Sonntag, 16. Dezember 2018
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Das Jahr 2017 braucht mehrere Wunder

Bild © CC Max Pixel https://tinyurl.com/ydys8ayq (Ausschnitt)

„Die kleinste Hoffnung“, hat es der amerikanische Satiriker Mark Twain einmal formuliert, „ist besser als die schlimmste Befürchtung“.  Diese alte Weisheit wollen wir heute an dieser Stelle allen notorischen Schwarzsehern widmen, für die nach der Silvester-Nacht automatisch die Katerstimmung ausbricht. Die Vorzeichen, dass 2017 ein besonders glückliches Neues Jahr werden könnte, stehen zwar so schlecht wie schon lange nicht – aber trotz Donald Trump, Bürgerkrieg in Syrien, Brexit, Terrorismus, EU-Krise, Flüchtlingsdilemma und anderen globalen Bredouillen wird die Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den kommenden zwölf Monaten nicht endgültig untergehen.

Frido Hütter, laut eigenen Angaben ehemals ein begeisterter Pessimist, hat es am Jahresbeginn in der „Kleinen Zeitung“ mit seinem brillanten Essay „Seien Sie guten Mutes für das Leben vor dem Tod“ geschafft,  zukunftsbezogene Ängste, Panikattacken und Massenhysterie zu relativieren, indem er für Zuversicht, positives Denken und Optimismus plädierte. Seine journalistische Glanzleistung, die im Kernsatz „Pessimismus ist pure Zeitverschwendung“ gipfelt, hebt sich wohltuend vom Mainstream aufgeregter, ja offenbar verzweifelter Kommentatoren ab, deren trostlose Prophezeiungen dem medialen Publikum – wenn auch nur indirekt – den Griff zum Strick und den nachfolgenden Freitod durch Erhängen nahe zu legen scheinen. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen ist das Prinzip Hoffnung – wenngleich dieser Begriff gerne in die Nähe von Naivität gerückt wird – einfach durch nichts zu ersetzen. Bereits vor rund 2.500 Jahren war für den chinesischen Philosophen Konfuzius klar:  „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen“.

 

Die 10 wichtigsten Fragen

 

Die dunklen Wolken, die sich über der Welt zusammengebraut haben, können heuer zweifellos zu einer riesigen Katastrophe führen – müssen aber nicht. Denn wo steht geschrieben, dass es immer und überall zum Worst Case  kommt? Jene Schwarzseher, die am liebsten andauernd den Teufel an die Wand malen, sollten sich jedenfalls mit der Idee anfreunden, dass auch das exakte Gegenteil ihrer Befürchtungen eintreten könnte. Wunder passieren immer wieder,  selbst wenn sie bisweilen endlos auf sich warten lassen – und die Hoffnung lebt  nicht nur in zahllosen Sprichworten aus aller Welt (siehe ganz unten). Was uns das Jahr 2017 letztlich alles bescheren kann, lässt sich exemplarisch an Hand von zehn Fragen skizzieren:

 

1. Muss man sich wirklich damit abfinden, dass der nächste US-Präsident tatsächlich so verrückt ist, wie das nahezu alle glauben? Es könnte freilich auch passieren, dass sich Donald Trump doch nicht als Unberechenbarkeit in Person erweisen, sondern seinen Job als mächtigster Mann der Welt mit Fingerspitzen- und Verantwortungsgefühl ausüben wird. Womöglich gelangt er bald zur Einsicht, dass sein Land nicht unbedingt stärker wird, wenn es sich abschottet und bisher gute Handels- und Politbeziehungen etwa zu Europa beendet.

 

2. Ist es nicht durchaus denkbar, dass Trump mit Vladimir Putin ungleich besser  können wird als Barack Obama? Das würde eine deutliche Entspannung zwischen den USA und Russland bringen,  in der Folge vielleicht sogar das Aus im neuen  Kalten Krieg – was schon einmal ein riesiger Erfolg wäre. In diesem Fall wäre der Kreml-Boss gut beraten, sein Imperium in ökonomischer Hinsicht wieder halbwegs flott zu machen statt permanent militärisch aufzurüsten.

 

3.  Muss  ein absehbarer  Frieden in Syrien weiterhin nichts als Illusion bleiben? Nein, es ist nämlich nicht auszuschließen, dass die jahrelange Tragödie  heuer noch ein Ende findet, weil die Karten in der Weltpolitik neu gemischt werden und sich bei allen Beteiligten irgendwann einmal die Vernunft durchsetzen muss – wer immer dieses Kunststück auch letztlich schaffen mag. Fraglich ist, ob Diktator Bashar al-Assad bleiben darf oder in der Versenkung verschwinden wird, was durchaus Vorrang haben sollte.

 

4.  Wäre es nicht hoch an der Zeit, dass auch der Krisenherd Türkei  wieder einigermaßen zur Ruhe kommt?  Dass  Recep Tayyip Erdogan  seine persönlichen Machtgelüste hintanstellt, um das Land nicht endgültig in den Abgrund zu führen, mag zwar unrealistisch klingen, ist aber nicht auszuschließen. Bleibt er ein autoritärer Hardliner, dann steuert die  Türkei unweigerlich auf den nächsten Putsch zu, der vermutlich nicht so glimpflich ausgehen wird wie der vom vergangenen Juli.

