Samstag, 21. Juli 2018
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Donald Trump provoziert mehrere Handelskriege

Foto © CC BY-SA 2.0 Gage Skidmore/Wikimedia (Ausschnitt)

Der US-Präsident, wie so oft als Elefant im Porzellanladen unterwegs, droht internationale Handelsbeziehungen zu ruinieren.

 Der Countdown läuft: Am 1. März hat Mister Trump US-Einfuhrbeschränkungen für Stahl und Aluminium angedroht, indem die Zolltarife um 25 bzw. 10 Prozent erhöht werden sollen. Obwohl er deshalb sogar im eigenen Land heftig kritisiert wurde, wird sich sein Sturschädel wohl durchsetzen.  Die EU-Kommission, gegen die sich der Zorn aus dem Weißen Haus primär richtet, hat umgehend mit „Vergeltungsmaßnahmen“ reagiert.  Auf einer in Brüssel blitzartig erstellten Schwarzen Liste finden sich zahllose Produkte   aus den Staaten, die demnächst im EU-Raum teurer werden könnten – von Bourbon-Whiskey über Schminkutensilien und Tabakwaren bis Motorjachten made in USA (siehe Tabelle unten). Sofern in den nächsten Wochen am Verhandlungsweg nicht noch eine vernünftige Lösung gefunden wird, wäre ein dramatischer Handelskrieg USA versus EU offiziell eröffnet.

 Der Weltmeister in Sachen Protektionismus würde Europas Wirtschaft ganz schön im Eingemachten treffen: Wenn die Vereinigten Staaten künftig tatsächlich weniger Stahl und Aluminium importieren, würden sich die Verluste in den EU-Staaten laut Berechnungen  des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche auf  2.7 Milliarden US-Dollar  belaufen. Allein rot-weiß-rote Unternehmen, für die die USA der zweitwichtigste Exportmarkt ist, müssten rund 230 Millionen Dollar vergessen. Alles in allem hat das heimische Exportvolumen in die Staaten 2017 um 10,7 Prozent auf 9,66 Milliarden Euro zugenommen – eine Erfolgsstory, die plötzlich von unkalkulierbaren Risiken behaftet ist.

Chinas große Chance

Donald Trump scheint auch vor einer Eskalation der Situation nicht zurückzuschrecken, sodass klar wäre, dass ein Handelskrieg wesentlich stärkere negative Auswirkungen auf Europa hätte als angenommen. Als Erfinder des Slogans „America First“ legte er sich naturgemäß auch bereits an anderen Fronten an: So zum Beispiel jagte er Kanada und Mexiko, den beiden NAFTA-Partnern, Angst und Schrecken ein, als er das seit 1994 bestehende nordamerikanische Freihandelsabkommen in Frage stellte. Insbesondere der bei ihm alles andere als hoch im Kurs stehende Nachbar im Süden muss sich auf die Einführung von Strafzöllen gefasst machen, wenn schon der versprochene Bau einer Milliarden-Mauer offenbar endlos verzögert.

Der US-Präsident zog sich weiters gleich nach seinem Amtsantritt einseitig aus dem geplanten, jedoch noch nicht ratifizierten Freihandelsabkommen TTP zurück und verband diese eigenwillige Entscheidung mit scharfen Drohungen an abwanderungswillige US-Unternehmen. Die bis dahin hochmotivierten Pazifikstaaten mussten seinen Rückzug als Affront verstehen, der Volksrepublik China kam er freilich höchst gelegen: Das transpazifische Bündnis, auf das Japan, Australien, Neuseeland, Kanada, Mexiko, Peru, Chile, Singapur, Vietnam, Malaysia und Brunei so sehr gehofft haben, war nämlich ursprünglich als Gegengewicht zum zunehmenden Einfluss der chinesischen Unternehmen in dieser Region gedacht.

