Sonntag 19. Mai 2013, 03:38

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Wahlsonntag in Deutschland und Frankreich - Die Konsequenzen für Europa

Eine Zeit lang schien es wieder einmal, dass die Achse Berlin-Paris ausschlaggebend dafür ist, was in der EU passiert, mehr noch voran geht. Bis dann einige Ereignisse geschahen, die durchaus wieder Zweifel an diesem Eindruck hoch kommen ließen.

Treffen Merkel & Sarkozy
Treffen Merkel & Sarkozy
Bild: Sebastian Zwez
Eine Zeit lang schien es wieder einmal, dass die Achse Berlin-Paris ausschlaggebend dafür ist, was in der EU passiert, mehr noch voran geht. Bis dann einige Ereignisse geschahen, die durchaus wieder Zweifel an diesem Eindruck hoch kommen ließen. Das betraf fast zeitgleich die Revolution in Libyen und die Atomkatastrophe in Japan.

Während sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stark für eine Unterstützung des Aufstandes gegen Gaddafi machte, zeigte sich Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel mehr als zurückhaltend. Der durch den Tsunami verursachte GAU beim Atomkraftwerk Fukushima wiederum veranlasste die deutsche Regierungschefin zu einem Zurückfahren ihrer Atompolitik, während ihr Amtskollege in Paris (vorerst noch) an kein Umdenken bei der Energiepolitik denkt. In beiden Fällen war bei diesen Entscheidungen der Blick auf den Wahlsonntag entscheidend.

In Deutschland hatten die Grünen vor allem durch die weltweite Aufregung, die der Atomunfall in Japan verursachte, zusätzlichen Aufwind erhalten. Merkel glaubte daher, den Grünen Wind aus den Segeln nehmen zu können, indem sie zumindest einen Kurswechsel in Aussicht stellt. In Frankreich, das aufgrund seiner Kolonialzeit eine besondere, auch emotionale Beziehung zu Nordafrika hat, wiederum dachte Sarkozy, er könne mit einem energischen Handeln in der Libyen-Krise seinen Landsleuten imponieren.

Mitnichten.

Rot-Grün regiert – über Schwarz-Grün wird philosophiert

In Deutschland verlor die CDU mit Baden-Württemberg ein traditionelles starkes Bundesland. Frei nach dem Motto, dass man – in einer so sensiblen Frage wie jener der atomaren Sicherheit - nicht zum Schmiedl sondern gleich zum Schmied geht. Wie überhaupt die Grünen zu einem Big Player in der deutschen Politik aufstiegen. Allerdings indem sie vor allem der SPD zusetzten. Im Stuttgarter Landtag müssen sich die Roten nun mit dem dritten Platz begnügen (zum Trost unter einem wahrscheinlich grünen Ministerpräsidenten). In Rheinland-Pfalz haben sie der SPD die absolute Mehrheit weggenommen (zum Trost spielen sie für die SPD den Steigbügelhalter und erhalten ihr daher den Ministerpräsidenten). Dass die CDU in Stuttgart weiter stärkste Partei bleibt, in Mainz endlich wieder ein wenig zulegen konnte, ist angesichts der Wählerbewegungen, die hin zu den Grünen und weg von den Gelben (der FDP) einsetzten, ein geringer Trost. Und zwar deshalb, weil Rot-Grün fast schon wie ein monolithischer Block agiert, während Schwarz-Gelb deutlich schwächelt. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass man in der CDU nicht nur ob dieser Entwicklung geschockt ist, sondern auch weiter denkt. So beschäftigt man sich an der Universität Bonn mittlerweile – wenn auch zunächst nur in der Theorie – sehr ernsthaft mit dem Thema „Schwarz-Grün“. Was derzeit noch außer Reichweite klingt, könnte – so meinen Politologen – in absehbarer Zeit mehr als nur eine Denkvariante sein.

Merkel und Sarkozy schwächeln

In Frankreich – vielleicht weniger bemerkt – zeigten sich die Wähler vom forschen außenpolitischen Agieren Sarkozys wenig beeindruckt. Bei den Kommunalwahlen setzte es für seine Partei ein herbe Niederlage, die sich vor allem bei den Sozialisten (die fast doppelt so viele Stimmen wie die Konservativen erhielten) und bei der Rechtspartei zu Buche schlug, wo die Tochter des Gründers Le Pen für Furore sorgt – allerdings derzeit noch etwas weniger Stimmenzulauf erhalten hat als erwartet. Die Aufmerksamkeit bei den Medien eilt offenbar vorerst der Zustimmung unter der Wählerschaft voraus. Was nicht ist, kann freilich noch werden. Sarkozy darf jedenfalls augenblicklich in Sorge um die im kommenden Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahlen sein.

Merkel ist in Berlin nicht stärker geworden. Sie muss jetzt bemüht sein, ihre Partei zusammen zu halten, neue Kraft und neuen Mut zu geben. Detto Sarkozy. Auch er muss sich jetzt mehr um das französische Wählerklientel denn um die europäische Agenda kümmern. In Brüssel fragen sich daher schon die Politiker aus den übrigen 25 EU-Staaten wie es nun mit der EU wohl weitergehen wird. Und das in einer Zeit, wo die Reaktion auf die mittlerweile zwar eingedämmte Finanz- und Wirtschaftskrise, starke Persönlichkeiten und entschlossene Maßnahmen mehr denn je benötigen würde.

Kleine EU-Staaten auf der Suche nach einem „Leader“

Griechischer Premierminister Georgios Papandreou
Griechischer Premierminister Georgios Papandreou
Bild: Vasilis Filis
In diesem Zusammenhang von Interesse ist eine Aktion, die der österreichische EU-Kommissar Johannes Hahn verfolgt. Er weiß nur zu gut, dass nicht nur die großen Staaten in der EU ein Gewicht haben (können), sondern auch die kleinen. Sie müssen sich nur verbünden und mit einer Zunge sprechen. Hahn ist daher bemüht, einen „Leader“ für die Kleinen in Europa zu finden. Damit dieser „Leader“ auch etwas zu reden hat und bewegen kann, muss er ein Regierungschef und darf kein Vize sein. Was gar nicht so leicht ist. Bei den eigenen Österreichern ist Hahn eigentlich auf Desinteresse gestoßen. Bundeskanzler Werner Faymann genügt es offenbar, wenn „Österreich“ und die „Kronen-Zeitung“ über ihn gut berichten. Zudem leidet der Mann vom Ballhausplatz unter mangelnden Englisch-Kenntnissen - ein echter Nachteil am EU-Parkett. Gelandet ist Hahn bei seiner Suche daher – so hört man – augenblicklich beim griechischen Ministerpräsidenten Andreas Georgiou Papandreou. Er ist sprachlich gewandt, trägt „nur“ den Makel an sich, dass Griechenland zu den so genannten Budget-Sündern in der EU zählt, wirtschaftlich, sozial und damit auch politisch angeschlagen ist. Ob Papandreou daher den kleinen Staaten in der EU eine starke Stimme leihen kann, darf mehr als bezweifelt werden.

Leidtragender ist die EU, weil die Welt eine starke, handlungsfähige und entschlossene Europäische Union brauchen würde.

 


 




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