Samstag 25. Mai 2013, 06:14

Bildung & Kultur

Weniger Schulabbrecher und mehr Hochschulabsolventen in Europa

Wenn die Mitgliedstaaten die Europa-2020-Bildungsziele – Senkung der Schulabbrecherquote auf unter 10 % und Erhöhung des Anteils junger Menschen mit Hochschulabschluss bzw. vergleichbarem Abschluss auf mindestens 40 % – erreichen wollen, dann müssen sie sich stärker anstrengen.

Weniger Schulabbrecher und mehr Hochschulabsolventen in Europa
Weniger Schulabbrecher und mehr Hochschulabsolventen in Europa
Bild: EC
Das geht aus den Daten von Eurostat für 2011 hervor, die zeigen, dass die Mitgliedstaaten zwar Fortschritte erzielen, jedoch nach wie vor große Unterschiede bestehen und es durchaus fraglich ist, ob die EU ihre Ziele für 2020 erreichen wird. Der Anteil der Schulabbrecher ist zwar gesunken,  der der Hochschulabsolventen leicht gestiegen, aber weitere Anstrengungen sind notwendig.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend: „Die Mitgliedstaaten müssen den Schwerpunkt auf Reformen legen und mit umfassenden Strategien ihre Bemühungen zur Senkung der Schulabbrecherquote verstärken. Sie müssen den Zugang zur Hochschulbildung fördern und ihre Qualität verbessern. Indem wir die jungen Menschen in die Lage versetzen, die richtigen Kompetenzen und Qualifikationen zu erlangen, helfen wir Europa dabei, gegen die Jugendarbeitslosigkeit anzugehen, die Krise zu bewältigen und die Möglichkeiten einer wissensbasierten Wirtschaft auszuschöpfen. Entschlossene Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung sind eine Grundvoraussetzung für einen langfristigen Erfolg: ohne den Einsatz angemessener Finanzmittel wird Europa den allgemeinen Kampf um mehr Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit nicht gewinnen.“

Eine Nebenerscheinung der hohen Jugendarbeitslosigkeit

Auch wenn die jüngsten Zahlen Fortschritte bei diesen beiden Zielen belegen, so befürchtet die Kommission doch, dass sie nicht das Ergebnis von Reformen mit langfristigen Auswirkungen, sondern vielmehr eine Nebenerscheinung der hohen Jugendarbeitslosigkeit sind, infolge der mehr junge Menschen länger im Bildungssystem verbleiben. Besorgniserregend ist auch, dass die nationalen Zielvorgaben der Mitgliedstaaten nicht ausreichen, damit die EU ihr gemeinsames globales Ziel erreichen kann.

11 Mitgliedstaaten haben die 10 %-Schulabbrecher-Zielmarke überboten, wobei als Schulabbrecher Personen zwischen 18 und 24 Jahren gelten, die lediglich über einen Abschluss der Sekundarstufe I verfügen und keine weiterführende Schul- oder Berufsausbildung durchlaufen. Die höchsten Schulabbrecherquoten verzeichnen Malta (33,5 %), Spanien (26,5 %) und Portugal (23,2 %); gleichwohl haben diese Länder in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Weitere Mitgliedstaaten, die den Anteil der Schulabbrecher senken konnten, sind Zypern (11,2 %), Lettland (11,8 %) und Bulgarien (12,8 %).

In 13 Mitgliedstaaten liegt der Anteil junger Menschen mit Hochschulabschluss über den anvisierten 40 %. Einige der Mitgliedstaaten mit niedrigeren Quoten – Slowenien (37,9 %), Lettland (35,7 %), Ungarn (28,1 %), Portugal (26,1 %), Tschechische Republik (23,8 %) und Rumänien (20,4 %) – verzeichneten jedes Jahr eine Erhöhung von über zwei Prozentpunkten. Dagegen erzielten Griechenland (28,9 %), Österreich (23,8 %) und Italien (20,3 %) eine Steigerung von lediglich einem halben Prozentpunkt oder weniger, während in Bulgarien und Malta die Quoten sanken (27,3 % bzw. 21,1 %). Polen (36,9 %), Deutschland (30,7 %) und die Slowakei (23,4 %) verzeichneten im selben Zeitraum einen moderaten Anstieg.

Länderspezifische Empfehlungen

Am 30. Mai 2012 unterbreitete die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten eine Reihe länderspezifischer Empfehlungen, die die Reformen zur Erhöhung der Stabilität, des Wachstums und der Beschäftigung in der EU betreffen. Für sechs Länder (Dänemark, Italien, Lettland, Malta, Spanien und Ungarn) wurden Empfehlungen in Zusammenhang mit dem Problem des vorzeitigen Schulabbruchs formuliert, während an sieben Länder (Bulgarien, Italien, Lettland, Österreich, die Slowakei, die Tschechische Republik und Ungarn) Empfehlungen für die Hochschulbildung gerichtet wurden.

Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und nächste Schritte

Im Rahmen des strategischen Rahmens auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung („ET 2020“) der EU ermutigt die Kommission die Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten, um die Schulabbrecherquote zu verringern und die Hochschulbildung zu modernisieren, indem bewährte Verfahren auf europäischer Ebene aufgezeigt und ausgetauscht werden. Im Dezember 2011 setzte die Kommission eine Arbeitsgruppe ein, der Experten aus der ganzen EU angehören und die die Politik zur Verhinderung von vorzeitigem Schulabbruch unterstützen soll.

Die Kommission wird über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Schulabbrecherquote und Hochschulbildung in der nächsten Ausgabe des „Education Monitor“ (Herbst 2012) und im nächsten Jahreswachstumsbericht (2013) berichten.


 




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