Zypern: Der nächste Patient auf der Intensivstation
Der nächste Krisenkandidat steht fest: Zypern bereitet sich auf einen Euro-Austritt Athens und auf die Flucht unter den EU-Rettungsschirm vor. Die Banken des Landes drohen, von einem endgültigen Kollaps Griechenlands mitgerissen zu werden.

Bild: GUE/NGL/pixelio.de
Robert Haselsteiner gehört zu den wenigen, die offen aussprechen, worüber andere Vertreter aus der Finanzbranche nur tuscheln: „Griechenland, Portugal und Spanien werden mittelfristig nur außerhalb des Euros saniert werden können“, sagt der Finanzexperte und Gründer der deutschen Interhyp AG. Ganz egal, wer künftig die Regierung in Athen stellen wird, der Austritt des Landes und anderer Sorgenkinder gilt vielen als ausgemachte Sache.
Möglicherweise hat der Finanzexperte Zypern vergessen, denn die geteilte Insel im östlichen Mittelmeer ist schon seit gut einem Jahr von den Finanzmärkten weitgehend abgeschnitten. Auch wenn sich die Regierung in Nikosia derzeit noch zieren mag, so dürfte Zypern, dessen Bonität von der Ratingagentur Moody’s bereits vor mehreren Wochen auf „Ramschniveau“ gesenkt wurde, schon bald unter den neuen europäischen Rettungsschirm ESM flüchten. Peinlich, denn ausgerechnet dieses Land übernimmt zum 1. Juli den Ratsvorsitz innerhalb der Europäischen Union.
Fast hat es den Anschein, als habe Zypern – eines der kleinsten Mitgliedstaaten der EU – gleich alle Fehler der anderen hochverschuldeten Problemländer begangen. Ähnlich wie Griechenland, wird die seit den 1970er Jahren in einen griechisch und einen türkisch bevölkerten Teil gespaltene Insel von einem stark aufgeblähten und weitgehend ineffizienten Beamtenapparat paralysiert. Und ähnlich wie in Griechenland sind die sozialen Wohltaten, die von den Parteien über das Land ausgeschüttet wurden, längst nicht mehr finanzierbar – vor allem die Rentenansprüche.
Kommunistischer Präsident übernimmt EU-Ratspräsidentschaft
Der wilde Bauboom mit seinen spekulativen Auswüchsen führte wie in Spanien zu einer gigantischen Blase, die nun platzte und den Banken erhebliche Probleme bescherte. Dass Zypern mit einem Unternehmenssteuersatz von zehn Prozent zahlreiche Firmen – vor allem aus der Finanzbranche – anlockte, die man nun nicht mit höheren fiskalischen Abgaben verschrecken möchte, erinnert schließlich an die Situation in Irland, bevor dieses EU-Mitglied unter den Rettungsschirm schlüpfte.
Wenn Zypern am 1. Juli die Ratspräsidentschaft übernimmt, wird mit Präsident Dimitris Christofias nicht nur erstmals ein Kommunist an der EU-Spitze stehen (der zypriotische Präsident gehört der eurokommunistischen „Fortschrittspartei des erwerbstätigen Volkes AKEL“ an), sondern auch ein Land, das die letzten Monate nur mit Hilfe russischer Kredite wirtschaftlich überleben konnte. Moskau überwies rund 2,5 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass derzeit potenzielle Kreditgeber bis zu 16 Prozent Zinsen von Zypern verlangen. Doch diese Kapitalspritze in höchster Not ist bereits wieder aufgebraucht. Und ob Moskau bereit ist, die Inselrepublik erneut mit billigem Geld zu unterstützen, darf wegen der engen Bindung Zyperns an Griechenland und der daraus resultierenden Ausfallrisiken bezweifelt werden.
Bisher versuchte die Regierung in Nikosia alles, um keine Mittel aus dem Rettungsschirm in Anspruch nehmen zu müssen. Sie fürchtet die harten Sparauflagen der europäischen Geldgeber. Und in der Tat ist es für einen eurokommunistischen Präsidenten kein erstrebenswertes Ziel, dem „erwerbstätigen Volk“, dessen Wohl zu vertreten er laut dem Namen seiner Partei vorgibt, soziale Wohltaten zu streichen oder gar die Renten zu kürzen. Kommt hinzu, dass auf Zypern die Gewerkschaft noch mächtiger und vor allem weniger zerstritten ist als in Griechenland.
Aber auch die konservative Partei DISY ist von dem Gedanken, Mittel aus dem europäischen Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen, nicht eben begeistert. Vize-Parteichef Averof Neofitou fürchtet, die Euroländer könnten den Druck auf Nikosia erhöhen, die Unternehmenssteuern drastisch anzuheben. Zypern habe keine Industrie, sagt Neofitou. Würde man mit höheren Steuern die Finanzdienstleister vertreiben, könnte die einstmals prosperierende Inselrepublik wieder zu einem armen Agrarland werden wie in den 1950er und 1960er Jahren.
Chaotische Verhältnisse bei einem Euro-Aus für Athen
Andererseits brennt es an allen Ecken und Enden. Sorgen bereiten in erster Linie die zypriotischen Banken. Sie haben Kredite im atemberaubenden Umfang von rund 150 Milliarden Euro vergeben. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes macht gerade einmal rund 19 Milliarden Euro aus. Noch schlimmer: 15 Prozent dieser ausgegebenen Kredite entfallen auf griechische Schuldner. Nicht von ungefähr befürchtet Präsident Christofias, ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro werde auch in Zypern zu „chaotischen Verhältnissen“ führen. Einen Banken-Run verunsicherter Bürger könnten die schwer angeschlagenen zypriotischen Geldinstitute nicht lange aushalten.
Und die Zeit drängt: Die Laiki-Bankengruppe, deren Manager in den zurückliegenden Jahren am großen Rad der globalen Finanzwirtschaft drehen wollten und rund um die Welt Niederlassungen gründeten, muss bis Ende Juni knapp zwei Milliarden Euro auftreiben. Im vergangenen Jahr hatte das Institut Verluste von rund 2,4 Milliarden Euro eingefahren. Ähnlich wie die Regierung in Spanien versuchen die Verantwortlichen in Nikosia, nur für die angeschlagenen Banken, nicht aber für den gesamten Staat Mittel aus dem Rettungsschirm ESM zu erhalten. Tatsächlich wäre es allzu peinlich, müsste Zypern schon im ersten Monat seiner EU-Ratspräsidentschaft Nothilfen von seinen europäischen Partnern in Anspruch nehmen.


















~Anonymous
Zypern
Da hier der gleiche Korruption ist wie in Griechenland wundert das nicht.Es sind nicht umsonst mehr Englaender ohne Titel an Ihre Eigentum.Und nicht glauben es wird besser gegenteil. Arroganz der Zyprioten ist unbeschraenkt.
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