Dienstag, 26. Mai 2020
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Corona Virus: Warum ist gerade Italien der Hot Spot in Europa?

Bild © CC0 Creative Commons, Pixabay (Ausschnitt)

Die Medien überstürzen sich in der Berichterstattung über den Corona Virus. Bloß eine Frage wird nicht aufgegriffen. Warum ist in Europa gerade Italien davon so schwer betroffen?

Die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen sind noch nicht abzusehen. Zumindest bis zur Oster-Woche gibt es massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Betroffen davon sind nicht nur Schulen und Universitäten sondern vor allem eine Vielzahl von Unternehmen, von der großen AUA bis hin zum kleinen Beisl. Die Auswirkungen wird auch das Budget zu spüren bekommen, weil Stützungsmaßnahmen unausweichlich werden, zumal es bei so manchen Betrieben um echte existentielle Probleme geht. Und auch die EU wird sich noch einiges einfallen lassen müssen. So für Italien, das schon bisher wirtschaftlich mehr als nur kränkelte und nun zu einem Mühlstein für die gesamte Union und für den Euro zu werden droht.

Ein Virus, der den Stiefel Europas befallen hat

Die Regierung in Rom wird sich alsbald aber auch mit der Frage konfrontiert sehen, warum in Europa gerade in Italien der Corona Virus so stark ausbrach. In Expertenkreisen, das betrifft nicht nur das Gesundheitswesen, macht man mittlerweile vor allem mehrere Gründe namhaft, die jeder für sich schlüssig sind. Einige davon werfen allerdings ein schlechtes Licht auf den „Stiefel Europas“. Zeigt sich doch, dass es sich dabei um schwere, schon lange bestehende Mängel und Missstände im gesellschaftlichen und öffentlichen System Italiens handelt.

Italien hat die älteste Bevölkerung in der EU

Grund Nummer 1 hängt mit der Alterspyramide der Bevölkerung zusammen. Und macht die hohe Zahl vor allem von Sterbefällen erklärlich Während im EU Schnitt 19,7 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sind, sind es in Italien 22,6 Prozent. Italien ist im europäischen Schnitt das Land, in dem die Menschen mit der höchsten Lebenserwartung rechnen können. Da der Corona Virus besonders bei den Älteren lebensbedrohliche Folgen mit sich bringt, ist auch die Zahl der Erkrankten und vor allem der Todesopfer in Italien so hoch. Viele der registrierten Todesfälle könnten daher auch auf andere Ursachen zurückzuführen sein und wären auch ohne den Corona-Virus eingetreten.. Was dennoch – wäre die Situation nicht schon ernst genug – böse Kommentare ausgelöst hat, dass nämlich die Corona Krise dem Land hilft, die Pensionslasten abzubauen.

Zu spät wurde auf den ersten Fall reagiert

Grund Nummer 2 liegt darin, dass das Auftreten des Corona Virus in China, von den italienischen Behörden zunächst offensichtlich auf die leichte Schulter genommen wurde. Der erste Fall trat in Oberitalien bereits Mitte Jänner auf. Erst etwa einen Monat später aber wurde Alarm geschlagen und der gesamte Apparat so richtig in Bewegung gesetzt. Zunächst um erkrankte Personen, ja deren Umgebung zu isolieren. Zu spät. Die virale Lawine war bereits losgetreten. Zu wenig beachtet wurde die Möglichkeit der Ansteckung und damit die Verbreitung. Vor allem wäre es bei einem sofortigen rigorosen Einschreiten auch noch möglich gewesen, den so genannten „Patienten 0“, also den Auslöser ausfindig zu machen.