 

5.  Gibt es eigentlich noch Hoffnung, die Flüchtlingsfrage halbwegs in den Griff zu bekommen? Ja, wenn der EU-Deal mit der Türkei hält und sich obendrein die Lage in Syrien merklich entspannt. Wäre beides nicht der Fall, würde Europa in der Tat ein gravierendes Problem kriegen und erneut vor einer Zerreißprobe stehen. In diesem Fall wäre selbst mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr zu rechnen, denn die möchte die Bundestagswahlen im Herbst erneut gewinnen – noch mehr Asylanten dürften ihr freilich einen Strich durch die Rechnung machen.

 

6. Kann sich die Europäische Union im heurigen Jahr aus ihrem vielschichtigen Dilemma wieder derrappeln oder geht sie, wie zahlreiche Kassandras erwarten, endgültig den Bach hinunter? Die Antwort auf diese Frage hängt von den Punkten 1 bis 5 und zugleich davon ab, ob Brüssel die längst fälligen Reformen in eigener Sache endlich angeht oder nicht. Die Chance lebt freilich: Die EU27 sollten allerdings angesichts des neuen politischen Umfelds alles daran setzen, 2017 näher als bislang zusammenzurücken und nationalistisch-egoistische Geplänkel weitgehend sein lassen.

 

7.  Wie wird sich der Brexit im Detail abspielen und welche Nachteile hat vor allem das Vereinigte Königreich zu befürchten? Die zentrale Frage wird sein, ob es zu einen eher sanften oder aber zu einem brutalen Austritt der Briten kommt. So oder so wird die Scheidung ziemlich lange dauern, und ohne negative Folgen für Großbritannien und die bisherigen Verbündeten kann es auch nicht gehen. Die Kernfrage ist, wie unangenehm etwa die wirtschaftlichen Konsequenzen  – sprich: Rückschläge – für alle Beteiligten sein werden.

 

8. Ist ein verstärkter politischer Rechtsruck in Europa zu befürchten und werden die Populisten weiterhin Aufwind verspüren?  Das wird sich insbesondere nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich weisen: Schafft es Marine LePen mit ihrem Front National wider Erwarten, wäre das ein fatales Signal und Typen wie Viktor Orban oder Geert Wilders hätten Rückenwind. Unser Tipp vorab: Sie schafft es nicht…auch HC Strache und seine rechtspopulistischen Spezis werden sich weiterhin in der Warteschlange aufhalten müssen…

 

9. Eine Elfer-Frage ist, wie die Performance von UNO und NATO in näherer Zukunft aussehen wird? Der neue UN-Generalsekretär António Guterres steht vor der monströsen Herausforderung, die Vereinten Nationen aus ihrem Tiefschlaf zu holen, weil die Organisation ansonst in die Bedeutungslosigkeit abstürzen könnte. Zugleich wird NATO-Boss Jens Stoltenberg definieren müssen, wie es mit dem transatlantischen Verteidigungsbündnis weiter gehen soll, wenn sich die Amerikaner künftig nicht mehr in gewohnter Manier engagieren.

 

10. Besteht eine Chance, dem internationalen Terrorismus wirksam zu begegnen? Diesbezüglich sollte man sich keine übertriebenen Hoffnungen machen, weil die IS-Killer und -Selbstmordattentäter selbst dann nicht aufgeben werden, wenn die dschihadistische Terrormiliz – wie in jüngster Zeit – in verschiedenen Weltgegenden militärisch zurückgedrängt bzw. ausgeschaltet werden kann. Der Schock in Folge der blutigen Anschläge in Paris, Brüssel, Nizza und Berlin sitzt vor allem bei den Europäern tief, sodass dem Thema Sicherheit als zentraler Aufgabe für die Politik immer größere Bedeutung zukommt.

 

Fazit: Zehn Fragen – und die Antworten sind durchwegs offen. Bleibt zu hoffen, dass wir heuer gleich mehrere Wunder erleben werden – nur so kann 2017 ein gutes Jahr sein…

 

Zitate: Was ist Hoffnung?

 

Aus der Türkei:
Hoffnung ist halbes Glück“

Aus China:
Die Hoffnung ist wie Zucker im Kaffee: 
Auch wenn sie klein ist, versüßt sie alles“

Aus Wales:
„Jemand, der auf Haar wartet, ist nicht kahl“ 

Aus Russland:
Im Reich der Hoffnung ist es nie Winter“ 

Aus Schweden:
„Wir sollten das Beste hoffen, auf das Schlimmste
gefasst sein und es nehmen, wie es kommt“

Aus Deutschland:
Hoffnung ist die beste Musik für den Kummer“

Aus Japan:
Auch durch ein Nadelöhr kann man den Himmel sehen“

Aus Armenien:
„Wer den Kopf nicht hebt, kann die Sterne nicht sehen“

Aus Indien:
„Tausch niemals Gewissheit für Hoffnung ein“

Aus dem Kongo:
„Hoffen bringt niemanden um“

Aus Australien:
„Wirf nicht die leere Geldbörse fort“

Aus England:
„Nimm dem Menschen die Hoffnung und du machst ihn zum Tier“

Aus Ungarn:
„Hoffnung ist eine Flamme, die ständig flackert, aber nie erlischt“

Aus Afrika:
„Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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