Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Die Mission von „Al Jazeera“ am Balkan

Bild © Creative Commons Pixabay (Ausschnitt)

Mitten unter uns, eine Flugstunde von Wien entfernt, hat sich ein von einem arabischen Scheich geführter Fernsehsender niedergelassen, um mit seinem Programm Serben, Bosnier, Kosovaren, Mazedonier, Montenegriner, Kroaten und Slowenen zu berieseln.

Seitdem in einer Wiener Moschee die Bilder von kriegsspielenden türkischen Kindern öffentlich publik geworden sind, wird wieder heftig diskutiert, wie man dem „politischen Islam“ Einhalt gebieten kann. Wegschauen war bisher eine Devise im Umgang mit dem wachsenden Einfluss des Islam auf die europäische Zivilgesellschaft. Übersehen oder ignoriert wurde aber nicht nur das Entstehen von Parallelgesellschaften sondern auch die gezielte Infiltration auf dem Mediensektor. Diese reicht mittlerweile faktisch bis vor die Südgrenzen Österreichs reicht. Seit acht Jahren versorgt nämlich der arabische Sender „Al Jazeera“ die Staaten, die aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangen sind, mit einem eigenen TV-Programm. Und kaum jemand hat sich darum gekümmert.

Schleichender Einfluss

Dabei ist der schleichende Einfluss, den die islamische Welt auf den süd-östlichen Teil Europas auszuüben versucht, längst nicht mehr unbekannt. Bloß er blieb bisher mehr oder weniger ohne Reaktion. So wird sogar immer wieder darüber berichtet, dass Araber aus den reichen Golfstaaten den Balkan für sich zu entdecken beginnen. Allerdings nicht nur als Touristen. Sie bauen vor allem Shopping Malls, riesige umzäunte Villensiedlungen und betreiben mittlerweile einen Sender, der die gesamte Region von der Grenze zu Österreich im Norden bis zu jener Griechenlands im Süden mit einem TV-Programm versorgt.

Ein Scheich als TV-Boss

„Al Jazeera Balkans“ wurde 2011 gegründet und ist Teil des gleichnamigen größten islamischen Medien-Networks mit Sitz in Doha. Sein Eigentümer ist Scheich Hamad bin Chalifa Al Than, bis 2013 Staatsoberhaupt des Emirates Katar. Der Sender hat seinen Hauptsitz in Sarajevo, Studios befinden sich in Belgrad, Zagreb und Skopje. Al Jazeera sendet sechs Stunden täglich ein Programm in den jeweiligen Landessprachen, das sich an Bosnien und Herzegowina, Serbien, den Kosovo, Montenegro, Kroatien, Slowenien und Mazedonien richtet. In der restlichen Zeit werden Inhalte vom Schwestersender „Al Jazeera English“ übernommen. Bei diesem Programm arbeiten zwar internationale Journalisten, was aber von kritischen Experten nur als ein Feigenblatt für die eigentlichen Intentionen des in Doha sitzenden Eigentümers beurteilt wird.

Europa schlecht machen

Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik am Institut für Islamisch-theologische Studien der Universität Wien, findet im Gespräch mit EU-Infothek, dass der Tätigkeit von „Al Jazeera“ in Süd-Ost-Europa viel mehr Augenmerk zugewendet werden sollte. Immerhin versteht sich zumindest die arabische Version des Senders als Propagandainstrument der „Muslimbrüderschaft“, die regelmäßig zum Heiligen Krieg aufruft. Nach Beobachtung vieler Nahostexperten trägt das arabischsprachige Programm von Al Jazeera wesentlich zur islamistischen Radikalisierung des arabischen Raumes bei. Wenngleich seitens der Sender-Verantwortlichen betont wird, dass das englisch-sprachige Programm eine ganz andere Linie vertreten würde, so sieht Aslan doch die Tendenz vertreten, „Europa schlecht zu machen“. Er habe es daher auch jüngst abgelehnt, als das Kopftuchverbot in Österreich zur Debatte stand, dem Sender ein Interview zu geben.

Bildungs- und Kulturprojekte fördern

Der anerkannte Islam-Experte, der vor einiger Zeit mit einer Studie über Probleme in Wiener türkischen Kindergärten für eine heftige öffentliche Diskussion sorgte und vor allem von linker Seite heftig unter Beschuss genommen wurde, spricht sich dafür aus, dass Österreich auch die kommende EU-Ratspräsidentschaft nützt, um für eine entsprechende Bewusstseinsschärfung bezüglich der Entwicklung am Balkan zu sorgen. Hier müsse Brüssel einfach aktiver werden, das sich bisher vor allem nur auf die Vorbereitung von Beitrittsverhandlungen konzentriert. Gerade Österreich sollte aufgrund seiner Nähe zu dieser Region und den historischen Verbindungen insbesondere Projekte im Bildungs- und Kulturbereich entrieren sowie auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften pflegen.

Politischer Islam auf Ätherwellen

Der frühere Innenminister und jetzige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka setzt sich schon seit längerem mit den Problemen auseinander, die durch die ungezügelte Flüchtlingsbewegung und die oft bis in die dritte Generation reichende resistente Integrationsbereitschaft entstanden sind. Ging es ihm zunächst darum, das Verlangen nach einem „europäischen Islam“ in den Vordergrund zu stellen, siegt er nun die Herausforderung, dem „politischen Islam“ die Stirne zu zeigen. Sobotka zu EU-Infothek: „Wir werden nicht umhinkommen, eine Debatte über einen europäischen Islam zu führen, um friedliche und gut integrierte Muslime in Schutz zu nehmen und Radikalisierung in unserer Gesellschaft keinen Raum zu geben“. Die EU müsse entschlossener und koordinierter gegen Bedrohungen der inneren Sicherheit auch gegen religiösen Radikalismus vorgehen. Um für eine entsprechende Bewusstseins- und Meinungsbildung in der Öffentlichkeit zu sorgen, wird von ihm bereits ein Symposion vorbereitet. Und Sobotka will dazu auch die Parlamentarier aus anderen EU-Staaten einbinden.

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