKA durch den Georgier Levan Pirveli und dessen unkritisches Interview mit dem Standard wird mit großer Begeisterung die Dolchstoß-Legende aus dem Ibiza-Krimi als gute Gelegenheit zur weiteren internen Freundschaftszerstörung innerhalb der alten FPÖ-Führung genutzt.

Besonders emsige, aber flachdenkende Berater des H.C. Strache machten ihrem Chef weis, dass angeblich Johann Gudenus der im Video „sichtbare Einpeitscher“ für die bekannten Aussagen des H.C. Strache war. Das hörten viele sehr gerne, wurde doch somit ihr Idol H.C. Strache, in dessen Nähe sich diese Berater gerne sonnten, zum Opfer einer Freundesintrige.

Die Ausstrahlung des Ibiza-Videos elektrisierte auch den georgischen Freund von H.C. Strache und Mag. Johannes Gudenus: Levan Pirveli. Sofort sprach er davon, H.C. Strache „helfen“ zu wollen.

Bis vor einigen Tagen war Levan Pirveli in der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Pirveli erklärte – laut seiner eigenen Aussage – seinem Freund Johann Gudenus, als dieser von der angeblichen Nichte des reichen russischen Oligarchen als neue Interessentin für die Waldgrundstücke der Familie Gudenus sprach, dass der russische Oligarch Makarow keine Nichte habe und es sich um eine Falle handle.

Pirveli floh Anfang der 2000er Jahre nach strafrechtlichen Vorwürfen in Georgien nach Wien und bekam in Österreich Asyl. Seit etwa 2007 näherte er sich der FPÖ und gelang auch in den engeren Kreis von H.C. Strache und Mag. Johann Gudenus. Er organisierte auch eine Reise zum tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow und schuf mehrere russische und georgische Kontakte für die FPÖ.

Pirveli gründete mehrere Firmen in Österreich, die allesamt zwischenzeitlich im Firmenbuch als gelöscht aufscheinen.

Offizielle geschäftliche Aktivitäten mit öffentlich zugängigen Bilanzen oder Einkommenserklärungen von Levan Pirveli sind nicht feststellbar.

Mehr darüber weiß mit Sicherheit sein österreichischer Mentor, Renatus Derler in Leoben. Dort, bei der Bezirkshauptmannschaft Leoben, stellte Levan Pirveli auch seinen Antrag auf die österreichische Staatsbürgerschaft.

In engsten Kreisen erklärte Pirveli seine österreichische Unterstützung zum Erhalt der Staatsbürgerschaft mit seinen „guten Diensten“ durch seine angebliche Zusammenarbeit mit einer österreichischen Großbank und seiner angeblichen Hilfestellung für die Finanzierung von Erdöl-Geschäften zwischen Aserbaidschan, über Georgien nach Europa.

Sowohl Pirveli als auch sein Mentor Derler haben gegenüber vertrauten Personen angeblich darauf hingewiesen, dass beide beste Kontakte in das österreichische Innenministerium hätten und auch als V-Leute arbeiten und „geschützt“ werden – was immer man sich dazu vorstellen mag.

Im Kommissariat Wien-Döbling ist Levan Pirveli gut bekannt: Es gab seit 2005, besonders ab 2011, bis 2019 mehrere Vorfälle, aktenmäßig festgehalten, mit seiner Ehefrau Anna. Sogar eine Wegweisung, vor etwas mehr als einem Jahr, konnte angeblich durch Intervention von Renatus Derler rasch wieder aufgehoben werden.

In einem Schreiben der Anna Pirveli an das Bezirksgericht Döbling vom Oktober 2019 findet sich der Hinweis, dass Levan Pirveli angeblich eine jährliche Apanage von 120.000 Euro bezieht, sein „Hauptbudget“ bei einer in Österreich domizilierten Liechtensteiner Bank liegt und jährlich mit 300.000 Euro aus dem Ausland gespeist wird.

Für Anna Pirveli und ihre drei ehelichen Kinder sind diese Angaben von großer Bedeutung, weil sie derzeit mittellos ist und um Unterhalt für sich selbst und ihre Kinder beim Bezirksgericht Döbling anstellig werden musste. Sie schreibt davon, dass sie weder das Geld für ihre Kinder „zum Essen“ noch für den Lebensunterhalt habe und deshalb eine rasche Hilfe des zuständigen Gerichtes erbittet.

Pirveli selbst erklärt in kleinem Kreis, dass er beste Beziehungen zu hochrangingen russischen Persönlichkeiten und zum GRU hält, auch soll er einen georgischen Pass besitzen (Eine Passkopie liegt EU-Infothek.com vor, deren Echtheit kann von EU-Infothek nicht überprüft werden).

