Samstag, 19. Oktober 2019
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Goldesel Hypo IX – Bank-Berater der HAA

Eine Gruppe von Profiteuren übt sich in so nobler Zurückhaltung, dass sie bisher im Zusammenhang mit der Hypo Alpe Adria nicht einmal erwähnt wurde: jene Banken, die in der Beratung der HAA viele Jahre lang ein lukratives Geschäftsfeld gefunden hatten.

[[image1]]Der Umfang dieser diskreten Beratungsleistungen lässt sich nur erahnen. In der Folge seien jene nachvollziehbaren Bereiche aufgelistet, hinsichtlich derer klare Schlüsse möglich sind. Die HAA wurde „intensiv betreut“ – sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite, ebenso im außerbilanziellen Bereich.

Die zwei grössten Tätigkeitsfelder der Berater-Banken:

1) Anleihe-Plazierungen

Der unersättliche Hunger nach Wachstum wollte finanziert werden. Die Primärmittel, also von der HAA selbst akquirierte Spar- und Kundeneinlagen, reichten dazu bei weitem nicht aus; ebenso nicht der österreichische Kapitalmarkt. Also musste der internationale Kapitalmarkt gesucht werden. Auf diesem kann ein kleines Institut wie die HAA aber nur mit Hilfe der „Hohepriester der Märkte“ agieren.
Für diese sogenannten Primärbanken ist die Betreuung von Anleihemandaten ein lukratives Geschäft, sind sie doch beim „Erfinden“ von Honoraren überaus einfallsreich. Diese teilen sich auf in

– Fixgebühren (unabhängig vom Plazierungserfolg), wie Commitment Fee, Arrangement Fee, Upfront Fees, Costs and Expenses for Due Diligence, Prospekterstellungsgebühren, um nur die wichtigsten zu nennen, und

– Erfolgsgebühren in Abhängigkeit vom plazierten Volumen, wie Placement Fees, aber auch Market Maker & Bookkeeping Fees für die weitere Betreuung der jeweiligen Anleihe.

Die Gebühren betragen üblicherweise zwischen 2 und 4% vom Anleihevolumen und teilen sich in etwa zur Hälfte auf zwischen Fix- und Erfolgsgebühren.

Bei einem Institut wie der HAA darf man davon ausgehen, dass die Gebühren am oberen Ende der Bandbreite angesiedelt waren, vor allem ab 2004. Daran ändert auch die damalige Haftung des Landes Kärnten nichts: wie bereits mehrfach erwähnt, hat „der Markt“ diese Haftung immer schon richtig eingeschätzt und das immanente Risiko im Wert der Anleihen diskontiert. Als Risikopapiere mit interessantem – hohem – Zins waren sie eine attraktive Beimischung in vielen internationalen Portfolios. Mit anderen Worten: das Risiko war den Profis bewusst, nur die österreichische Bundesregierung basierte ihre Abwicklungsentscheidung darauf, dass die Papiere von unmündigen Witwen und Waisen gekauft wurden.
Unter der Annahme, dass drei Viertel des Anleihevolumens über Primärbanken – und etwa ein Viertel aus eigener Kraft – plaziert wurden, ergibt dies Honorareinnahmen der Berater-Banken zwischen € 450 und 600 Mio.

Soweit bewegt sich die HAA im Standardbereich. Es wäre aber nicht die HAA, wenn es da nicht überaus interessante „Sondersituationen“ gäbe: Im Zuge der Recherchen fand sich ein Prospekt der Hypo-Alpe-Adria International AG vom 4. August 2006 über ein Schuldtitel-Emissions-Programm in Höhe von € 16 Mrd – sic: Euro sechzehn Milliarden!
Laufzeit: 12 Monate
Handelsplatz: die Börse der grössten Steueroase der Euro-Zone, Luxemburg

Wie es einem Institut mit zu diesem Zeitpunkt knapp € 33 Mrd Bilanzsumme möglich sein soll, ein Schuldtitel-Programm von € 16 Mrd aufzulegen, erscheint schlichtweg schleierhaft. Selbst in den Jahren extremer Expansion ist die HAA nur um einen Teil dieses Volumens gewachsen.
Die Antwort lässt sich vielleicht in der Kostenstruktur im Vorfeld einer Anleihenplazierung finden: Wie oben erwähnt, wird etwa die Hälfte der Gebühren fix vom geplanten Volumen berechnet, die zweite Hälfte dagegen „nur“ vom tatsächlich plazierten Volumen.
Die involvierten Banken verdienen sich somit ein nettes Körberlgeld, vor allem, wenn dann nicht einmal 10% des geplanten Volumens auch tatsächlich plaziert wird – wie im erwähnten Fall.

