Samstag 22. November 2014, 14:59

Banken & Finanzen

Verliert Europa den Währungskrieg?

Kurzfristig dürfte der Aufstieg des Euro kaum aufzuhalten sein, was langfristig aber auch positive Folgen haben könnte.

Shinzo Abe, der neue Regierungschef Japans
Shinzo Abe, der neue Regierungschef Japans
Bild: Nguyễn Tấn Dũng/flickr.com
Das Treffen der G20 Finanzminister und Notenbankchefs am 14. Februar in Moskau wird wohl nicht ganz friktionsfrei verlaufen. Denn während die wichtigsten Wirtschaftsmächte sich am Höhepunkt der Weltfinanzkrise 2009 noch darauf einigen konnten, sich nicht – wie in den 1930er Jahren - auf „kompetitive Abwertungswettläufe“ einzulassen, ist der Währungskrieg mittlerweile offenbar bereits voll in Gange.

So hat zuletzt Russlands Notenbanker Alexei Ulyukayev, Japans Geldpolitik scharf kritisiert, und von einem Währungskrieg gesprochen, den Japan anzettle, während Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sich ebenso über den „gefährlich starken“ Euro-Wechselkurs beschwert, wie Politiker aus Norwegen und Schweden über jenen ihrer Landeswährungen.

Regierungschef Shinzo Abe läutet die nächste Runde ein

Auslöser des jüngsten Währungsbebens ist der neue Regierungschef Japans Shinzo Abe. Er hatte eine gezielte Schwächung des Yen angeregt, was zuletzt Thailand und Südkorea in Aufregung versetzte und US-Zentralbanker James Bullard als „verstörend“ bezeichnete. Für Finanzminister Taro Aso ist es indes nur eine Korrektur der „exzessiven Stärke des Yen“, von der die Investmentbank Morgan Stanley nun eine 25protzentige Abwertung gegenüber dem Dollar erwartet. Und so wird Japan sich von der internationalen Schelte kaum von seinen Plänen abbringen lassen, insbesondere da die entsprechende Aktionen der Schweiz offenbar recht gut funktioniert hat. So notiert der Franken, der von der SNB bei 1,20 Euro ausgestoppt worden war, mittlerweile bereits wieder bei knapp 1,24 was freilich vor allem mit der aktuellen Euro-Stärke zu tun hat.

Denn seit die EZB das Auseinanderbrechen der Eurozone diesen Sommer abgesagt hat, hat sich der Euro nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber so gut wie allen anderen Währungen deutlich befestigt. Nachdem sich der Aufschwung mit Jahresbeginn erheblich beschleunigt hat, liegt der Euro gegenüber dem Dollar mehr als zehn Prozent über seinem Tiefststand vom letzten Sommer, was erfahrungsgemäß bereits in den nächsten Exportstatistiken Auswirkungen zeigen wird. Das hatte sich zuletzt im Sommer 2011 gezeigt, als ein Dollar über 1,40 Euro sofort zu merklichen Exportschwächen besonders bei den preissensiblen südlichen Euroländern geführt hatte.

Euro derzeit noch fair bewertet

Gemessen an den Kaufkraftparitäten und der Kursentwicklung seit Einführung des Euro erscheint der Euro derzeit ohnehin noch immer ziemlich fair bewertet. So dürften die Kursavancen der vergangenen sechs Monate eher die Korrektur einer Übertreibung nach unten gewesen sein, von der die europäischen Exporteure ja durchaus profitiert hatten. Geht es aber in diesem Tempo weiter, dann wird spätestens im Sommer massiver Handlungsbedarf gegeben sein, insbesondere da anzunehmen ist, dass der Euro als Reservewährung gerade massiv an Beliebtheit gewinnt, was denn Euro noch zusätzlich stärken würde. Das hätte immerhin den Vorteil, dass die Exportprobleme wenigstens teilweise dadurch kompensiert würden, dass sich Europa in der eigenen Währung im Ausland verschulden kann, was bislang das „exorbitante Privileg“ der USA gewesen ist, die als Bereitsteller der Weltreservewährung auch um mehr als ein Prozent niedrigere Langfristzinsen bezahlen muss, als ohne diesen Status.

Das wäre dann wohl auch der einzige Nachteil der Eurostärke aus Sicht der USA, wo es sogar ein gesetzliches Prozedere gibt, wie „Wechselkursmanipulatoren“ sanktioniert werden sollten. So erleichtert die Eurostärke nicht nur die US-Exporte, sondern steigert auch die Gewinne und die Börsenkurse der US-Unternehmen, die große Teile ihrer Erträge in Fremdwährungen erzielen.

Während aber selbst die britische Notenbank, die traditionell keinerlei Neigung zu direkten Wechselkursmanipulationen hat, bereits Eingriffe für den Fall androht, sollte ein zu starkes Pfund die Wirtschaft gefährden, schließt die EZB derlei noch dezidiert aus. Dabei sind auch ihre Möglichkeiten, eine Währungsabschwächung über eine expansive Geldpolitik zu betreiben, beschränkt. Denn wie Brasiliens Finanzminister Guido Mantega feststellte, der 2010 als erster den kommenden Währungskrieg angesprochen hatte, devaluieren die führenden Notenbanken ihre Währungen nicht über direkte Verkäufe, sondern indem sie ihre Banken Märkte mit Liquidität überschwemmen.

Eurozonebanken verschärfen Geldpolitik

Tatsächlich war es vergangenen Woche sogar zu einer beträchtlichen Verschärfung der Geldpolitik gekommen, als die Eurozonebanken 132 Milliarden der in den Vorjahren ausgereichten Billion Euro an Notfallkrediten („LTRO“) vorzeitig zurückgeführt hatten. Das macht sie freilich zur einzigen führend Notenbank, die die Geldmenge zuletzt reduziert hat, was auch der Hauptgrund für dien jüngsten Kursgewinne gewesen sein dürfte. Indes liegt es auch weiterhin im Ermessen der Banken, die LTRO-Gelder zu den nächstmöglichern Terminen vorzeitig zurückzuführen, während es gar nicht danach aussieht, dass die EZB ihre Ankündigung wird umsetzen müssen, abstürzende Eurozonestaatsanleihen in die Bilanz zu nehmen.

Schreitet die EZB – aus welchen Gründen auch immer – aber nicht rechtzeitig ein und es kommt zur befürchteten übermäßigen Euro-Aufwertung, dann ist absehbar, dass die USA wie bereits 2001 – 2003 ihre wirtschaftlichen Probleme neuerlich auf Kosten Europas lösen.




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