Samstag, 19. Oktober 2019
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Casinolizenzen: Der Platzhirsch geht leer aus

Über die Entscheidung des Finanzministeriums werden sich die EU-Wettbewerbshüter sicher freuen. Zumal es bisher öfters Klagen über ein mitunter wenig wettbewerbsfreudiges Österreich gab.

[[image1]]Entgegen den bisherigen Vermutungen, dass die noch zu vergebenden drei Lizenzen für Vollcasinos wieder nur an den bisherigen Monopolisten Casinos Austria vergeben werden, kommt nun die Konkurrenz zum Zug. Zwei Lizenzen gehen an die Novomatic, ein Made-in-Austria-Konzern, der ein Big Player am Glückspielweltmarkt ist, bislang aber keine wirkliche Gelegenheit hatte, Spielkompetenz auch am Heimmarkt unter Beweis zu stellen. Die dritte Lizenz erhält ein auslandisches Konsortium, das aus der deutschen Gauselmann-Gruppe und dem Schweizer Stadt-Casino-Baden besteht. Damit wird signalisiert, dass Österreich kein „closed shop“ ist, der sich nach außenhin abzuschotten sucht.

Für die Casinos Austria ist diese Entscheidung eine zumindest herbe Enttäuschung. Das Unternehmen war bis vor einiger Zeit, so unter dem ehemaligen Generaldirektor Leo Wallner, ein Flagschiff österreichischen Spielbanken-Knowhows. Dank einer Beteilung der zur Nationalbank gehörigen Münze Österreich und eines perfekten politischen Netzwerks konnte sich das Unternehmen vom zuständigen Finanzministerium vieles wünschen und auch richten. Nicht zuletzt wurde ein ehemaliger sozialdemokratischer Abgeordneter, Dietmar Hoscher, der zudem stolz war, ein Berater von Bundeskanzler Werner Faymann zu sein, in den Vorstand geholt. Trotz massiven Lobbyings (es ist sogar von zuviel Druck die Rede, der ausgeübt wurde) ging diesmal die Rechnung allerdings nicht auf, wiewohl sogar versucht worden war, die Ausschreibung der Lizenzen auf die lange Erfahrung von Casinos Austria maßzuschneidern.

Wettbewerb statt Monopoldasein

Auf den derzeitigen Generaldirektor Karl Stoss, so nebenbei auch Vorsitzender des Österreichischen Olympischen Komitees, kommt nun die Aufgabe zu, den Konzern bestmöglich auf die ins Haus stehende Konkurrenz vorzubereiten. Vorerst wird es aber wohl noch darum gehen, einige Baustellen im Konzern zu sanieren. Das betrifft den Auslandsbereich, wo man noch vor wenigen Jahren stolz auf rund 80 Betriebe verwies und mittlerweile auf gut die Hälfte zusammengeschrumpft ist. Problemkinder gibt es aber auch unter den insgesamt 12 inländischen Betrieben, von denen eine Reihe in den roten Zahlen arbeiten und damit unter Beweis stellen, dass Glückspiel auch für die Betreiber selbst ein riskantes Spiel sein kann. Wenn man sich auf dem Polster eines Monopoldaseins auszuruhen glaubt. Die eigentliche Herausforderung wird freilich sein, dass künftighin in der Bundeshauptstadt gleich drei Vollcasinos um die spielbereite, vor allem aber auch kapitalkräftige Kundschaft rittern werden. Und die Herausforderungen sind beachtlich, das lässt sich schon jetzt voraussagen. Den Deutsch-Schweizer Betreibern steht mit dem Palais Schwarzenberg eine tolle Adresse im Stadtzentrum zur Verfügung. Novomatic-Eigentümer Johann Graf und sein Generaldirektor Franz Wohlfahrt planen, so ist zu vernehmen, im Prater schließlich einen Spieltempel, der Las-Vegas-Gefühle wecken dürfte.

Wien dürfte damit überhaupt eine Weltstadt mit besonderem Gaming-Flair werden. Schon seit nun gut 20 Jahren gilt die Stadt übrigens auch als eine der begehrtesten Destinationen für Live-Poker. Diese Betriebe existieren aufgrund einer so genannten gewerberechtlichen Genehmigung, die dem Management der Casinos Austria Gruppe schon immer ein Dorn im Auge war. Anstelle sich einem fairen Wettbewerb zu stellen, versuchte man mit vielen Tricks diesen Betrieben das sprichwörtliche Lichtlein auszublasen. Was genauso wenig gelang wie sich eine starke Konkurrenz im Kerngeschäft, also bei den Vollcasinos vom Leibe zu halten. C’est la vie.

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