Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Einer gegen alle – und die sehen jetzt rot

Bild © Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America (Donald Trump) CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons (Ausschnitt)

Ist der noch zu retten? Zunächst hat er in Brüssel die Nato-Verbündeten verbal attackiert, ist insbesondere über Deutschland hergezogen; dann hat er in London Premierministerin Theresa May desavouiert, indem er ihre Brexit-Strategie als „sehr bedauerlich“ bezeichnete und ihren Widersacher Boris Johnson in einem Interview über den grünen Klee lobte; als nächstes hat er die Europäische Union, aber auch Russland und China via TV-Sender CBS als „Feinde“ bezeichnet; daraufhin ist er in Helsinki dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den Hintern gekrochen – bildlich gesprochen natürlich bloß.

Was sich Donald Trump zuletzt binnen weniger Tage alles geleistet hat, wäre selbst vom weltbesten Psychiater kaum auch nur halbwegs plausibel erklär- und damit verstehbar. Denn der US-Präsident brachte nämlich zugleich zum Ausdruck, dass der Nato-Gipfel „fantastisch“ und der dortige „Gemeinschaftsgeist großartig“ gewesen sei, nicht zuletzt würden auch die braven Deutschen in Zukunft mehr Geld für gemeinsame Verteidigung springen lassen; seine britische Gastgeberin, der er geraten habe, die EU einfach zu verklagen, bezeichnete er prompt als „wirklich tolle Person“, die einen „Superjob“ mache und von ihm in Wahrheit niemals kritisiert wurde; was die EU und den jüngsten Handelskrieg mit seinem Land anlangt, blieb Trump freilich stur auf Linie: Er müsse gegen die Union vorgehen, weil „die behandeln die Vereinigten Staaten nicht fair; zu guter Letzt muss der Präsident eingesehen haben, dass sein Treffen mit dem Kreml-Boss für ihn kein Triumph, sondern womöglich ein Fiasko gewesen ist, sodass er plötzlich einräumte, dass sich Russland doch in den US-Wahlkampf eingemischt haben könnte.

Herbe Kritik am Kuschelkurs

Während das Treffen in Helsinki für Putin laut Außenminister Sergej Lawrow „besser als super“ gelaufen sei, brach über Trump prompt von allen Seiten ein Shitstorm von bislang noch nie da gewesenem Ausmaß aus:  Der ebenso  überforderte  wie überhebliche und ähnlich unberechenbare wie unprofessionelle Präsidenten-Darsteller im Weißen Haus musste insbesondere für den Kuschelkurs mit dem russischen Amtskollegen massive Kritik einstecken. Sein Auftritt in der finnischen Hauptstadt wurde u.a. als „beschämend“, „schändlich“, „verräterisch“, „gefährlich“,  „gedankenlos“, „widerlich“ oder „schwach“ bezeichnet – noch nie zuvor habe sich ein US-Präsident dermaßen blamiert.

Mag sein, dass selbst glühende Trump- Anhänger allmählich schnallen, dass dieser Präsident zu so etwas wie einer politischen Natur-Katastrophe geworden ist – noch dazu einer weltweiten. Fix scheint freilich zu sein, dass die weit verbreitete Abneigung gegen ihn auf internationaler Ebene unübersehbar geworden ist. Vor allem die Europäische Union hat sich offensichtlich und erfreulicher Weise zum Ziel gesetzt, sich von Mister Trump nicht mehr länger papierln zu lassen. Denn beinahe zeitgleich mit den grotesken Eskapaden des amerikanischen Elefanten im Porzellanladen fanden in Asien zwei Ereignisse statt, die mehr als eine Reaktion auf Trumps Feindseligkeiten sein werden: Bei einem Gipfeltreffen in Peking haben sich EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker und Rats-Präsident Donald Tusk bemüht, die europäisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen anzukurbeln und künftig auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen. Im Hinblick auf viele offenen Fragen – z.B. Investitionsabkommen, Emissionshandel, Zölle oder Schutz von geistigem Eigentum – wird das nicht unproblematisch sein, doch alternativlos ist es allemal, wenn sich zwei Wirtschaftsblöcke, die von Trump mit handelspolitischen Sanktionen bestraft werden, zusammentun.

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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