Sonntag, 20. Oktober 2019
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Das Glück wohnt in Österreich

Mit der groß angekündigten Rede von Kommissionspräsident José Manuel Barroso im EU-Parlament geht die diesjährige Sauregurkenzeit der Union zu Ende. Viel war in Brüssel zuletzt wahrlich nicht los: In den vergangenen Tagen ging es beispielsweise um die Stärkung eines europaweiten Datenschutzes, weiters um ein Hilfspaket für Somalia in Höhe von 124 Millionen Euro, sowie eine 52 Millionen umfassende Geldspritze, die sich Palästinas Premier Rami Hamdallah eigenhändig in der belgischen Hauptstadt abholte.

[[image1]]Beim alles beherrschenden G20-Gipfel in Sankt Petersburg waren die EU-Granden, also die Repräsentanten von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien, erwartungsgemäß lediglich Nebendarsteller. Obwohl Barack Obama und Wladimir Putin in der Frage Syrien einander keinen Millimeter näher kamen, fand Barroso für das Gipfeltreffen lobende Worte. Immerhin wurde wieder einmal über mehr Wachstum und Jobs, fairere Steuern, den Kampf gegen Steuerbetrüger und marode Finanzsysteme parliert – allesamt Themen, bei denen Brüssel nicht wirklich etwas weiterbringt.

In medial relativ unspannenden Phasen wie diesen  haben  Statistiken jeglicher Art in den Redaktionen allerbeste Chancen, überdimensionale Beachtung zu erhalten:  Das neueste Standort-Ranking, erstellt vom World Economic Forum, wurde  in den meisten Blättern  opulent gecovert,  selbst wenn es wenig Neuheiten brachte. Auch der so genannte „World Happiness Report“, den  wir dem Earth Institute der New Yorker Columbia University, letztlich aber UNO-Generalsekretär Nam Ki-Moon verdanken,  vermochte  einiges Aufsehen zu erregen –  kein Kunststück, denn  Österreich  ist diesem Zahlenwerk zufolge unter den glücklichsten Ländern die Nummer acht. Am meisten happy sind, was die Selbsteinschätzung von Sozialsystem,  Arbeitsmarkt, Gesundheit und anderer wichtiger Faktoren anlangt, die Dänen vor den Norwegern und Schweizern. Dahinter die Niederländer, die Schweden, die Kanadier, die Finnen – und dann bereits die glücklichen Austrianer, gefolgt von Island und Australien. Was für ein Glück, dass  die Österreicher, die  gerne  als Großmeister in der Disziplin Raunzen  eingestuft werden,  sogar weit  vor den Deutschen rangieren, die es bloß auf Rang 26  bringen – noch hinter den Vereinigten Staaten, Venezuela und Brasilien.

Der Standort stagniert

In der neuesten Standort-Rangliste liegt die laut WKO-Präsident Christoph Leitl angeblich „abgesandelte“ Republik  immerhin  auf Platz 16 – zwar weit hinter den weltweiten Top-Standorten Schweiz und Singapur, diesmal deutlich hinter der Bundesrepublik (Nr. 4) und Finnland, das sich sogar  an der dritten Position  findet, und obendrein nach Schweden, den Niederlanden und Großbritannien. Der rot-weiß-rote Standort hängt allerdings in Sachen Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise Frankreich (Platz 21), China (Rang 29) oder Spanien (an 35. Stelle) souverän ab. Freilich: Österreich stagniert, während sich Deutschland, aber auch die USA, Hongkong und Japan rangmäßig verbessern konnten. Wir können jedenfalls heilfroh sein, dass das Land nicht sogar zurückgefallen ist, wie Schweden, die Niederlande oder Großbritannien, wo sich manche Rahmenbedingungen verschlechtert haben.

Unter dem Strich liefern die beiden erfreulichen Rankings den Nachweis, dass nicht nur Österreich, sondern die meisten Mitgliedsstaaten der vielkritisierten Europäischen Union vergleichsweise exzellent abschneiden und jeweils an Spitzenpositionen zu finden sind. Selbst die Sorgenkinder Spanien und Italien rangieren in der Standort-Rangliste unter 150 untersuchten Ländern noch im ersten Drittel – und ihre Bürgerinnen und Bürger erweisen sich zugleich als weitaus zufriedener als die Bevölkerung anderer Weltgegenden, etwa in Asien oder Lateinamerika. So gesehen können nicht nur Barroso & Co. über diese Befunde durchaus happy sein, sondern auch die häufig gescholtenen Spitzenpolitiker der EU-Mitgliedsstaaten: Europa ist noch lange nicht verloren. Das war die gute Nachricht. Und jetzt die schlechte: Tierisch ernst sollte man solche Zahlenwerke allerdings nicht nehmen, denn der Weisheit letzter Schluss sind sie garantiert nicht …

 

Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de/ © www.pixelio.de

 

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
EU-Infothek-Kolumne „EUrovisionen“ Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist („trend“, „WirtschaftsBlatt“, „Wiener Zeitung“) und Inhaber der auf Medienresonanzanalysen spezialisierten Agentur Public & Media.

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