Dieses Zusatzhonorar beträgt also allein in diesem Fall etwa € 225 bis 300 Mio.

Dabei handelte es sich um ein Programm, das auf 12 Monate befristet war – und ein anderes ähnliches Programm aus dem Jahr davor ablöste. Leider verfügen wir über keine Information darüber, ob dieses Prospekt einen Einzelfall darstellte – oder ob es sich dabei um eine jährlich wiederkehrende Übung zur Maximierung von Beratungseinkommen handelte.

Vollends ins Staunen gerät man allerdings, wenn man sich die handelnden Banken näher ansieht: Lead Arranger (laut Prospekt) – Deutsche Bank.

Die Deutsche Bank spielt in der Beratung der HAA eine so bedeutende Rolle, dass wir sie in Kapitel 15 noch einmal einzeln vor den Vorhang bitten werden.

„Dealer“ resp Co-Arranger:

– BNP Paribas
– Credit Suisse
– HVB Corporates & Markets (UniCredit Group)
– JPMorgan
– Merrill Lynch International
– Morgan Stanley
– UBS Investment Bank

Alle acht Banken (bzw ihre Rechtsnachfolger) gehören heute dem exklusiven Club der 28 ESM-systemrelevanten Primärbanken an, sind also Teil des elitären Finanzoligarchen-Clubs. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Idee des ESM geboren. Die Idee des gemeinsamen Abschöpfens jedes nur möglichen Opfers dürfte aber damals schon umgesetzt worden sein …

2) Kurssicherungen und andere außerbilanzielle Aktionen

Derselbe Bankenkreis beriet die HAA bei diversen Kurssicherungsaktivitäten und „strukturierten Produkten“ sowie bei außerbilanziellen Veranlagungen. Dass die HAA dabei in manchen Jahren Verluste in dreistelliger Millionen-Höhe einfuhr, störte wenig – die Berater-Banken verdienten bis zu € 50 Mio: pro strukturierter Transaktion, wohlgemerkt.

Aus von einer wohlinformierten Quelle vorgelegten Unterlagen geht hervor, dass ein einzelnes Institut allein € 120 Mio an dieser Spezialberatung verdiente. Dieselbe Quelle schätzt, dass weitere ihm bekannt gewordene Fälle in etwa das Drei- bis Vierfachen dieses Volumens betragen dürften – dabei dürfte es sich aber nur um die Spitze des Eisberges handeln.

Vorsichtige Schätzung zu diesem Einnahmentitel daher: € 480 bis 600 Mio

Daneben gibt es noch eine dritte wesentliche Einnahme-Quelle der beratenden Banken:
Die Verwaltung jener Mittel, die mehr oder weniger direkt aus HAA-Aktivitäten in Steueroasen umgeleitet wurde (siehe HiG 1, 3, 11).
Dieses Thema wird in Kapital 10 gesondert behandelt, nachdem bei Beginn dieser Serie und der Recherchen noch nicht bewusst war, dass jene, die das Kapital bereitstellen halfen, sich auch gleich um die in Steueroasen umgeleiteten Mittel kümmerten und verwalteten. Eine besondere Interpretation des Terminus „Kreislauf des Geldes“ also …

Für die Verwaltung dieser Kunden-Portfolios konnten wiederum Gebühren verrechnet werden.
Fairerweise muss erwähnt werden, dass die Konkurrenz unter den Vermögensverwaltern sehr gross ist – und nur ein Teil dieser Mittel bei jenen Bankgruppen blieben, die in diesem Artikel beschrieben sind.

Um Doppelzählungen zu vermeiden, werden in der Folge nur die Einnahmen aus den ersten beiden Quellen gezählt. Euro 1.155 bis 1.500 Mrd

Lesen Sie auch: Goldesel Hypo VIII – Freiberufler/Rechtsanwälte/Wirtschaftsprüfer

Über MOSCHNER, DDr. Manfred

MOSCHNER, DDr. Manfred
DDr. Manfred Moschner studierte Rechtswissenschaften an der Uni Wien und Handelswissenschaften an der WU Wien. Er ist Gründer und Geschäftsführer der ACS Acquisition Services und wirkte am Aufbau zweier österreichischer Investment Banken mit. Seit 25 Jahren M&A-Berater, insbesondere im Bereich Banken und Industrie.

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