Weshalb sich Pirveli nun gegen seinen ehemaligen Freund Johann Gudenus wendet und ihn in die Nähe eines „Verräters“ rückt, kann nur spekuliert werden. Auch können die Aussagen des Pirveli nur durch Johann Gudenus selbst neutralisiert und als unwahr entlarvt werden – es gibt bekannterweise keine Zeugen für diese Behauptungen des Herrn Pirveli.

Sicher ist jedenfalls, dass Pirveli die Nähe und Freundschaft von H.C. Strache sucht und „pflegt“.

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6 Kommentare

  1. Avatar

    Warnungen hin oder her, der Zug ist abgefahren ! Allerdings aus 7 Minuten von insgesamt 7 Stunden, wahrscheinlich aus dem Zusammenhang gerissene Antworten, eine gesetzeswidriges Verhalten zu interpretieren und medienwirksam zu kolportieren, ist ebenfalls äußerst bedenklich !! Jetzt sollte und muß lückenlos aufgeklärt werden ! Vor allem, wer waren die Auftraggeber, denn, diese Ibiza-Abhöraktion ist meiner Meinung nach eine äußerst kriminelle Handlung und kann durchaus mit Methoden der Nazis resp. Kommunisten verglichen werden ! Weit haben wir es gebracht in Österreich ! Befremdlich ist allerdings auch, daß die vermeintlichen Ermittlungen sehr schleppend angegangen wurden und auch schleppend fortgeführt werden ! Ja, natürlich, alles eine Verschlußsache ! Man wartet bis Gras über die Sache gewachsen ist ! Ich bin felsenfest überzeugt davon, daß eine politische Partei oder eine politische Gruppierung hinter dieser ganzen Aktion steckt.
    Aber, an die Adresse der Familie Strache gerichtet: Noble Zurückhaltung wäre hier sehr angebracht, denn diese stetigen Zwischenrufe und dieses Gehabe, sich in die Medien zu drängen, schadet nicht nur der FPÖ, sondern vor allem dem Ansehen der Familie Strache ! Ich hätte mir schon mehr Niveau von beiden Straches erwartet !
    Was die meisten österr., aber auch deutschen Medien anlangt, die können ihre Schadenfreude über den Fall der Familie Strache und der herbeigeschriebenen Spaltung der FPÖ nicht verbergen, haben sie doch selbst dafür gesorgt und tun dies noch immer, die ach so guten Journalisten ! Beweise für viele Behauptungen gibt es noch immer keine so wie es auch keine Verurteilungen bis dato gibt ! Außerdem, wie die österr. Medien, allen voran der ORF, alles versuchen, daß die Koalition in Österreich Türkis/Grün zu sein hat, ist ebenfalls sehr bedenklich, denn offensichtlich ist der Wille der Bürger sekundär ! Auch solche Vorgehensweisen erinnern sehr an die Nazis und die Kommunisten ! Wie schrieb doch ein User in einem Kommentar „Die Grünen sind grünlackierte Kommunisten“ ! Ich kann dieser Feststellung zu 100 % zustimmen, zumal ich die NR-Sitzung am 23. Oktober d.J. mit den Grünen mit verfolgt habe ! Schrecklich, die Wortwahl einiger dieser Grünen !

  2. Avatar

    Finde die „Hintermänner“ haben voll gewonnen! In die Ibizafalle ist nicht nur Strache sondern ganz Österreich reingefallen! In den USA wäre so ein “ Beweismittel“ sofort für ungültig erklärt worden! Da es gegen Strache / FPÖ geht war das alles total willkommen, der BP hat keine Sekunde gezögert am Bestand der Regierung weiterzuarbeiten das Ergebnis haben wir jetzt – einzig die links der SPÖ platzierten Grünen sind noch im Rennen, nach den gelungenen Nachschüssen Platzierung von Parteifreunden und den Spesenskandal – wo ist der Nachweis dass Strache ihre Guccitasche ergaunert hat?-
    sind die Blauen die besten Handlanger der IBIZA Verursacher und liefern sich einen veritablen Brüderkrieg!
    Warum soll da Strache, dessen Handy man auf Grund einer anonymen Anzeige! beschlagnahmt hat – der Justiz vertrauen? Wie lange ist eigentlich Ibiza Verschlussache? Bis es keinen mehr Interessiert und die Weichen unveränderbar in die „richtige Richtung“ gestellt sind??

