Zwischen Billig- und Premiumfliegern
Europas Airlines fliegen weiterhin in turbulenten Zonen. Gerade noch konnte die Insolvenz der SAS abgewendet werden, da baut die spanische Iberia im großen Umfang Jobs ab. Schuld an der Misere sei die Politik, sagen die Manager. Doch auch Billigflieger wie Ryanair, easyjet und Norwegian sowie die hochsubventionierten Golf-Airlines machen den etablierten Konkurrenten in Europa mächtig Druck.

Bild: GCG Photography/flickr.com
Wenn das Jahr 2012 in wenigen Tagen zu Ende geht, dürften bei vielen europäischen Fluggesellschaften rote Zahlen in den Geschäftsbüchern stehen. Der Branchenverband IATA rechnet für 2012 mit Verlusten von insgesamt rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Und die Reihe der Hiobsbotschaften reißt nicht ab. Die spanische Iberia, die, ebenso wie British Airways, zur International Airlines Group (IAG) gehört, kündigte gerade die Streichung von 4.500 Jobs an, das entspricht fast einem Viertel der Gesamtbelegschaft. Für das Unternehmen besteht denn auch dringender Handlungsbedarf. Im dritten Quartal war der Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 270 Millionen Euro gesunken.
Im Norden Europas sieht es sogar noch düsterer aus
Die skandinavische Fluggesellschaft SAS konnte nur in letzter Minute vor der drohenden Insolvenz gerettet werden. Die Pleite war schon so nahe, dass die Manager mit den letzten Geldreserven die Maschinen volltanken ließen, um sie im Insolvenzfall noch nach Hause fliegen zu können. Nach der Einigung mit den Gewerkschaften auf Lohnkürzungen fliegen die SAS-Maschinen zwar weiter, doch bleibt der Carrier schwer angeschlagen und weist einen nicht zu unterschätzenden strukturellen Nachteil auf: In der nach dem Zweiten Weltkrieg aus den bis dahin unabhängigen Fluggesellschaften von Dänemark, Schweden und Norwegen gegründeten SAS mischen drei Regierungen unterschiedlicher Couleur und acht Gewerkschaften mit. Die Flotte gilt als veraltet und viel zu heterogen. Die SAS habe so manches fliegende Museumsstück in ihrer Flotte, lästerte vor einiger Zeit ein britischer Fachjournalist.
In Deutschland wiederum scheint Air Berlin in einer Dauerkrise zu stecken, während der Marktführer Lufthansa im jetzt zu Ende gehenden Jahr wieder von Streiks gebeutelt wurde. Aber immerhin trauen Analysten der Kranich-Linie zu, ihren Sparkurs konsequent umzusetzen und vielleicht mit neuen Konzepten der Billigkonkurrenz endlich Paroli bieten zu können. Der Kurs der Lufthansa-Aktie entwickelte sich in jüngster Vergangenheit recht erfreulich. So legte das Papier in drei Monaten um fast 30,74 Prozent zu. Dahinter steckt nicht zuletzt die Erwartung, dass die Lufthansa in den nächsten Jahren als einer der Gewinner aus dem weltweiten Konsolidierungsprozess in der Luftfahrtbranche hervorgehen könnte. Auch die Aktionäre von Easyjet, der nach Ryanair zweitgrößten Billigfluglinie, erlebten im November einen Höhenflug. Im Geschäftsjahr 2011/12 konnte der britische Carrier der Krise trotzen und einen um 28 Prozent höheren Vorsteuergewinn einfliegen.
Dennoch sollten Anleger mit schwachen Nerven weiterhin Airline-Aktien meiden, denn diese reagieren extrem zyklisch. Konjunkturschwächen betreffen die klassischen Fluggesellschaften (weniger die Billigflieger) unmittelbar. Außerdem verdienen diese Unternehmen und deren Allianzen ihr Geld weltweit. Das heißt, ganz gleich, ob die Konjunktur in Europa einbricht oder sich das Wachstumstempo in China verlangsamt – die Airlines bekommen jeden wirtschaftlichen Gegenwind sofort zu spüren und können sich nicht von regionalen Krisen abkoppeln.
Im Europa-Geschäft produzieren die meisten Airlines nur Verluste
Für die Probleme der europäischen Airlines sei die Politik mitverantwortlich, kritisieren die Gesellschaften. „Die Politik missbraucht uns als Goldesel. Im Europa-Geschäft produzieren die meisten Airlines nur Verluste“, klagte unlängst Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz. Vor allem durch die Luftverkehrssteuer und den Emissionshandel fühlen sich die europäischen Carrier benachteiligt.
Darüber hinaus machen den europäischen Airlines die Konkurrenten aus den Golfstaaten mächtig Konkurrenz. Fluglinien wie Emirates, Etihad und Quatar erhalten von ihren Ländern erhebliche Subventionen und profitieren zudem von niedrigeren Steuern, günstigem Treibstoff und geringeren Personalkosten. Die klassischen europäischen Fluggesellschaften drohen, zwischen den Billigkonkurrenten und den Premium-Wettbewerbern aus den Golfstaaten aufgerieben zu werden.
Wohin geht die Reise? Branchenexperten erwarten für die nächsten Jahre einen tiefgreifenden Wandel in der europäischen Luftfahrtbranche. Am Ende des Konsolidierungsprozesses könnte noch mehr Internationalisierung stehen, sprich: keine europäischen, sondern mehr und mehr internationale Airlines. British Airways stieg bereits bei American Airlines ein. Beide Gesellschaften sind Mitglieder der Allianz One World, zu der auch Air Berlin gehört. Das Airline-Netzwerk Star Alliance wiederum wurde unlängst um die chinesische Gesellschaft Shenzhen erweitert. Davon soll auch die Lufthansa-Tochter AUA profitieren.
Die Billigflieger setzen unterdessen auf eine ganz neue Zielgruppe: Im vergangenen Jahr habe ihre Gesellschaft Rahmenvereinbarungen für Dienstreisen mit dem britischen Parlament, dem britischen Verteidigungsministerium sowie mit Banken und Versicherungen abschließen können, berichtete jüngst Easyjet-Chefin Carolyn McCall.


















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