Dienstag 21. Mai 2013, 19:57

Banken & Finanzen


Von Goldschätzen und Schuldenbergen

Während von interessierter Seite versucht wird, den verunsicherten Sparern und Anlegern Gold madig zu machen, nutzen zahlreiche Notenbanken rund um die Welt jeden willkommenen Rückgang des Goldpreises, um ihre Reserven aufzustocken. Immer mehr Bürger in Österreich, Deutschland und der Schweiz fragen sich derweil, wie groß der Goldschatz ihrer Länder wirklich ist. Die Verantwortlichen äußern sich kryptisch – oder gar nicht.

Von Goldschätzen und Schuldenbergen
Von Goldschätzen und Schuldenbergen
Bild: Buy Silver Gold/flickr.com
Auch wenn der Goldpreis in den vergangenen Wochen deutlich schwankte und Skeptiker bereits ein baldiges Platzen der Edelmetall-Blase vorhersagen, setzen private Anleger ebenso wie die Notenbanken auf die beruhigende Wirkung eines soliden Gold-Portfolios. Wer in den vergangenen Jahren in Barren oder Münzen wie den legendären Krügerrand oder den Wiener Philharmoniker investierte, darf sich nun nicht nur über eine Wertsteigerung freuen, er hat vielmehr eine Art privaten Rettungsschirm für den Fall der Fälle aufgespannt. Noch mehr freuen darf sich, wer eines der sehr seltenen 100-Franken-Goldvreneli sein eigen nennt. Denn diese Münze, von der im Jahr 1925 gerade einmal 5000 Stück geprägt wurden, ist kaum noch zu bekommen – und wenn, dann muss der Anleger mit Preisen zwischen 9.000 und 10.000 Euro rechnen.

Sicherlich also keine Münze für Kleinanleger. Doch genau die sollen nach dem Willen der Schweizerischen Volkspartei (SVP) künftig die Möglichkeit haben, verstärkt Goldmünzen zu kaufen. Die SVP-Fraktion im Schweizer Nationalrat fordert die Prägung von für „jedermann erschwinglichen Goldmünzen“. Diese Idee hat inzwischen der „Verein Goldfranken“ aufgegriffen. Seine Protagonisten setzen sich sogar dafür ein, neben dem Franken eine zweite Goldmünzwährung zu schaffen. Die Münzen sollen 0,1 bis 1 Gramm Gold enthalten. Die 0,1-Gramm-Münze hätte somit aktuell einen Wert von umgerechnet rund 4 Euro. In der Tat – eine wahre „Volks-Goldmünze“. Der Verein plädiert ferner dafür, das Recht auf Goldbesitz in der Verfassung zu verankern. Da schwingt wohl die Befürchtung mit, die bedrängten Staaten könnten eines Tages den Besitz von physischem Gold verbieten. Immerhin gab es in der Geschichte hierfür Beispiele genug.

Notenbanken nutzen Preisrückgänge

Die Euro-Krise und die bedrohlich anwachsenden Schuldenberge haben dem Gold zu neuem Glanz verholfen, selbst wenn die Wertentwicklung gerade der letzten Wochen nicht immer überzeugte. Während manche Banker und angebliche Finanzexperten aus oft sehr durchsichtigen Gründen versuchen, den Anlegern das Gold madig zu machen, stocken die Notenbanken ihre Bestände massiv auf. Zuletzt gab die Zentralbank Kasachstans bekannt, den Goldanteil an ihren Währungsreserven von rund 12 auf 15 Prozent zu erhöhen. Hierzu sollen demnächst 22 Tonnen des gelben Edelmetalls erworben werden. Auch Russland, die Ukraine, die Philippinen, Mexiko, Thailand und Südkorea erhöhten ihre Goldbestände. Allein im ersten Quartal 2012 kauften die Notenbanken fast 81 Tonnen Gold. Solange die Zentralbanken auf der Käuferseite stehen, haben sie ein nachvollziehbares Interesse daran, den Goldpreis möglichst zu drücken. Wann immer der Preis für das Edelmetall in den vergangenen Wochen oder Monaten sank, griffen die Notenbanken zu. Während der Goldanteil steigt, sinkt der Euro-Anteil an den Währungsreserven der Notenbanken.

Auch die Politiker wissen die beruhigende Wirkung hoher staatlicher Goldreserven zu schätzen, nachdem manche von ihnen vor ein paar Jahren noch für Goldverkäufe plädiert hatten. Der deutsche Goldschatz wiegt knapp 3.400 Tonnen, Österreichs Goldreserven machen nach Angaben der Nationalbank 280 Tonnen aus. Doch plötzlich beschleicht manchen Bürger ein schlimmer Verdacht: Sind die Goldbarren tatsächlich vorhanden, oder steht der vermeintliche Schatz nur auf dem Papier? Bisher spekulierten darüber nur ein paar Verschwörungstheoretiker, doch mittlerweile wird diese Frage sehr ernsthaft diskutiert. Anfang des Jahres rügte der deutsche Bundesrechnungshof in einem geheimen Bericht die „unzureichende Sorgfalt bei der Bilanzierung der Goldreserven, die zum Teil im Ausland lagern“.

Bereits ein Jahr zuvor hatte der Münsteraner Wirtschaftsexperte Jörg Baetgen in einem Gutachten kritisiert, die Deutsche Bundesbank komme ihrer bilanzrechtlichen Pflicht, die deutschen Goldreserven regelmäßig in Augenschein zu nehmen, in nicht ausreichendem Maße nach. Wie das? Ausgerechnet in einem Land, das wegen seines Kontrollwahns bisweilen verspottet wird, schaut man nicht so genau hin, wenn es um fast 3.400 Tonnen Gold und somit um den zweitgrößten staatlichen Goldschatz geht. Immerhin werden mehr als 90 Prozent der deutschen Goldreserven in den USA, Frankreich und England verwahrt.

„Sag’ mir, wo die Barren sind“

In der Bundesbank-Bilanz taucht die Sammelposition „Gold und Goldforderungen“ auf. Und tatsächlich ist es ein großer Unterschied, ob die Bundesbank wirklich physische Goldbestände hat oder nur Goldforderungen, zum Beispiel in Form von Goldleihgeschäften mit entsprechenden Ausfallrisiken. Mancher fühlt sich zudem unwohl bei dem Gedanken, dass der größte Teil der deutschen Goldreserven von der Federal Reserve Bank von New York verwaltet wird, also von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen im Eigentum der New Yorker Finanzinstitute.

Auch der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter werden Fragen nach den Goldreserven des Landes gestellt. Ihre Antwort, die Goldreserven seien Eigentum der Nationalbank und würden von dieser im Einklang mit dem europäischen System der Zentralbanken autonom verwaltet, dürfte gewiss nicht alle überzeugt haben. In der Schweiz verlangt die Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“, dass die Nationalbank keine Goldreserven mehr verkauft, das Gold in der Schweiz gelagert wird und die Nationalbank mindestens 20 Prozent ihrer Aktiva in Gold hält.

Das neu entdeckte Interesse von Notenbankern, Politikern und Anlegern an Gold ist vor allem eines: dramatisch gesunkenes Misstrauen gegenüber dem Papiergeld. Und das dürfte nach Einschätzung des Goldanalysten David Levenstein weiter wachsen. Denn: „Der globale Schuldenberg expandiert, weil die Reaktion von Politikern oder Bankern auf eine Schuldenkrise stets eine noch größere Verschuldung ist“.


 




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