  3. Avatar

    …würde sagen, bis jetzt steht es 3:1 für die Hintermänner. Das erste Tor wurde von den Hintermännern erzielt, indem es durch das Video und anschließender Kurz-Erpressung (Kickl) gelungen ist, die Regierung zu sprengen. Dann schien es so, als ob dieses Tor nicht ausgereicht hätte, der FPÖ nachhaltig Schaden zuzufügen, zumindest nicht den vorhergesehenen, erwarteten und erhofften Schaden. Die FPÖ ließ sich dadurch nicht spalten. Es folgte das Casino Foul ohne nennenswerten Erfolg. Aber, auch der Gegner konnte nicht zusetzen und ausgleichen. Ein weiterer Untergriff (Strache Handy) folgte, jedoch ohne sich sofort aufs Ergebnis nieder zu schlagen. Trotz der Führung war das Halten des 1:0 riskant. Folge dessen bestach man den Schiedsrichter und kam so 1 Minute vor dem Pausenpfiff mittels Spesen-Skandal zum Elfmeter der keiner war. Es war eine Schwalbe, doch die Zuseher fielen drauf rein, sie vertrauten dem Schiedsrichter.
    2:0 für die Hintermänner nach der Wahl. Noch in der gleichen Minute gelang jedoch aus dem Nichts das 2:1, da einerseits zwar das primäre Wahlziel – die FPÖ zurecht zu biegen – erreicht wurde, andererseits vielleicht die Tordifferenz (Verteilung der Stimmen) nicht optimal schien?? Also griffen die Hintermänner ein weiteres Mal in die Trickkiste und es gelang ihnen mit der Spaltung Strache/FPÖ das 3:1. Das Ende ist noch offen…das Wichtigste wird aber sein, dass unparteiliche Schiedsrichter wie EU-Infothek jedes versteckte Foul seitens der Hintermänner rigoros enttarnen und vielleicht doch noch die Gerechtigkeit als Sieger vom Platz geht.
    Immens wichtig wird es in Zukunft sein, dass Otto Normalbürger keine Ruhe gibt und sich nicht von allzu gescheiten Journalisten und Meinungsmachern das Gehirn vernebeln lässt.

  4. Avatar

    Eigentlich sollten wir HC Strache dankbar sein, denn mit seinen politischen Allmachtsphantasien, die er in einer verwanzten Villa auf Ibiza zum Besten gab, hat er uns allen die Augen geöffnet. Es war so etwas wie eine Kurzbeschreibung über die Art, wie man seit 1950 in Österreich Politik macht. Grundtenor ist, „Für Geld ist alles möglich, wir müssen uns nur zusammensetzen und…….? Das Video hat bewirkt, über die roten, schwarzen, grünen, blauen und pinken Leichen im Keller aller Parteien nachzudenken. Ein politischer Friedhof, der lange geheim gehalten wurde, tat sich auf. Doch Leichen haben eines gemeinsam: Sie werden irgendwann gefunden und sie stinken zum Himmel. Kreative Parteienfinanzierung, Wahlkampfkostenüberschreitungen in Millionenhöhe, Festplattenschreddern unter falschem Namen, korrupte Wiener Beamte, die für Geld passende Flächenwidmungen durchführten sind nur einige der Leichen die zum Vorschein kamen. Strache hat uns auch gezeigt, wie man mit an den Haaren herbei gezogenen Anschüttungen einen unerwünschten Politiker, ja sogar eine Regierung zertrümmern kann. Dabei wurden die menschlichen Abgründe sichtbar und der Neid und Egoismus Nerv der österreichischen Seele schwer getroffen. Mit dieser verbrecherischen Methode wird man künftig jeden rechts der Mitte stehenden Politiker aus dem Weg räumen können. Diese Skrupellosigkeit erzeugt beim mündigen Bürger Brechreiz und Abneigung.

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    Die mit größter krimineller Energie betriebene Kampagne gegen die Freiheitlichen ändert nichts an den Missständen, die durch diese aufgezeigt wurden. Sie ändert nichts an den Aussagen des vormaligen Parteichefs in Ibiza und sie ändert auch nichts an den mutmaßlichen Spesenexzessen desselben. Hinter uns liegt eine beispiellose Kampagne, deren deklariertes Ziel die Bendigung der freiheitlichen Regierungsbeteiligung und die Zerstörung dieser Partei war und ist. Damit ist ein Phänomen der Geschichte der Zweiten Republick, dass die Freiheitlichen so ungefähr in einem 15 Jahre Rhytmus nach mühevollem Aufstieg und dem Bemühen um staatstragende Politik von Absturz zu Absturz taumeln. Und wenn selbst politsche Hintermänner dieser kriminellen Machenschafter aufgedeckt würden, bleiben besagte Misstände als inakzeptable Fakten im Raum.

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