Mittwoch 19. Juni 2013, 16:50

Energie & Ressourcen

Ukraine: Biomasse als Chance

Wien. Eine hochkarätige Expertenrunde analysiert die Möglichkeit, im Bereich Biomasse zu investieren. Die Ukraine ist abhängig von Gasimporten. Die Preise explodieren geradezu, was zu einer hohen Verschuldung des Landes führt. Um die Wirtschaftslage ist es ebenfalls nicht so gut bestellt. Wie sicher sind Investitionen in der Ukraine?

Ukraine: Biomasse als Chance
Ukraine: Biomasse als Chance
Bild: BMLFUW/Rita Newman
Der Hunger nach Energie ist ausgeprägt, doch diese ist teuer. Angesichts der Tatsache, dass die Ukraine in etwa den dreifachen Energiebedarf gegenüber dem europäischen Durchschnitt aufweist, gibt das doch zu denken. Die Abhängigkeit von Energieimporten verursacht eine kostenintensive Abwärtsspirale, zumal: Die sich wiederholenden Gasstreitigkeiten mit Russland können sich negativ auf die Mitgliedstaaten der EU auswirken. In der Ukraine werden sich die Verantwortlichen der Tragweite dieser Problematik bewusst, sie haben erkannt, dass ein Kurswechsel die einzige Chance ist, die bevorstehende Krise zu meistern. Der Energiemix muss zugunsten erneuerbarer Energie geändert werden. Laut Statistik 2010 betrug der Anteil von Gas 42% vor Kohle mit 28% und Kernkraft mit 18%, der Anteil der erneuerbaren Energien ist geradezu verschwindend gering. Im Vergleich dazu brauchen die EU-15 nur 25 Prozent Gas, während der globale Schnitt bei 21% anzusetzen wäre.

Energieimporte gefährden Wirtschaftswachstum

Die Preise für Gas befinden sich im rasanten Steigflug, es ist kein Ende in Sicht. Das wiederum belastet die Wirtschaft. Während die Politik redlich bemüht ist, die an sich ungeeigneten Rahmenbedingungen salonfähig zu machen, laufen bereits konkrete Überlegungen für die nächsten Schritte. So ist, wenn vorerst auch nur ganz leise, erstmals auch das Wort Energieeffizienz zu vernehmen. Doch damit alleine ist der enorme Bedarf nicht zu decken. Und so gibt es ganz konkrete Vorstellungen, einen Teil des Energiebedarfs mit Biomasse abzudecken. Damit wäre ein erster Schritt in Richtung erneuerbare Energie getan, zumal Biomasse in vorerst ausreichender Menge verfügbar wäre. Doch naturgemäss steht die altbewährte Technik aus dem Osten bei der Nachhaltigkeit an, hier hofft die Ukraine auf österreichisches Knowhow.

Planwirtschaft war gestern

Wie in planwirtschaftlich geführten Staaten üblich, erfolgt die Versorgung von Städten zumeist mit Fernwärmesystemen, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Diese mit Biomasse zu betreiben wäre die Gelegenheit der Stunde. Und das wiederum klingt nach einer reellen Chance für österreichische Kesselhersteller! Die Ukraine steht gegenwärtig am Beginn der Energiewende, das Umdenken hat begonnen. Die Umstände lassen keine andere Wahl, es muss gehandelt werden, die Prognose für den Energiebereich untermauert dies. Zumal: Die Investitionen können sich bereits nach wenigen Jahren amortisieren.

Rahmenbedingungen: Werte im Wandel

Die Uhren in der Ukraine gehen etwas anders: Planwirtschaft, Korruption und eine träge Verwaltung machen es ausländischen Investoren nicht gerade leicht, zumal die Währung unter Druck steht und die Wirtschaftsdaten ein eher flaues Gefühl im Magen verursachen. Aber es gibt Lichtblicke: Zum einen locken spürbare steuerliche Vorteile für Unternehmen, die in erneuerbare Energien machen, ein grüner Tarif für Strom aus erneuerbaren Energien wiederum soll es Kunden leichter machen, umweltbewusst zu agieren. Die Politik macht ernst, die Argumente sind nachvollziehbar und durchaus profitabel. Die Ziele sind ebenfalls recht ambitioniert: Bis 2015 sollen bereits 10% der Energie aus erneuerbaren  Quellen stammen und die teuren Energieimporte spürbar reduzieren, um die Wirtschaft zu entlasten. Zusätzlich darf mit zahlreichen neuen Jobs gerechnet werden.

Fernwärme boomt

Um es gleich vorweg zu nehmen: Fernwärme boomt, die Rentabilität für Investoren scheint ebenfalls gegeben zu sein. Die Tarife werden staatlich gesteuert.  Während die Preisgestaltung im Haushaltsbereich sozialpolitisch ausgelegt ist, lässt sich mit dem industriellen Sektor einigermaßen gutes Geld verdienen. Zu beachten wäre lediglich, dass der Markt für Biomasse gegenwärtig noch nicht entwickelt ist. Hier ist Eigeninitiative gefragt, langfristige Lieferverträge sind die einzige Möglichkeit, den Bedarf zu decken. Mit der Abrechung ist es auch so eine Sache, hier wird nach alter Manier vorgegangen, sagen wir: geschätzt, denn es wird mit Hilfsgrössen wie Wohnfläche manipuliert. Zähler: Fehlanzeige, so was gibt es nicht. Für Investoren ist es gut zu wissen, dass interessante internationale Finanzierungsmodelle bereit stehen. Die Finanzkrise offenbart die strukturellen Schwierigkeiten, das Zinsniveau erschwert langfristige Investitionen. Doch trotz hoher Risikobewertung ist finanzieller Erfolg machbar, perfekte Planung vorausgesetzt.

Energiepartnerschaft Österreich - Ukraine

Die Energiepartnerschaft zischen den beiden Nationen geht auf das „Memorandum of Understanding" zwischen dem BMLFUW und dem ukrainischen Ministerium für Treibstoff und Energie von 11/2000 zurück. Die Schwerpunkte liegen im Bereich von Massnahmen für Energieeffizienz und dem zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energie. Zugleich gibt es reichlich Unterstützung, wie beispielsweise bei „Joint Implementation“ Projekten. Überhaupt wird Beratung und die Weitergabe von Knowhow erleichtert. Bewusstseinsbildung ist nur eines, konkreter wird es bei der Entwicklung von Schulungsmassnahmen, der Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Identifizierung gemeinsamer Projekte. Zentrale Fernwärmesysteme mit dem Schwerpunkt Bioenergie, die Gründung von EE Kompetenzzentren und die Beratung der ukrainischen Verwaltungsorgane gehen aus dem Abkommen zwischen der Österreichischen Energieagentur und der „State Agency on Energy Efficieny & Energy Conservation of Ukraine“ (SAEE) hervor.   
 


 




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