Sonntag, 24. Juni 2018
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Aus dem Ruder gelaufen: EU als Weltmacht für Moral, Freizeit und Soziales

„Am schlimmsten aber ist die gesellschaftliche Herabwürdigung körperlicher Arbeit.“ Bild © CC pixabay MichaelGaida (Ausschnitt)

 

Während Europas Eliten ihrer Wirtschaft immer größere Knüppel vor die Beine werfen, prassen sie mit Steuergeld-Billionen, als gäbe es kein Morgen. Diesel-Verbot, Gentechnik-Verbot, Spritzmittel-Verbot, Atom-Verbot. Warum wir uns zu Tode regulieren.

„Liebe Staatsbürokraten! Wenn der letzte Dieselfahrer gesteinigt, die letzte Autofabrik geschlossen, das letzte Hightech-Unternehmen in Trumps Amerika ausgewandert ist, dann werdet Ihr merken, dass Bio-Kleinbauern, Gender-Beauftragte und Flüchtlingsprojekte Eure üppigen Staatspensionen nicht bezahlen können!“

So oder ähnlich könnte es der Medizinmann eines aussterbenden Stammes, jener der Unternehmer und Leistungsträger, seinen Mitbürgern ins Stammbuch schreiben.

Aus den Fugen

Obwohl die Presse kunstvoll ein Bild des Aufschwungs konstruiert, wird die Liste dramatischer Verwerfungen immer länger. Dabei werden jene Bürger, die (Steuer-) Geld erwirtschaften, kriminalisiert, während jene, die es für Freizeit und Soziales ausgeben, heroisiert.

Der Todesritt einer dekadenten Gesellschaft.

Da lockt das „alte“, sozialdemokratische Europa mit abnormem Steueraufwand (25 Milliarden Euro jährlich nur in Deutschland) Millionen von Immigranten nach Europa. Träumen Eliten von der 20-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, von der Welternährung mit Bio-Lebensmitteln, von Strom aus Wind und Sonne; und dies selbst bei Dunkelflaute im Dezember. Gehen Wähler sieben Jahre zu früh in Pension, verdienen Landwirte mit Subventionen mehr als mit dem Verkauf von Produkten, drucken Staatsbanken Geld wie vor dem „Schwarzen Freitag“ 1929.

Arbeiten verboten

Firmen hingegen erschwert man es hingegen, jene Mittel zu verdienen, mit denen die sozialen Wunschlisten finanziert werden könnten. Wer aber Gentechnik-Forschung verhindert, wird die künftigen Arzneimittel in Asien kaufen müssen. Wer es Supermärkten verbietet abends aufzusperren, wird den Internethandel beschleunigen (den US-Konzerne dominieren). Wer sich in Sachen „digitale Revolution“ auf die Zensur sozialer Medien beschränkt, hat noch immer nicht bemerkt, dass Konzerne wie Microsoft, Google oder Apple aus Prinzip schon nicht in Europa entstehen.

Die jungen „68er“ an den Hebeln der Macht

Guido Westerwelle (FDP) hatte einmal über die Grünen gespottet: „Die eine Hälfte lebt beim Staat, die andere vom Staat!“ Damit zielte er vor allem auf die Absolventen marxistischer Fakultäten (Soziologie, Politologie und Philosophie) und modischer Spaß-Studien ab. Stichwort Öko-Landbau oder Gender Studies. Deren Absolventen dominieren heute die Bürokratien Europas. Quasi unkündbar und finanziell höchst privilegiert.

Ihr Geisteshaltung: Euro-Sozialismus. Entgegen populärer Vorurteile („Europa der Konzerne“) misstraut Europas Bürokratie der Marktwirtschaft aber zutiefst. Und so nimmt man Bürgern und Firmen (via Steuerkeule) die Kontrolle über das eigene Leben, um mit Subventionen Wachstum künstlich dort zu initiieren, wo es von Haus aus nicht stattfinden würde.

Grüne Planwirtschaft

Wussten Sie, dass alleine die Herstellung einer E-Auto-Batterie mehr Energie verschlingt als ein Dieselauto für 200.000 km verbraucht? [1] Wussten Sie, dass es im Betrieb dann genauso viele Schadstoffe ausstößt wie ein „böses“ Dieselauto? [2] Dass alleine die Sylvester-Schießerei mehr Feinstaub produziert als der gesamte Autoverkehr? Dass Feinstaub-Studien bewusst „falsch interpretiert würden, um Arbeitsplätze in der Gesundheits- und Umweltbürokratie zu sichern“, so Dieter Köhler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie a.D. [3].

Wenn Europas grüne Eliten ihre Kampagnen zur moralischen Erhöhung des „hinterwäldlerischen Pöbels“ fahren, dann gibt es neben den grün-erleuchteten „Perfecti“ [4] keine Gegenmeinung mehr. Nur Feinde und „Nazis“. Selbst die „progressive“ „Auto-Bild“ fordert Quoten für Elektroautos, um die „konservativen Dinosaurier“ (damit meint sie jene Autoindustrie, die eine Million Jobs schafft) vor dem Untergang zu retten [5].

