Samstag, 25. Mai 2019
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Wien, Wien, nur du allein

Blick auf den Volksgarten in Wien / Bild (Ausschnitt) @WienTourismus, © WienTourismus / Christian Stemper

Die Bundeshauptstadt ist Weltmeister in Sachen Lebensqualität – wirklich?

Good News! Mitten in der medialen Dürrezeit erreicht uns eine Meldung, die speziell bei Wienerinnen und Wienern für Euphorie sorgen sollte: Ihre Stadt, wurde ihnen von der durchaus renommierten „Economist Intelligence Unit“ soeben attestiert, ist die lebenswerteste von weltweit 140 verglichenen Metropolen.

Der rot-weiß-rote Triumph in diesem Ranking, das von den britischen Zahlenjongleuren alljährlich publiziert wird, sorgt primär bei den verantwortlichen Politikern der Donau-Stadt für Begeisterung, bei deren Kollegen in Melbourne freilich für Frust. Wien hat nämlich die australische Metropole, die in den vergangenen sieben Jahren als unschlagbar gegolten hatte, erstmals überflügelt – wenn auch nur arschknapp, wie es Bundespräsident VDB formulieren würde. Prompt sind dort Zitate aufgetaucht, wonach es diesmal bei dieser Rangliste nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

Die Aussis sollten sich freilich rasch wieder beruhigen und zur Kenntnis nehmen, dass der Ösi-Champion Wien in einer vergleichbaren Studie – jener der international tätigen US-Unternehmensberatung Mercer – immerhin schon zum neunten Mal den Spitzenplatz belegt.

Während in der aktuellen „Economist“-Studie Melbourne, Osaka, Calgary, Sydney, Vancouver, Toronto, Tokyo und Kopenhagen hinter Wien rangieren, müssen sich in der etwas älteren Mercer-Untersuchung Zürich, Auckland, München, Vancouver, Düsseldorf, Frankfurt und Genf mit den Rängen Zwei bis Acht begnügen (siehe Tabelle unten).

Wien hat viele Atouts

Auch wenn es hierzulande massenhaft Bürgerinnen und Bürger, die sich laufend etwa über Verkehrsstaus, die Müllabfuhr und tausend andere Dinge aufzuregen pflegen, noch nicht wahrhaben wollen: Die Lebensqualität in dieser Stadt kann sich tatsächlich sehen lassen. Wien vermag im internationalen Vergleich bei vielen der  untersuchten Kriterien massiv zu punkten: Für die Mercer-Rechercheure, die gleich 231 Großstädte unter die Lupe nehmen und das Hauptaugenmerk auf jene Kriterien legen, die aus Sicht von Mitarbeitern, die ins Ausland entsandt wurden, eine zentrale Rolle spielen, überzeugt die Stadt vor allem durch öffentliche Sicherheit, den guten öffentlichen Nahverkehr und eine beachtliche Vielfalt an Kultur- und Freizeiteinrichtungen.

In der „Economist“-Erhebung wiederum schneidet Wien am allerbesten in den Bereichen Gesundheitsvorsorge, Bildung, Infrastruktur und politische Stabilität ab. Melbourne hingegen hat überraschenderweise im Sachen Kulturangebot, aber auch Umwelt die Nase vorne. Die österreichische Hauptstadt wird in beiden Analysen auch hervorragend bewertet, was das soziokulturelle Umfeld, die soziale Lage oder den Wohnungsbau und das Freizeitangebot anlangt.

Es versteht sich allerdings von selbst, dass nicht überall erstklassige Noten zu Stande kommen: So etwa bekleidet Wien beim Faktor Entsorgung & Hygiene – konkret geht es dabei u.a. um Abfallbeseitigung, Abwasserinfrastruktur und Luftverschmutzung – lediglich Rang 26. Die Spitzenreiter in dieser Disziplin sind übrigens Honolulu, Helsinki und Ottawa.

Für Wiener wird’s immer teurer

Fassen wir zusammen: Die neueste Erfolgsmeldung der „Economist Intelligence Unit“ ist zwar hocherfreulich und wird vor allem für Wiener Stadtpolitiker, von Neo-Bürgermeister Michael Ludwig abwärts, monatelang eine rhetorische Argumentationshilfe darstellen. Auch die türkis-blaue Bundesregierung wird vermutlich versuchen, von diesem glänzenden Ergebnis irgendwie mit zu profitieren. Jetzt folgt indes das große Aber: Es liegen derzeit auch etliche Statistiken vor, in denen Wien bzw. Österreich gar nicht gut abschneidet und lediglich unter ferner liefen rangiert.

Ein riesiger Wermutstropfen für Wien und die Wiener Bevölkerung kommt justament vom Beratungsunternehmen Mercer: In seinem vor kurzem präsentierten „Cost of Living Survey 2018“ wird klar, dass die Lebenshaltungskosten in der Donau-Metropole hurtig ansteigen: Lag die Stadt im Jahr 2017 noch an 78. Stelle, so belegt sie in der letzten Rangliste bereits Platz 39 (siehe Tabelle unten).

„Wien ist so schön“, hat der aus Deutschland stammende Kabarettist Dirk Stegmann einmal gesagt, „dass sich die Wiener die Stadt schwach saufen müssten“. Jetzt müsste allmählich allen dämmern: Das Leben im schönen Wien wird immer teurer…

Das sind die lebenswertesten Städte der Welt

Rang Stadt
2017

Rang Stadt
2018

1. Wien 1. Wien
2. Zürich 2. Melbourne
3. Auckland 3. Osaka
3. München 4. Calgary
5. Vancouver 5. Sydney
6. Düsseldorf 6. Vancouver
7. Frankfurt 7. Toronto
8. Genf 8. Tokyo
9. Kopenhagen 9. Kopenhagen
10. Basel 10. Adelaide

Quellen: Mercer’s  Quality of Living Ranking 2018 (linke Tabelle) und Economist Intelligence Unit’s Global Liveability Index (rechts)

Und das sind die teuersten Städte der Welt

Rang Stadt
2018 (2017)

Rang Stadt
2018 (2017)

1.(2.) Hongkong 1.(1.) Singapore
2.(3.) Tokyo 2.(3.) Zürich
3.(4.) Zürich 2.(8.) Paris
4.(5.) Singapore 4.(2.) Hongkong
5.(6.) Seoul 5.(k.A.) Oslo
6.(1.) Luanda (Angola) 6. Vancouver
7.(8.) Shanghai 7.(6.) Seoul
8.(15) Ndjamena(Chad) 8.(10) Kopenhagen
9.(11.) Beijing 9.(k.A.) Tel Aviv
10.(10.) Bern 10.(k.A.) Sydney
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39.(78.) Wien keine Detailangaben

Quellen: Mercer’s 2018 Cost of Living Survey (linke Tabelle) und Economist Intelligence Unit Worldwide Cost of Living Report 2018 (rechte Tabelle)

 

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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