Dienstag, 22. Oktober 2019
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Delors Lobby nun auch in Berlin

Seitdem sich Jacques Delors, ehemals Präsident der Europäischen Kommission und als solcher die bleibende Inkarnation eines bundesstaatlichen Zusammenwachsens Europas, aus der aktiven Politik im Alter von 69 Jahren zurückgezogen hat, widmet er sich seiner Stiftung, die bezeichnenderweise den Titel Notre Europe, „Unser Europa“, trägt.

Seitdem sich Jacques Delors, ehemals Präsident der Europäischen Kommission und als solcher die bleibende Inkarnation eines bundesstaatlichen Zusammenwachsens Europas, aus der aktiven Politik im Alter von 69 Jahren zurückgezogen hat, widmet er sich seiner Stiftung, die bezeichnenderweise den Titel Notre Europe, „Unser Europa“, trägt.

Aufgrund seines hohen Alters hat Delors mittlerweile das Tagesgeschäft an junge, willige Vollstrecker übertragen und sich lediglich vorbehalten, bei großen strategischen Interventionen in der ersten Reihe zu stehen. So ließ er es sich nicht nehmen, im Jahre 2010, angesichts der hitzigen Debatte in Deutschland über die Griechenlandhilfe, vor der SPD-Bundestagsfraktion den lieben Genossen ins Gewissen zu reden, Deutschland habe das allergrößte Interesse, Griechenland zu retten.

Föderalistisch und auch Euro-religiös

Sein Diskurs ist also nicht nur föderalistisch, er ist auch Euro-religiös und fast ist zu befürchten, Delors glaube selbst inbrünstig an die von ihm verkündete Utopie eines vereinten Europas als AOK. Jetzt will er mit seiner Stiftung einen Berliner Satelliten zur Bearbeitung der deutschen Politik gründen. Willige Helfer sind von der Hertie School Of Governance sofort zur Stelle, um den Jacques-Delors-Institut einen deutschen Anstrich zu verleihen. Delors hat es stets geschafft, Christdemokraten in der deutschen Politik unter Hinweis auf seinen praktizierten Katholizismus glauben zu machen, er sei ein Christdemokrat, während er den Sozialdemokraten unter Hinweis auf seine Mitgliedschaft der Parti socialiste glaubhaft versicherte, ein Mann der Linken zu sein.

Das Jacques-Delors-Institut wird man zu beobachten haben, weniger weil es neue Gedanken in die alte politische Klasse Deutschlands bringen wird, sondern weil von aller größtem Interesse sein wird, wer aus Deutschland neben Herrn Enderlein und Frau Guérot zu den Kollaborateuren des von Delors europäistisch inszenierten, französischen Hegemonialdenkens gehören wird.

 

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