Der Pakt ist dennoch – ohne USA – kürzlich in der chilenischen Hauptstadt Santiago unterzeichnet worden und wird zwei Monate nach der Ratifizierung in Kraft treten. Die elf verbliebenen Partnerländer, die nunmehr unter dem Kürzel CPTPP kooperieren, stehen immerhin für ein Siebentel der weltweiten Wirtschaftskraft – insgesamt rund zehn Billionen US-Dollar und ein gemeinsamer Markt mit 500 Millionen Menschen. Die Türe für die in der selbstgewählten Isolation befindliche USA wurde zwar nicht gänzlich zugeschlagen, aber es ist nicht auszuschließen, dass ihnen ausgerechnet der größte Rivale, die Volksrepublik, ein Schnippchen schlägt und mit den Pazifikstaaten gemeinsame Sache macht.

Der größte Verlierer

Weil er derartige Handelsabkommen prinzipiell nicht mag und am liebsten durch bilaterale Vereinbarungen ersetzen möchte, hat Trump in einem Aufwaschen auch gleich das seit Juni 2013 verhandelte transatlantische Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union gekillt. TTIP – die Abkürzung für Transatlantic Trade and Investment Partnership – wird ein in Brüssel gehegter Wunschtraum bleiben müssen, zumindest solange ein Dilettant im Weißen Haus residiert. Offenbar im manischen Bestreben, sein Land von vielen aus Freihandelsabkommen resultierenden Nachteilen zu befreien, hetzt der Präsident die USA zugleich in Handelskriege gegen Asien, Südamerika und Europa.

Dass Trump schon in Bälde den chinesischen Firmen höhere Zölle aufbrummen wird, ist kein Geheimnis mehr. Und damit muss sonnenklar sein, wozu diese absurde Strategie führen wird: Wenn die Handelsbarrieren weltweit, speziell rund um die Vereinigten Staaten, höher werden und die Zolltarife in etlichen Weltgegenden wieder modern, dann kann es automatisch nur viele Verlierer geben, die letztlich den Preis für die Dummheit von Donald Trump zu zahlen haben werden. Der Biggest Loser freilich wird wohl die bisherige Weltmacht Nummer Eins sein, die nicht nur ihre Führungsrolle sukzessive verliert, sondern auch die bevorstehenden ökonomischen Schlachten auf den Weltmärkten – nur: Donald Trump weiß das leider noch nicht…

DIE SCHWARZE LISTE

 In Brüssel wurden bereits etwa 200 US-Produkte auserkoren, die im Fall des Falles seitens der EU mit höheren Zolltarifen belegt werden sollen.

 Anm.: Bei den Fettgedruckten geht es um die größten Volumina.

— Arbeits- & Berufshosen (z.B. Latzhosen)

— Bettwäsche (aus Baumwolle)

— Boote (aufblasbar)

— Bourbon-Whiskey

— Erdnussbutter

— Gewebe & Filze (aus Seide oder Chemiefasern)

— Haarlacke & Haarsprays

— Kautabak & Schnupftabak

— Konstruktionen & Konstruktionsteile (aus Eisen oder Stahl)

— Konzentrate ätherischer Öle

— Krafträder (mit Hubkolbenverbrennungsmotor mit Hubraum ab 800cm3)

— Lastkraftwagen (mit Kolbenverbrennungsmotor)

— Mais

— Mischungen von Riechstoffen

— Motorboote & Motorjachten

— Präzisionsstahlrohre

— Profile (aus Eisen oder Stahl bzw. aus nichtrostendem Stahl)

— Puder (zum Schminken)

— Pumpenschläuche

— Reis

— Rohre & Hohlprofile

— Ruderboote & Kanus

— Schminkmittel („Make-up“ für Augen und Lippen)

— Schuhe (mit Laufsohlen und Oberteil aus Leder)

— Segelboote & Segeljachten

— Spiegel (aus Glas, ohne Rahmen)

— Spielkarten

— Stabstahl

— Tabak & Wasserpfeifentabak

— Tore, Türen, Fenster

— Trinkgläser (mit Stiel)

— T-Shirts & Unterhemden

— Waren aus Eisen oder Stahl

— Weißbleche

— Whisky

— Zigaretten & Zigarren

— Zuckermais

 

Quelle: EU-Kommission

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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