Dienstag 18. Juni 2013, 05:39

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Weniger „Blüten“-Zauber in Europa

Der Euro soll noch sicherer werden – jedenfalls fälschungssicherer. Dieser Tage stellte EZB-Chef Mario Draghi die neue 5-Euro-Banknote vor. Doch Falschgeld gab es schon immer, und so wird wohl auch Europa ein „Blüten-Meer“ bleiben. Manche sehen in genialen Fälschungen eine künstlerische Herausforderung. Und sogar Staaten ließen in der Vergangenheit gezielt Banknoten nachahmen.

Neue 5-Euro-Banknote
Neue 5-Euro-Banknote
Bild: www.ecb.europa.eu
Es war eine unangenehme Überraschung – ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit. Eine Salzburger Kleinunternehmerin, die auf dem Adventsmarkt einen Stand betrieb, wollte ihre Tageseinnahmen auf ihr Konto einzahlen. Beim Zählen des Geldes fiel den Mitarbeitern des Kreditinstituts eine gefälschte 100-Euro-Note auf. Die Bank zog die „Blüte“ ein, die Unternehmerin blieb auf ihrem Schaden sitzen, denn für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

Genau 6327 „Blüten“ wurden im vergangenen Jahr in Österreich sichergestellt. Damit stieg die Zahl der Euro-Fälschungen nach Angaben der Österreichischen Nationalbank leicht an. Demnach nahm vor allem die Zahl der gefälschten 20- und 50-Euro-Scheine zu. Banknoten mit höherem Wert werden relativ selten gefälscht. Der Grund ist einfach: Wer einen 200- oder 500-Euro-Schein entgegennimmt, prüft die Banknote in der Regel sehr genau.

Auch in Deutschland stieg die Zahl der „Euro-Blüten“ im Jahr 2012 wieder an. Nach Angaben der Bundesbank wurden rund 41.500 gefälschte Banknoten aus dem Verkehr gezogen. Das bedeutet immerhin eine Zunahme von etwa 6,4 Prozent gegenüber 2011. Da die Kriminellen aber zunehmend auf kleine Scheine im Wert von 20 Euro setzen, blieb der Gesamtschaden in der Bundesrepublik mit 2,2 Millionen Euro 2012 auf dem Vorjahresniveau. Europaweit wurden im vergangenen Jahr jedoch weniger „Euro-Blüten“ entdeckt: rund  531.000 gegenüber 606.000 im Jahr zuvor.

Dennoch: Was immer man am Euro kritisieren mag, er ist schon heute vergleichsweise sicher und stellt sogar geniale Fälscher vor eine echte Herausforderung. Jedenfalls lassen sich US-Dollar-Noten einfacher nachmachen. Und künftig wird es sogar noch schwieriger sein, Euro-Fakes in sehr guter Qualität herzustellen. EZB-Chef Mario Draghi präsentierte gleich zu Jahresbeginn den neuen Fünf-Euro-Schein. Er bildet gleichsam den Auftakt für neue, noch fälschungssichere Euro-Banknoten.

Falschgeld hat eine lange Tradition

Noch Anfang 2010 hatte die EZB Alarm geschlagen: Die Zahl der gefälschten Euro-Banknoten war damals so hoch wie nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Doch ganz gleich, ob Euro, US-Dollar, Schweizer Franken oder britische Pfund – keine begehrte Währung ist vor Fälschungen absolut geschützt. Seit es Geld gibt, wird es nachgemacht. Dabei dürfte es auch künftig bleiben.

Früher waren es vor allem Falschmünzer, die ihrem kriminellen Handwerk nachgingen. Und die Banker von dazumal hatten eine ganz praktische Methode ausgetüftelt, um gefälschte Münzen zu erkennen: Sie ließen sie einfach auf eine Marmorplatte fallen. Münzen aus Silber oder Silberlegierungen erzeugen beim Aufprall einen hellen Klang. Vernahm man hingegen einen dumpfen Ton, handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung. Aus der Zeit dieser unkonventionellen Prüfung stammt im Übrigen noch die Redewendung „Mit klingender Münze zahlen“.