Gesundheitssystem liegt seit langem am Boden

Grund Nummer 3 betrifft das schon seit Jahrzehnten „kranke“ italienische Gesundheits- und Spitalswesen. Viele Krankenhäuser und Erstversorgungsstellen, den so genannten Pronto Soccorso, erinnern oft eher an Zustände wie in einem Entwicklungsland. Davon kann sich jeder, der in Italien verunfallt oder erkrankt, persönlich überzeugen. Vor allem aber gibt es zudem ein Nord-Südgefälle. Im Norden, das reicht von den Alpen bis Florenz und Rimini, ist die Situation weit besser als von Napoli bis hinunter nach Sizilien. Das war auch auslösendes Moment für die Regierung, das ganze Land in einen Ausnahmezustand zu versetzen. Eine Ausbreitung des Virus über Rom hinaus in den Südeb, wäre nämlich für das Personal und die vorhandenen medizinischen Einrichtungen nicht zu bewältigen gewesen, hätte zu einem nationalen Notstand geführt.

Die Made in Italy

Grund Nummer 4 zeugt von einer bedenklichen unternehmerischen, aber letztlich auch staatlichen Moral und macht erklärlich, woran unter anderem das Wirtschafts-System Italiens krankt. Statt von „Made in Italy“ müsste oftmals von „der Made in Italy“ die Rede sein. Dazu macht seit ein paar Tagen ein Schriftstück die Runde, das mehr als nur plausibel klingt und geradezu nach Aufmerksamkeit und Aufklärung ruft. So wird darin darauf verwiesen, dass offenbar nicht zufällig im Umkreis der Modemetropole Mailand der Corona Virus offiziell auftrat. In besonderes Augenmerk trifft in diesem Zusammenhang die 200.000 Einwohner zählende Stadt Prato, am Weg von Mailand nach Florenz gelegen. Ein Viertel der Bevölkerung sind Chinesen. Und sie leben und arbeiten hier schon seit vielen Jahren, so vor allem in Nähereien. Sie sorgen als billige Arbeitskräfte für den Profit von Mode made in Italy.

Chinesische Billigarbeitskräfte im Fokus

Die Fakten nennt die Wirtschaftskammer: Die Italienischen Modefirmen erwarten im Jahr 2020 einen Gesamtumsatz von 42 Milliarden Dollar. Geschneidert wird die Damen- und Herrenbekleidung vor allem in Nähereien und das nicht in Asien (damit erspart man sich Transportkosten) sondern vor Ort. Diese so genannten „Sweatshops“ entsprechen freilich keinen Vorschriften, schließlich soll möglichst billig produziert werden. Arbeitsplatzsicherheit, Hygiene, Brandschutz, geregelte Arbeitszeiten sind Fremdwörter. Das System, das dahinter steckt,  wurde schon 2010 aufgedeckt, aber geduldet. Hier schuften tausende oftmals illegal lebende chinesische Arbeitskräfte für 1000 Euro im Monat. So vor allem um die Familie, die gleich mitgekommen ist, zu erhalten und sich das Geld für eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung zu ersparen, die rund 25.000 Euro kostet.

Eine Causa die nach Aufklärung ruft

Es ist mittlerweile mehr nur als eine Vermutung, dass die illegalen chinesischen Arbeiter das Corona Virus nach Europa gebracht haben. Dafür spricht auch, dass das europäische und chinesische Neujahr viele der chinesischen Arbeitskräfte veranlasst hat, ein paar Urlaubstage in der Heimat zu verbringen – um schließlich den Krankheitserreger nach Italien zu importieren. Dass bislang der Deckel niedergehalten wurde, sehen manche auch als einen Erfolg der chinesischen Mafia, die mittlerweile ihre Tätigkeit bis nach Europa ausgedehnt hat und nicht nur hinter den Schlepperdiensten steckt. Immerhin hat man erreicht, dass die Stadtverwaltung von Prato die Causa bagatellisiert. Sie sieht in der Anhäufung der chinesischen Massenarbeitskräfte den geringsten Anlass für die Ausbreitung des Corona Virus. Dass es darüber hinaus auch noch um Illegalität geht, wird geflissentlich übergangen.

Wenngleich Gesundheit innerhalb der EU in die Kompetenz der Mitgliedsstaaten fällt, so geht es hier zudem um einen Fall, der weit darüber hinaus geht, kriminelle Elemente sichtbar macht und sogar die EU beschäftigen müsste.

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