Die Verhöhnung der Arbeit

Am schlimmsten aber ist die gesellschaftliche Herabwürdigung körperlicher Arbeit. Warum sollen dringend benötigte Facharbeiter wie Köche, Metallbauer oder Schweißer weniger verdienen als Flüchtlingshelfer, FH-Lehrgangs-Designerinnen oder Beamte? Warum entscheiden Staatsdiener über Subventionen über die Existenz „Werte-produzierender“ Bürger, ohne selber je etwas von Wert produziert zu haben?

Warum konnte die „Gender Mainstream“-Professorin gratis studieren, während der Elektriker sich den Meisterkurs selber zahlen musste? Warum darf Erstere grundsätzliche Erkenntnis der Humanmedizin leugnen, nur um ihre „68er“-Fiktion von der Gleichheit der Geschlechter (bei Sexual- oder Sozialverhalten) zu promoten? Während der Elektriker einen Bruchteil verdient, mit seinen Steuern aber die „Spaß-Studien“-Professorin finanziert?

Warum bekommen die Präsidentinnen bei Diakonie und SOS-Kinderdorf zwischen 194.000 [6] und 160.000 Euro [7] im Jahr, während Geschäftsführer in der Privatwirtschaft (welche die Sozialwirtschaft finanziert) von solch Bezügen nur träumen können?

Die Einkommensverteilung unserer Gesellschaft ist genauso aus den Fugen geraten, wie die Chancenverteilung zwischen den Generationen (Stichwort Schuldenberge, Geld-Schwemme)!

„Was – du arbeitest noch?“

Im Krankenhaus fällt auf: Junge Österreicher haben Freizeitunfälle; Ausländer Arbeitsunfälle. Ein auf permanente Verschuldung basierendes Sozialsystem hat der heutigen Generation kommuniziert, dass Ehrgeiz, Fleiß und Hausverstand „rechts“ und überflüssig wären. Warum Kinder aufziehen, Partnerschaften eingehen, Überstunden machen – wenn man mit 20 Stunden Arbeit täglich Mountainbiken und jede Menge Spaß haben kann?

Monotone Arbeit, mit Gefahr und Leistungsdruck? Sollen das doch Einwanderer machen! Dafür kriegen sie einen guten Deal: Um sich in einem disziplinierten, ordnungsliebenden Land niederlassen zu dürfen, müssen sie eine Generation lang jene körperlichen Arbeiten übernehmen, für die sich die Einheimischen zu schade sind. In zweiter Generation (mit Staatsbürgerschaft) können sie es dann auch langsamer angehen.

Europa ist aus den Fugen geraten.

Vor 100 Jahren hatte der Sozialismus wichtige soziale Errungenschaften erstritten. Er hat aber in den 1960er Jahren marxistische Strömungen hervorgebracht, die in ihren abstrakt-philosophischen Lebensbetrachtungen Entwicklungen auslösen, die Europa im besten Fall auf´s Abstellgleis der Welt schieben.

Im schlechten Fall aber in ein ökonomisches und gesellschaftliches Desaster verwandeln.

 

[1] „Öko-Schwindel E-Auto“, Sendereihe „wirtschaft plus“ mit Thomas Spahn, Deutschlandfunk.

[2] Dies wegen des hohen Kohle- und Gasanteils bei der Stromerzeugung (ca. 50%).

[3] „Der Mann, der in Sachen Feinstaub die falsche Botschaft hat“, Stuttgarter Nachrichten, 25.02.2018.

[4] „Perfecti“; lat. für „die Perfekten“. So nannten sich im 14. Jahrhundert die Priester der französischen Katharer-Sekte. Durch den Verzicht auf „unmoralisches“ Fleisch und Vermögen hielten sie sich für spirituelle Führerfiguren.

[5] „Her mit der Quote“, Auto Bild 43, 27.10.2017, S. 18.

[6] „Jahresbericht Brot für die Welt 2015“, S. 78.

[7] „Jahresbericht SOS-Kinderdorf 2016“, S. 22.

Über HÖRL, MMag. Michael

HÖRL, MMag. Michael
EU-Infothek-Kolumne „nEUrotisch MMag. Michael Hörl, Betriebswirt, Wirtschaftspädagoge und Wirtschaftspublizist in Salzburg. Hörl hat Europas erstes "Globalisierungskritik-kritisches" Buch geschrieben: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". Zuletzt erschienen: „Die Armutsindustrie. Wie mit falschen Zahlen Politik gemacht wird“, Wien: Verlag Frank & Frei der Team Stronach Akademie 2017. www.michaelhoerl.at

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