Samstag, 19. Oktober 2019
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Ibiza-Gate: Hausdurchsuchung wegen Wette auf Regierungsende

Das Ibiza-Video / Bildmontage: EU-Infothek / Quelle: Spiegel, SZ / Süddeutsche Zeitung

Treuen Lesern ist sicherlich aufgefallen, dass EU-Infothek als wohl einziges Medium NICHT über die Hausdurchsuchung bei zwei Wettkunden und ehemaligen SPÖ Politikern berichtet hat. Das hat seinen guten Grund, weil die angegebenen Gründe für diese Hausdurchsuchung EU-Infothek als nicht sehr plausibel vorgekommen sind.

Es wäre natürlich zu schön, um wahr zu sein: Ehemalige prominente Aktivisten der „Sektion ohne Namen“, in Kooperation mit einem Anwalt, der bei einer als sehr links geltenden Anwaltskanzlei in die Schule ging und mit einer Staatsanwältin verheiratet ist, eine marode Kryptowährungsfirma als Finanzier für das Ibiza-Video – ja, hier würden sich viele Träume von Dauerverschwörungstheoretikern wunderbar erfüllen.

Hinzu kommt die These, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, wenn zwei Wettkunden wenige Tage vor den Ibiza-Gate Enthüllungen ausgerechnet auf das Ende der türkis-blauen Koalition wetten.

Den Behörden, weder der Staatsanwaltschaft noch dem BKA, kann kein Vorwurf gemacht werden, dass diese Hausdurchsuchung vorgenommen wurde und trotzdem ins Leere ging. Umgekehrt wäre es viel schlimmer: Der gravierende, logisch klingende Verdacht steht im Raum und die Behörde macht nichts. EU-Infothek war von Anfang an skeptisch, aus guten Gründen: die Wettquote von 1:20 wird häufig bei Online-Wettangeboten für „Hard Core Wetter“ eingesetzt, welche gerne viel gewinnen und damit auch viel riskieren wollen. Die üblichen Quoten liegen bei 1:2 oder 1:3. 1:20 wird eher selten gespielt.

Aus diesem Grund sind auch die Themen der Wette fantasievoll angesetzt, sicherlich eher zufällig auch die Wette auf das Ende der historischen Regierungskoalition.

Wesentlich bedeutender ist ein anderer Umstand, welcher in der begeisterten Berichterstattung der Medien völlig unterging: bet-at-home ist Spieler-Info.at, der Finanzpolizei und anderen Behörden als großer Betreiber illegaler Online-Glücksspielangebote bekannt. bet-at-home bietet zum Einstieg und zum Anlocken von neuen Kunden auch Sportwetten an. Mit diesen Sportwetten können die Betreiber zwar wenig bis kein Geld verdienen, sie sind aber der Deckmantel, um in der Öffentlichkeit die verbotene Werbung für illegales Online-Glücksspiel mit legaler Werbung für Sportwetten zu tarnen und Kunden anzulocken, welche dann auf die Glücksspielseiten des jeweiligen Betreibers geführt werden.

Hier geht es nicht um Kleinigkeiten: die legalen Online-Glücksspielbetreiber wie win2day.at verfügen in Österreich über ca. 650.000 legal registrierte Kunden, die Illegalen – dazu zählen bet-at-home, Mr. Green und vor allen bwin – verfügen in Österreich über ca. 900.000 bis zu einer Million registrierter Kunden.

Seit Beginn der schwarz-blauen Koalition im Jahre 2018 wurde das Thema des illegalen Online-Glücksspieles immer dringender, eine Million Österreicher werden laufend im Internet abgezockt, betrogen, es gibt Geldwäsche, Spielprogramme werden nicht kontrolliert, Spielerschutz nur vorgetäuscht.

Die legale Glücksspielindustrie und Spieler-Info.at als Spielerschützer und Spezialist im Kampf gegen illegales Glücksspiel haben die Behörden und Politiker immer wieder schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass dringend gesetzliche Regelungen, ähnlich wie in mehreren europäischen Ländern, etwa wie in der Schweiz oder Dänemark, erforderlich sind.

Vor etwa einem Jahr kam es zu einer Gesetzesnovellierung, welche vom BMF in einer Presseaussendung bekannt gemacht wurde. Diese Novellierung war eine massive Verschärfung inklusive IP-Blockaden von illegalen Online-Glücksspielanbietern.

Eine Woche später wurde dieser für den Spielerschutz positiv zu bewertende Ansatz kommentarlos zurückgezogen und ist bis heute „in Verstoß“ geraten, um im Behörden- und Politikerdeutsch zu sprechen. Die Gründe hierfür kann man vielleicht erahnen, sind aber nicht wirklich bekannt.

Doch nun zurück zu bet-at-home: bet-at-home macht sich zwar offiziell Sorgen um den Spielerschutz, tatsächlich aber werden Hasardwetten mit Quoten von 1:20 logischerweise vor Auszahlung geprüft, um einen möglichen Betrugsfall zu verhindern. Derartige Quoten sind nicht nur für Spieler, sondern auch für Betrüger ein Anreiz. Dass bet-at-home bei einer solchen Wette intensive Recherchen eingeleitet hat, mag ursächlich mit der Sorge, betrogen worden zu sein, zusammenhängen.

Die völlig unübliche Anzeige wegen Verdacht auf Betrug gegen ihre Kunden wirft die Frage auf, weshalb die an und für sich gerichtsscheuen illegalen Glücksspielanbieter einen derartigen Schritt vornehmen. Wollte man sich mit diesem Schritt – insbesondere in Zusammenhang mit dem Ibiza-Video – bei jemandem bedanken oder gar gefällig zeigen? Wie auch immer: die Hausdurchsuchung hat – so die heute vorliegenden Erkenntnisse – nicht die erwünschten Bestätigungen gebracht.

Ein weiterer Punkt, der erfolgten Hausdurchsuchung von Anfang an zu misstrauen, war für EU-Infothek das aufgeworfene Thema, wonach der „Detektiv ohne Konzession“, welcher tatsächlich das Video gegen Gold verkauft hat, eine Kryptowährung in Zahlung genommen hätte. Der Detektiv würde niemals derartige „Währungen“ als Zahlung akzeptieren.

Das Thema illegales Online-Glücksspiel mit einer Million möglicher geschädigter Österreicher und jährlich mehr als hundert Millionen Euro Steuerbetrug wird in Kürze von EU-Infothek und auch von Spieler-Info.at präzise dargestellt.

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