Samstag, 19. Oktober 2019
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Donald Trump: Das Drama der Republikaner

„Our country is divided and out of control“, hat Donald Trump vor wenigen Tagen getwittert. Und ausgerechnet den Immobilien-Tycoon, der die  Staaten spaltet,  hat die  ebenfalls gespaltene Republikanische  Partei in Cleveland zu ihrem  Präsidentschaftskandidaten gekürt.  Es war zwar nicht die erste Blamage  der Republikaner, aber gewiss eine sehr spektakuläre.  Sie schicken einen Mann in  das Rennen um die weltweit wichtigste Politfunktion, der zwar die parteiinternen Vorwahlen überraschender Weise souverän gewinnen konnte, jedoch in aller Welt wegen seiner aggressiv-populistischen Standpunkte in vielen Fragen als gefährlicher Irrer gefürchtet wird.

Es ist jedenfalls eine Schande für die große konservative  US-Partei, keinen geeigneteren Kandidaten als diesen machtgeilen Selbstdarsteller ohne politische Erfahrung aufzubieten zu können. Und es  käme einer personellen Katastrophe gleich, wenn Trump obendrein am 8. November vom Volk gewählt werden würde – wonach es derzeit allerdings laut Meinungsforschern nicht aussieht. Die Republikaner, die in den vergangenen siebzig Jahren sechs der insgesamt zwölf Präsidenten gestellt haben und das Land damit 36 Jahre lang regierten, sorgten ohnedies bereits für zu viele Fehlbesetzungen im Weißen Haus. Mit Ausnahme von Dwight D. Eisenhower, der relativ hohes Ansehen genoss, und des einstigen Hollywood-Schauspielers Ronald Reagan, der seine letzte Hauptrolle acht Jahre lang ziemlich souverän gespielt hat, war den republikanischen Präsidenten stets eine schlechte Nachrede sicher: Richard Nixon scheiterte am Watergate-Skandal, Gerald Ford  machte in seiner nur 895 Tage währenden Amtszeit am ehesten mit seiner linkischen Farblosigkeit auf sich aufmerksam,  George Bush dem Älteren machte sogar eine parteiinterne Revolte des rechten Flügels das Regieren schwer, und über die mickrige Performance von George W. Bush erübrigt sich jeder Kommentar.

Im direkten Vergleich sind die von der Demokratischen Partei gestellten Präsidenten, allen voran John F. Kennedy und nach ihm Lyndon B. Johnson, zumindest imagemäßig ungleich besser ausgestiegen. Jimmy Carter, der nach seiner Amtszeit 2002 ebenso den Friedensnobelpreis erhielt wie Barack Obama sieben Jahre später, und – trotz seiner pikanten Affären – auch Bill Clinton werden in den Geschichtsbüchern ungleich positiver beurteilt werden als die republikanischen Pendants. Johnson, Clinton und Obama ließen den jeweiligen Kandidaten der gegnerischen Partei keine Chance: 1964 unterlag der beinahe radikale Erzkonservative Barry Goldwater, der beispielsweise gegen Bürgerrechtsgesetze und für die Rassentrennung ausgesprochen hatte; bei den Wahlen 1996 scheiterte Senator Bob Dole, der gegen Steuersenkungen für die Mittelschicht aufgetreten war, an Amtsinhaber Clinton; 2008 ging der eher liberal gesinnte Arizona-Senator John McCain gegen Barack Obama hoffnungslos unter, und 2012 musste sich Mitt Romney, der wirtschaftsliberale Ex-Gouverneur des Bundesstaats Massachusetts dem afroamerikanischen Präsidenten geschlagen geben.

Ein ungeeigneter Quereinsteiger

Das riesige Dilemma der Republikanischen Partei, die in mehrere Lager gespalten ist und schon lange keine gemeinsame Linie mehr finden kann, kommentierte der heute 92-jährige Ex-Präsidentschaftskandidat Bob Dole vor geraumer Zeit so: „Die können weder Gesetze noch einen Haushalt gemeinsam verabschieden (…) Ronald Reagan wäre heute nicht in dieser Partei gelitten, Richard Nixon auch nicht, weil er Ideen hatte. Ich zweifle daran, ob ich dort willkommen wäre“. Freilich: Besonders willkommen ist heute auch der schräge Quereinsteiger Donald Trump bei den Delegierten nicht – auch wenn sie ihn letztlich zähneknirschend nominiert haben. Der 70-jährige Immobilien-Tycoon ist offenbar alles, was mit ex beginnt: exaltiert, exhibitionistisch, exklusiv, explosiv, exzentrisch, exzessiv… nur nicht exzellent.

Dass er bei den Republikanern gelandet ist, war mehr oder minder Zufall: Vor etwa dreißig Jahren trat er zwar der Partei bei, wechselte aber später zur Independence Party, um danach Mitglied der Demokraten zu werden und 2009 mit einem Rechts um! erneut die Front zu wechseln. Seine finanziellen Spenden verteilte er stets ziemlich ausgewogen auf mehrere politische Lager, selbst die Clinton Foundation soll von ihm einmal 100.000 Dollar erhalten haben. Schon 2012 wollte er gegen Barack Obama antreten, hat es sich jedoch anders überlegt. Ernst wurde es freilich im Juni 2015, als er seine Bewerbung um den Präsidentenjob offiziell verkündete – was schon damals wie eine gefährliche Drohung klang.

Obwohl er  monatelang  mit  seinen hinlänglich bekannt gewordenen wirren Parolen und Ansichten durch die Staaten gezogen ist, rhetorische Tiefschläge  nach allen möglichen Seiten verteilt hat, ohne dabei auch nur ein Fettnäpfchen auszulassen, boxte er seine relativ hilflos wirkenden Kontrahenten, speziell den Gouverneur von Ohio, John Kasich, sowie die wesentlich jüngeren Senatoren Marco Rubio und Ted Cruz, eiskalt aus dem republikanischen Polit-Ring. Das Geheimnis an seinem Durchmarsch dürfte wohl gewesen sein, dass er, der erfolgreiche Geschäftsmann, der mit den Machtzirkeln in Washington nichts zu tun habe, primär von weißen Delegierten als authentisch, unabhängig, mutig, direkt, knallhart und alles in allem letztlich anders als alle anderen Mitbewerber erlebt wurde. Dass er mit seinen teilweise bizarren Rundumschlägen zugleich etliche Wählerschichten schwer vergrämt hat, schien ihn offenbar nicht zu stören.

Jetzt wird der eigentliche Wahlkampf gegen Hillary Clinton, die demnächst am Parteikonvent der Demokraten grünes Licht erhält, starten – und vor allem Donald Trump wird mit verbalen Brutalitäten aller Art sorgen. Der laut eigenen Angaben steinreiche Milliardär, der voll auf die  im Volk deutlich spürbare Anti-Establishment-Stimmung setzt, träumt jedenfalls davon, zum mächtigsten Mann der Welt zu werden – was letztlich so etwas wie ein globaler Alptraum wäre, denn dieser Mann ist – wie er schon öfters unter Beweis gestellt hat – unberechenbar, unerfahren, ungehobelt, unbeirrbar, unerbittlich, obendrein für diese Aufgabe auch unqualifiziert und unfähig. Bleibt zu hoffen, dass ihm nicht genügend US-Wählerinnen und -Wähler auf den Leim gehen, damit sein gefährliches Spiel, das zum Schrecken ohne Ende werden könnte, rechtzeitig durchkreuzt wird. Denn noch einen derartigen Chaoten mehr würde die Weltpolitik kaum verkraften…

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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