Montag, 21. Oktober 2019
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Der Trojaner durch die Amtsstubentür

Wie begossene Pudel stehen sie jetzt da, die Saubermänner der Computerüberwachung. Neben Politikern einiger anderer deutscher Bundesländer, musste Bayerns Innenminister Herrmann kleinlaut zugeben, dass der in Deutschland entwickelte und eingesetzte sogenannte „Bundestrojaner“, mit dem die deutschen Behörden ihre Bürger ausspionieren wollten, nichts taugt.

Nachdem der CCC (Chaos Computer Club) den Trojaner gehackt hatte, stellte sich heraus, dass es mit diesem Wunderwerk aus deutscher Produktion nicht weit her war. Namhafte Erzeuger von Antivirensoftware meinen, dass selbst handelsübliche Antivirenprogramme, die nichts vom Bundestrojaner wüssten, diesen aufspüren könnten.

Ein Scherzartikel also? Weit gefehlt. Dieser Bundestrojaner hat die Möglichkeit, Software nachzuladen. Mit dieser Eigenschaft ist es daher grundsätzlich möglich, die komplette Kontrolle über einen Computer zu erlangen. Toll wenn die Sicherheitsbehörden damit herumspielen. Es wäre die erste Software, die sich nicht jemand illegal aneignete, um damit seine eigenen Ziele zu verfolgen. Da Fachleute meinen, die Programmierqualität ließe sehr zu wünschen übrig, wäre der „Trojanerklau“ nur eine Frageder Zeit.

Es ist schon ein prächtiges Werkzeug, dasVernaderern, Schnüfflern und sonstige Gutmenschen, deren oberstes Ziel es ist, uns vor Terrorismus zu beschützen und die Kinderpornosammler zu verscheuchen, hier vorliegt. Schutz vor den beiden genannten Gruppen ist wohl notwendig, aber der Generalverdacht und die Spitzelei gegen alle Bürger ist einer Demokratie unwürdig.

Erschreckend ist dabei der Gedanke, dass die Behörden munter mit etwas hantieren, dessen Folgen sie nicht einschätzen können, und das in ihrer eigenen Hand alle legalen Grenzen zu überschreiten als auch Kriminellen Tür und Tor zu öffnen in der Lage ist.

Was sagen die Verfassungsrichter dazu? Müssen wir alle bürgerlichen Freiheiten abgeben, um vermeintlich sicher zu sein? Sicher vor wem?
Kam uns nicht allen schon bei Georges Orwells „1984“ das Gruseln, wenn es um Bespitzelung und persönliche Überwachung ging? Ich fürchte, wir sind ein Stück weiter.

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