Freitag 18. Mai 2012, 20:42

Reportagen


Wenig Chancen auf Geldregen für österreichische Unternehmen

Während sich Polen, Rumänien, Bulgarien oder die baltischen Staaten über reichlich EU-Fördermittel freuen können, gehen die „reichen“ Länder wie Österreich und Deutschland sehr oft leer aus. Der Hauptgrund dafür: der Löwenanteil der Fördermittel wird über die beiden Strukturfonds und den neugeschaffenen Kohäsionsfonds ausgeschüttet.

Bau, Energie, Umweltcluster NÖ - Für Österreich als EU-Nettozahler steht nur wenig Fördergeld zur Verfügung
Bau, Energie, Umweltcluster NÖ - Für Österreich als EU-Nettozahler steht nur wenig Fördergeld zur Verfügung
Bild: SOL4
Insgesamt stehen dafür in der seit 2007 bis 2013 laufenden Haushaltsperiode 348 Mrd. Euro zur Verfügung, von denen 278 Mrd. auf die Strukturfonds und 70 Mrd. auf den Kohäsionsfonds entfallen. Die Gelder werden nicht direkt von Brüssel überwiesen, sondern laufen über die jeweiligen Mitgliedsstaaten, die sämtliche Förderprojekte auch kofinanzieren müssen.

Ziel der Fonds ist, die infrastrukturellen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in allen EU-Ländern auf möglichst gleiches Niveau anzuheben. So kommen beispielsweise alle jene Länder in den Genuss des Kohäsionsfonds, deren BIP pro Kopf geringer als 90% des Gemeinschaftsdurchschnitts ist.

Nur wenig Geld fließt nach Österreich

Während sich bis 2013 die Spitzen-Empfängerländer Polen (67,3 Mrd.), Spanien (35,2 Mrd.), Italien (28,8 Mrd.), Tschechien (26,7 Mrd.) und Ungarn (25,3 Mrd.) über einen reichen Geldsegen aus den drei großen Fördertöpfen der EU freuen können, ist die Ausbeute für Österreich mit 1,5 Mrd. Euro vergleichsweise gering. Begründet wird dies damit, daß hierzulande kaum Aufholbedarf haben. Vielmehr gibt Österreich im Verbund mit Deutschland, Frankreich, Benelux u.a. den Takt vor.

Die besten Chancen auf Förderungen haben grenzüberschreitende Regionalentwicklungsprojekte, die einen Wirtschaftsraum wie etwa Oberösterreich/Südböhmen oder Burgenland/Westungarn im Fokus haben. Auch grenzübergreifende Infrastrukturmaßnahmen wie der Brenner-Basistunnel werden gefördert.

Kaum Chancen auf EU-Geld für Einzelunternehmen.

Schlecht stehen die Chancen auf EU-Gelder für Einzelunternehmen. Laut Angaben der Wirtschaftskammer kommen heimische Betriebe am ehesten über den Umweg einer EU-Ausschreibung in den Genuss des Brüssler Geldsegens. Dazu zwei Beispiele: ein Bauunternehmen gewinnt die Ausschreibung für die Errichtung einer regionsverbindenden Straße in Ungarn, die ohne diese Mittel gar nicht finanziert werden könnte. Oder ein österreichisches Abfallunternehmen kann beim EU-geförderten Aufbau einer Entsorgungs-Infrastuktur in Osteuropa punkten.

Da bei solchen Projekten der Gleichbehandlungsgrundsatz gilt, haben es österreichische Unternehmen nicht gerade leicht, sich gegen internationale Mitbewerber durchzusetzen.

In Österreich selbst fließen die meisten EU-Gelder in institutionelle Entwicklungsprogramme, etwa in universitäre Forschung oder in Mikroregionsprojekte. Auch Infrastrukturmaßnahmen aus dem öffentlichen Bereich werden von Brüssel mitfinanziert.

Förderguide informiert über EU-Ausschreibungen

Dennoch rät die Wirtschaftskammer jenen Unternehmen, die an der Mitarbeit an grenzüberschreitenden Projekten interessiert sind, zur genauen Beobachtung des Marktes. Dafür betreibt die Wirtschaftskammer Österreich einen eigenen EU-Förderguide, in dem alle EU-Ausschreibungen gelistet sind.


 




Kommentar hinzufügen