Was aber treibt die Fälscher an? Kriminelle Energie, Geldgier? In den weitaus meisten Fällen mögen dies die entscheidenden Motivationsfaktoren sein. Doch mitunter spielt auch die künstlerische Ambition eine Rolle, vielleicht sogar die Hauptrolle. Und deshalb werden die genialsten Geldfälscher – unabhängig von ihren kriminellen Taten – nach einem gewissen zeitlichen Abstand deutlich milder beurteilt. Die Verachtung angesichts des oft millionenschweren Betrugs weicht dann zunehmend der Anerkennung ihrer künstlerischen Leistung. Vor gut drei Jahren widmete sogar der Banknoten-Hersteller Giesecke & Devrient den besten Geldfälschern der Welt eine Ausstellung in München. Gezeigt wurden die besten „Blüten“ der vergangenen 200 Jahre. Das älteste Exponat war eine österreichische Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1805. Der Fälscher wollte sich mit dieser sehr simplen „Blüte“ 24 Kreuzer ergaunern. Das entsprach damals etwa dem Tageslohn eines Maurers.

„Blüten-Rembrandt“ und „Warhol der Fälscher“

Doch neben diesen plumpen Fälschungen gibt es in der Tat zahlreiche beinahe perfekte Kopien – eine regelrechte „Blütenpracht“. Zu ihren Schöpfern zählte zum Beispiel der gelernte Chemigraf und Tiefdruck-Ätzer Günter H., der zunächst Kfz-Plaketten fälschte. Im Gefängnis begann er dann, 100-DM-Scheine mit Aquarellfarben und Buntstiften abzumalen. Was zunächst nur dazu diente, die Langeweile hinter Gittern zu vertreiben, wurde später, als Günter H. wieder in Freiheit war, zur kriminellen Geschäftsidee. Mit dem ersten selbstgemalten Tausender zahlte er angeblich seine Zeche in einem Bierkeller in der Münchner Kaufingerstraße. Bis 1975 brachte Günter H. rund 80 gefälschte 1000-DM-Scheine in Umlauf. Man nannte ihn den „Blüten-Rembrandt“ und konzedierte ihm, nie aus krimineller Energie gehandelt zu haben, sondern aus dem Antrieb, das künstlerisch Perfekte zu erreichen.

Einen legendären Ruf genießt auch der Kölner Künstler Hans-Jürgen K., der im großen Umfang US-Dollar-Noten in Top-Qualität herstellte und deshalb für sechs Jahre ins Gefängnis musste. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel adelte ihn mit dem Titel „Der Warhol der Geldfälscher“. Hans-Jürgen K. und seine Komplizen hatten sich eine moderne Offsetmaschine für 11.600 Euro zugelegt und im ehemaligen Jugoslawien Papier besorgt, dessen Qualität in etwa jener des Greenbacks entsprach.

Der Einsatz von Falschgeld kann schließlich auch ein Instrument der wirtschaftlichen Kriegsführung sein. Die Briten fälschten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg „Continental Dollars“, um die Inflation anzuheizen. Die Nazis ließen unter dem Decknamen „Operation Bernhard“ im Zweiten Weltkrieg britische Pfund nachzudrucken. Und bis heute steht nicht fest, wer in den 1990er Jahren die sogenannten Supernotes in Umlauf brachte – perfekt hergestellte Kopien von 100-Dollar-Noten auf Originalpapier. Die Amerikaner machten Nord-Korea für diese Fälschungen verantwortlich. Zuviel der Ehre, entgegneten damals viele Experten. Dazu wären die Nord-Koreaner technisch gar nicht in der Lage. So kam der Verdacht auf, die CIA habe das Geld für verdeckte Operationen im Ausland gebraucht.

Schnell aufgeflogen ist hingegen die eher humorvolle Fälschung eines Tschechen, der einen 1000-Euro-Schein (den es offiziell nicht gibt) mit erotischen Posen schmückte und als 1000 „Eros“ in Umlauf brachte. Die Behörden konnten darüber freilich gar nicht lachen. Sie ließen den Tschechen festnehmen.
 


 




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