Dienstag 21. Mai 2013, 13:47

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Wird guter Rat bald teuer?

Die provisionsgetriebene Finanzberatung steht europaweit in der Kritik. In Großbritannien und den Niederlanden wurde sie teilweise bereits abgeschafft. Eine europaweite Initiative im Rahmen der MiFID soll folgen. Doch was taugen die Alternativen? Und vor allem: Braucht es überhaupt eine Alternative? Nicht unbedingt, denn der durchschnittliche Bankkunde kommt mit einfachen und transparenten Produkten gut zurecht.

Wird guter Rat bald teuer?
Wird guter Rat bald teuer?
Bild: European Commission
Was kostet eine Finanzberatung? Wenn es schlecht läuft, das ganze Vermögen. Eigentlich läge es also auf der Hand, sich ausschließlich erfahrenen und absolut unabhängigen Beratern anzuvertrauen, die nur ihren Klienten verpflichtet sind und nicht von Provisionsgier getrieben werden. Doch kurioserweise investieren die meisten Verbraucher in Europa mehr Zeit in den Kauf ihres neuen Autos als in ihre Kapitalanlage und Altersversorgung. Obwohl die Kreditinstitute derzeit nicht in allerbestem Ansehen stehen, vertrauen viele Kunden doch nach wie vor den Empfehlungen ihres Bankberaters. Zumal diese Beratung scheinbar nichts kostet. Tatsächlich aber wird die Leistung nur nicht direkt dem Kunden berechnet, sondern in die Abschlusskosten oder die laufenden Gebühren einkalkuliert.

Und da Bankberater auch nur Menschen sind, können viele von ihnen der Versuchung nicht widerstehen, vorrangig Finanz- und Versicherungsprodukte zu vermitteln, die besonders hohe Provisionen versprechen. Dazu werden sie meist durch mehr oder minder sanften Druck ihrer  Vorgesetzten motiviert. „Provisionsbasierte Beratung kann Fehlanreize setzen“, formulierte das deutsche Bundesfinanzministerium vor kurzem eher behutsam. Verbraucherschützer sprechen Klartext: Die provisionsgetriebene Beratung kostet die Kunden Jahr für Jahr Milliarden. Die Finanzindustrie lanciere gezielt komplizierte Produkte, um künstlichen Beratungsbedarf zu erzeugen, monieren Kritiker.

Die Niederlande als Vorreiter

Doch damit könnte es innerhalb der EU bald vorbei sein. Wie berichtet, plant Brüssel eine Finanzmarktrichtlinie, wonach Provisionszahlungen für Finanzprodukte künftig an den Kunden weitergegeben werden sollen. Das wäre das Ende der Provisionsberatung in ihrer jetzigen Form. Einige Länder gehen mit gutem Beispiel voran – zum Beispiel die Niederlande. Regierung und Finanzmarktaufsicht haben dort zum 1. Januar für bestimmte Produkte ein generelles Verbot von indirekten Provisionszahlungen eingeführt. Dies betrifft derzeit in erster Linie Hypothekendarlehen und langfristige Lebensversicherungen. Bald soll das Verbot von Provisionszahlungen auch auf die Bereiche Geldanlage und Wertpapiere ausgeweitet werden, soweit dies nicht europaweit im Rahmen der Finanzmarktrichtlinie MiFID (= Markets in Financial Instruments Directive) erfolgt.

Das bedeutet konkret: Künftig müssen die Bankkunden in den Niederlanden direkt für ihre Beratung zahlen. Wer in den Niederlanden zum Beispiel Baugeld aufnimmt, muss also nicht mehr eine über den Zins einkalkulierte Vertriebsprovision berappen, vielmehr erhält er eine Rechnung. Ein interessantes Experiment – mehr ist es im Augenblick noch nicht. Aber es könnte mittel- bis langfristig eine Alternative zur Provisionsberatung und Honorarberatung aufzeigen.

Trotz der offenkundigen Schwächen der bisherigen provisionsgetriebenen Praxis führt die Honorarberatung gerade in den deutschsprachigen Ländern nach wie vor ein Schattendasein. Und dafür gibt es gute Gründe. Zum einen kommt die Honorarberatung in der Regel erst ab einem überdurchschnittlichen, mindestens sechsstelligen freien Anlagevolumen in Betracht. Die weitaus meisten Bankkunden in Österreich und Deutschland bewegen sich allerdings im fünfstelligen Bereich. Viele dieser Verbraucher sehen nicht ein, dass sie aus eigener Tasche ein Honorar für ihre Anlageberatung zahlen sollen. Ihnen erscheinen die jährlichen Kosten für den Steuerberater hoch genug. Die Kommunikation der Honorarberater zielt daher derzeit noch auf die wohlhabende Klientel.

Hinzu kommt: Allein das Vergütungsmodell bürgt noch nicht für Qualität. Es gibt gute und schlechte Anwälte, gute und schlechte Steuerberater, gute und schlechte Ärzte. Und natürlich gibt es gute und schlechte Honorarberater. Einmal ganz abgesehen von möglichen „schwarzen Schafen“, die sowohl Honorar als auch Provisionen kassieren.

Bußgelder für „schwarze Schafe“

Kurz vor Weihnachten beschloss die deutsche Bundesregierung den Entwurf des neuen Honoraranlageberatungsgesetzes. Danach sollen die geschützten Bezeichnungen „Honorar-Anlageberater“ im Wertpapierhandelsgesetz und „Honorar-Finanzberater“ in der Gewerbeordnung eingeführt werden. Diesen Beratern ist es verboten, Provisionen von Produktanbietern oder Dritten anzunehmen, deren Produkte sie vermitteln. Wer dagegen verstößt, riskiert hohe Bußgelder. In Großbritannien hat der Gesetzgeber schon im vergangenen Jahr Verkaufsprovisionen für Finanzprodukte verboten. Dort zahlen die Kunden jetzt ein Beratungshonorar. Die britischen Geldinstitute und Versicherer haben sich selbst aktiv bei diesen Reformen engagiert.

Unabhängig davon, welches Modell sich am Ende durchsetzen wird, bleibt die Frage, wieviel Beratung der durchschnittliche Bankkunde eigentlich braucht. Die Antwort von unabhängigen Finanzexperten fällt eindeutig aus: so gut wie keine. Die Konditionen für Tagesgeld- und Festgeldkonten lassen sich längst einfach im Internet recherchieren. Die europaweite Einlagensicherung erleichtert dabei Vergleiche. Aktienanleger, die in transparente und günstige börsennotierte Fonds (Exchange Traded Funds oder ETFs) investieren, bedürfen ebenfalls nicht unbedingt einer Beratung. Ohnehin gilt die Empfehlung: Finger weg von Finanzprodukten, die man mit dem gesunden Menschenverstand nicht versteht.


 




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