Samstag 18. Mai 2013, 21:30

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Verhaltene Freude der Serben über Nominierung

"Es fühlt sich an, als ob wir auf eine Party kommen die längst vorbei ist", kommentiert der Belgrader Taxifahrer Goran den Beschluss der EU-Außenminister am Dienstag, Serbien den Status als EU-Beitrittskandidaten zu verleihen.

Für viele Belgrader hat der Bus nach Brüssel und in die EU schon längst Verspätung
Für viele Belgrader hat der Bus nach Brüssel und in die EU schon längst Verspätung
Bild: Michael Neumayr
Die Krisenstimmung innerhalb der Europäischen Union hat auch in Serbien ihre Spuren hinterlassen. Einen weit größeren Anteil an der schlechten Stimmung habe aber die Kosovofrage, erklärt Irena Ristic.

Kosovofrage polarisiert

Die Soziologin erforscht an der Universität Belgrad das Europabild in Serbien: "Erst seit August 2011 polarisiert die Frage um den Kosovo im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt. Spricht man bei Umfragen die Menschen direkt auf den Kosovo an, so reagieren sie emotional und schätzen den serbischen Einfluss auf den Kosovo wichtiger ein als den EU-Beitritt." Bei anonymen Umfragen sei die serbische Bevölkerung jedoch eher der Europäischen Union zugetan.

Pragmatismus rät zur Union

Die Zustimmung erfolge weniger aus ideologischen, sondern aus pragmatischen Gründen, ist die Wissenschaftlerin überzeugt. Besonders Skeptiker haben das Gefühl zwischen dem Kosovo und der Europäischen Union wählen zu müssen. Eine Umfrage der serbischen Agentur für europäische Integration unter 1700 Belgradern zeigt aber, dass sich nur noch 44 Prozent für einen EU Beitritt aussprechen. Ein Drittel der Befragten war sogar klar gegen einen Beitritt.

Zustimmung am Land noch geringer

Eine Juristin bei einem Belgrader Buchverlag ist besorgt: „Wenn schon in der Hauptstadt die Stimmung so schlecht ist. Wie wird sie am Land sein, wo die Menschen weniger gebildet und noch weniger informiert sind?“ Sie kritisiert die fehlende Informationspolitik: „Kaum jemand weiß, welche Vorteile und welche Risiken eine EU-Mitgliedschaft bringt. Dabei haben wir schon wegen unserer wirtschaftlichen Interessen keine andere Wahl.“

Europa als großer Investor

Die serbische Wirtschaft ist eng mit der Europäischen Union verflochten. Die wichtigsten Exportländer liegen in der EU. Zuletzt sorgte etwa eine Investition des österreichischen Kristallriesen Swarowski für Schlagzeilen. Mit einer Investitionssumme von 40 Millionen Euro soll ein neuer Produktionsstandort mit 600 Arbeitsplätzen entstehen. Auch große Deutsche Unternehmen wie Siemens sind in Serbien aktiv.

Veränderung macht Angst

Vladimir Cupic, Belgrader Vorstand der Bank Hypo Alpe Adria glaubt: „Die Europäische Union hat viele Vorteile für Serbien. Aber ein Beitritt bedeutet Veränderung und davor fürchten sich viele.“ Außerdem erhofften die Menschen eine sofortige Verbesserung der Lebensumstände. Weil nun aber klar wird, dass es noch ein weiter Weg in die EU ist, gehe auch die Unterstützung zurück. Cupic gefällt der Partyvergleich: „Wir Serben sind jetzt eingeladen. Aber wir streiten uns noch was wir anziehen sollen.“

Politisches Kleingeld als Bremsschuh

Die Mitglieder der Europäischen Union werden ihre Party nämlich noch einige Jahre ohne Serbien feiern. Wann Serbien mit seinen sieben Millionen Einwohnern endgültig dabei ist hängt nicht nur vom Reformwillen in Belgrad ab. Ausschlaggebend ist auch, ob auf dem Weg zum Beitritt weiter politisches Kleingeld in Brüssel und in der serbischen Innenpolitik gewechselt wird. Zuletzt geschah dies am Dienstag, als Rumänien überraschend seine Unterschrift vom Schutz der walachischen Minderheit in Serbien abhängig machte.

 

Quelle: The European Circle


 




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