Freitag, 21. Juni 2019
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Der rot-grüne fahrlässige Umgang mit dem Wiener Weltkulturerbe

Bild © CC0 Creative Commons, Pixabay (Ausschnitt)

Das Prädikat „Weltkulturerbe“ ist mehr als nur eine verbale Auszeichnung. Es ist ein Schutzschild gegen die Zerstörung kulturellen Erbgutes.

Wenn es um den Bau von Straßen, die Errichtung von Kraftwerken geht, sind die Grünen die Ersten, die lautstark dagegen protestieren. Kein Argument ist ihnen dabei zu verwegen, um die Realisierung eines notwendigen und sinnvollen Projekts zu verhindern. Da bedient man sich der zoologischen und botanischen Lexika um vor der drohenden Vertreibung von Käfern, der Vernichtung von Unkräutern zu warnen, weil damit das ökologische Gleichgewicht zerstört würde. Bei einem Hochhausprojekt im Zentrum von Wien, das einen Eingriff in das historische Stadtbild zur Folge hätte, stiegen die Grünen geradezu auf die Palme, damit dieses auch entgegen allen Vorbehalten bewilligt werde. Die Warnungen, dass dies den Welterbe-Status der Bundeshauptstadt ernsthaft gefährden würde, tat man mit einer Handbewegung ab. Ja man verstieg sich sogar zur Behauptung, auch das sei kein Malheur. Und die SPÖ hat dabei auch noch die Rolle des willfährigen Steigbügelhalters gespielt.

Rot-Grün-Desaster

Die Blamage erfolgte nun durch den Bericht des internationalen Rats für Denkmalpflege „Icomos“, der die UNESCO berät, die wiederum das Welterbe-Prädikat vergibt. Daraus geht hervor, dass bei einer Umsetzung des Turmbaus am Heumarkt, Wien den Status einer Weltkulturerbe-Stadt verlieren würde. Ein weiterer Punkt im rot-grünen Stadt-Desaster. Abgesehen davon, dass es noch aufzudecken gilt, was wirklich der Grund der Grünen dafür war, dieses Projekt auf Teufel-komm-raus Manier im Gemeinderat durchzuboxen, hat man sich auch in der Öffentlichkeit nie ernsthaft damit beschäftigt, was es denn bedeutet, den Status eines Weltkulturerbes zu besitzen.

1092 Welterbe-Stätten

Die UNESCO, die ihren Sitz in Paris hat, ist an sich eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Österreich ist übrigens seit 1948 Mitglied. Aktuell zählt die Organisation übrigens 193 Mitglieder weltweit. 1972 hat man sich dann entschlossen ein Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt zu schließen, was auch 1975 erfolgte. Der zentrale Auftrag ist in einem Satz formuliert, nämlich dass „Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen“. Aktuell sind davon 1092 Stätten in 167 Ländern erfasst, wovon 845 als Weltkulturerbe, 209 als Weltnaturerbe und 38 gemischte Kultur- und Naturerbe-Stätten gelten. 10 Stätten befinden sich davon übrigens in Österreich. Derzeit bemüht sich zum Beispiel Baden im Süden Wiens als Biedermeier-Kurstadt um diese Auszeichnung

Motive für den Welterbe-Status

Grundsätzlich ist es egal, ob die Vergabe des Prädikats

  • eine bewusste Auszeichnung ist, weil sich ein Staat besonders um den Erhalt eines historischen Stadtbildes, eines bedeutenden Monuments bzw. einer schutzwürdigen Naturlandschaft bemüht oder
  • damit den Verantwortlichen ein Signal gegeben werden soll, sich mehr um die Erhaltung schutzbedürftiger Güter zu kümmern oder
  • ein Staat um die internationale Hilfe bei der Erhaltung eines außergewöhnlichen Kulturgutes ansucht.

Anlassgeber Abu Simbel …

Entscheidend für die Realisierung der Idee „Weltkulturerbe“ war übrigens der Bau des Assuan-Staudamms am Nil in den 1960er Jahren. Dieser hätte zur Flutung der Tempel von Abu Simbel geführt. Dank einer internationalen Hilfe wurden diese versetzt, blieben damit erhalten und sind heute eine der großen Sehenswürdigkeiten jeder Nil-Kreuzfahrt. Das Prädikat Weltkulturerbe zu sein, hat sich mittlerweile auch als Tourismusmagnet erwiesen. Ein herausragendes Beispiel sind in Österreich unter anderem die Wachau, Hallstatt und Salzburg. Die seinerzeitige Argumentation bei der Beschlussfassung des Heumarktprojekts, für eine Groß- und Weltstadt wie Wien sei der Verlust des Welterbe-Status verkraftbar, ist ein sprichwörtliches Armutszeugnis für die politischen Akteure. Oder ein Hinweis darauf, dass da ganz andere Argumente im Spiel waren.

… sowie Dubrovnik und Mostar

Keine Frage, diese Auszeichnung hat zunächst eigentlich nur deklamatorische Bedeutung. Sie ist eine Hemmschwelle in ein Stadtbild einzugreifen oder die Substanz verfremdende Umbauten vorzunehmen, sie hält aber nicht davon ab, Eingriffe tatsächlich vorzunehmen. Genau das hat sich vor rund 25 Jahren während des Balkankriegs im Zuge der Auflösung des kommunistischen Jugoslawiens gezeigt. Die Bombardierung von Dubrovnik und die Zerstörung der Brücke von Mostar brachten nämlich die UNESCO zum Entschluss eine Art. Schutzschildorganisation auf die Beine zu stellen. Und genau dies führt zur Gründung des Internationalen Komitees vom „Blauen Schild“

Es geht um das Schutzschild

„Blue Shield International“, wie es auf Englisch heißt, ist eine mit der UNESCO verbundene Organisation, die ihren Sitz in Den Haag hat und expressis verbis für den Schutz von Kulturgütern vor den Auswirkungen von Kriegen, bewaffneten Konflikten und Katastrophen. Zuständig ist. Sie versucht mit umfangreichen Unternehmungen zu verhindern, dass kulturelles Erbe nachhaltig beschädigt, vernichtet oder gestohlen wird. Dazu gehört auch die Kennzeichnung von zu schützenden Kulturgut, um diese Gebiete bei kriegerischen Handlungen zu Schutzzonen zu erklären. So passiert 2014 als die britische Blue Shield Organisation eine „No-strike list“ (also eine Kulturgüterschutz-Liste) für Aleppo herausgab, die allen bewaffneten Kräften übergeben wurde. Nur die IS hat sich daran nicht gehalten, weil es dieser Terrorgruppe genau um die Vernichtung des Kulturgutes ging.

Politische Schandtat

Angesichts dieser Faktenlage gehört die Heumarkt-Aktion der rot-grünen Wiener Stadtregierung unter das Kapitel „politische Schandtaten“ eingeordnet. Und sie ist nicht zuletzt ein Affront einer Stadt, die so stolz darauf ist, eine der vier UNO-Sitze auf der Welt zu sein. Die UNESCO ist eine der Unterorganisationen. Mehr noch, es ist auch ein Affront gegen den 2017 gewählten und bis 2020 im Amt befindlichen Präsidenten von Blue Shield International, das ist nämlich Karl Habsburg-Lothringen. Oder vielleicht ist bzw. war das auch sehr gut. Denn das Blinken des roten Welterbe-Lichts hat nun Alarmglocken im Rathaus ausgelöst.

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