Mittwoch 26. April 2017, 06:03

Erhard Busek

Vereinigte Staaten von Europa – Traum oder Täuschung?

Dr. Erhard BUSEK
Die Gründungsväter des europäischen Integrationsprozesses hatten sicher die Vorstellung vor sich, dass es vereinigte Staaten von Europa gibt. Wir sind eigenartigerweise in bestimmten Richtungen sehr weit gekommen (gemeinsamer Markt, Schengen, Eurozone etc.). Andererseits aber vor allem mental und politisch weit davon entfernt.

Es ist heute Mode, auf den Nationalstaat zu pochen, wobei verkannt wird, dass der Nationalstaat überhaupt nicht mehr in der Lage ist, die Probleme zu lösen. Das gilt nicht nur für Wirtschaft und Finanzen, sondern so gut wie für alle Bereiche. Vereinigte Staaten von Europa gibt es auf eine interessant Weise eigentlich nur in der Kultur, denn unser Kulturleben ist heute ein gemeinsames, durch die Medienlandschaft verbunden und auch nicht von der Europäischen Union geregelt, funktioniert aber trotzdem.

Die europäischen Einrichtungen zwingen uns aber, Schritt um Schritt einander näher zu kommen. Wer die Diskussion über den Fiskalpakt verfolgt, erkennt, dass die Kritiken zu Beginn des Euros richtig waren, dass die systemischen Voraussetzungen für die gemeinsame Währung unvollständig waren.

Die nächste Debatte sind zweifellos die Eurobonds, wobei die vordergründige Sorge, mehr Zinsen zahlen zu müssen (Deutschland), völlig verdeckt, dass wir heute voneinander abhängen. Wenn andere europäische Staaten quasi bankrott werden, muss Deutschland auf jeden Fall zahlen, denn längst sind die Banken miteinander verbunden. Persönlich bin ich überzeugt, dass das Grundgefühl für die Gemeinsamkeit weitaus stärker entwickelt ist – nicht nur bei Fußballeuropameisterschaften!

Die Politik aber glaubt, durch kleinliche Vorteile oder besondere Situationen noch irgendwelche Erfolge brüllender Art erzeugen zu können. Es ist inzwischen eine Banalität festzustellen, dass es an Visionen fehlt und noch mehr an Persönlichkeiten, die in der Lage sind, sie auch entsprechend in der Öffentlichkeit zu transportieren. Die Not aber macht erfinderisch, lehrt uns ein altes Sprichwort. In eben dieser Not lade ich jeden ein, zu vergleichen, was jeweils in kurzen Zeitabständen von den gleichen Personen unterschiedliches behauptet wurde.

In Wahrheit können wir eine Bewegung in Richtung Vereinigte Staaten von Europa feststellen, die allerdings noch unendlich weit entfernt sind. Entscheidend ist aber, dass wir es aber vor allem mental schaffen, nämlich überhaupt zu wissen, in welcher Gemeinsamkeit wir schon leben.


Der Sprung zum Europäischen Staat!

Karl Koller ( http://www.nova-europa.eu/ ) zeigt in seinem Gastkommentar in der Presse vom 25.08.2012 unter http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1282785/Die-Europaeische... , wie der Weg in die "Europäische Republik" aussehen könnte. Bewältigung der Finanz- und Eurokrise inklusive.
Wenn man sich das durchdenkt, dann hat Busek sicher recht, wenn er meint: "unendlich weit entfernt".

Kommentar hinzufügen

Kommentar hinzufügen