Tourismus-Marketing muss „Europa-fit“ gemacht werden
Es liest sich beinahe wie das Grillparzer-Stück „Bruderzwist im Hause Habsburg“. Gemeint ist aber die aktuelle Auseinandersetzung um die „Österreich-Werbung“ (ÖW). Sie wird zu 75% vom Wirtschaftsministerium (BMWA) und zu 25% von der Wirtschaftskammer (WKO) getragen. Zwischen beiden (die noch dazu gewissermaßen unter ÖVP-Führung stehen) herrscht derzeit dicke Luft.

Bild: Johann Jaritz
Botschafter der Wirtschaft werben auch für den Tourismus
Die Argumentation jener, die auf eine Reform der „Österreich-Werbung“ pochen, klingt durchaus schlüssig: „Überall werden heute Effizienz, straffe Strukturen verlangt, nur in der Tourismuswirtschaft, die für Österreich von so großer Bedeutung ist, verzettelt man sich, betreibt man Eigenbrötelei.“ Und man untermauert diese Behauptung gleich mit einigen Zahlen. Derzeit verfügt Österreich über insgesamt 75 Außenwirtschafts-Center weltweit. Die „Botschafter der Wirtschaft“ haben dafür zu sorgen, dass in allen Staaten, wo es Nachfrage nach österreichischen Produkten gibt, wo ein interessanter Markt existiert, die sich Österreich bietenden Chancen genützt, Aktivitäten österreichischer Unternehmen gefördert werden.
Lücken in der Auslandsbetreuung
Während die WKO, die ja letztlich auch die Tourismuswirtschaft vertritt, gewissermaßen flächendeckend von der unmittelbaren Nachbarschaft bis ans sprichwörtliche Ende der Welt unterwegs ist, hat die ÖW gerade einmal in 23 Staaten eigene Repräsentanzen. So etwa ist man erst gar nicht in Spanien, das ähnlich wie Italien im Winter die Liebe zur Alpenrepublik entdeckt hat, oder in aufstrebenden osteuropäischen Staaten wie Rumänien vertreten.
Ein zentraler Begriff statt Lokal-Sujets
Fast schon kleinkrämerisch mutet es an, dass es neben der Österreich-Werbung auch noch eigene, davon losgelöste Bundesländern-Werbungen gibt. Ein klassisches Beispiel dafür ist Tirol, aber auch Niederösterreich. Anstatt etwa in China mit einem Begriff, nämlich „Austria“ zu werben, verzettelt man sich mit Lokal-Sujets. Überspitzt formuliert: Was fangt etwa ein Chinese, der bekanntlich statt „r“ immer nur „l“ sagen kann, mit „Vollallbelg“ an?
Statt zu streiten wäre es sicher angebracht, sich nicht nur an einen Tisch zu setzen, sondern die Aktivitäten zu bündeln, sich europa- ja welt-fit zu machen. Das soll nun auch mit einem „Gipfelgespräch“ der Protagonisten geschehen. Schließlich geht es nicht nur um Büros, um Posten, sondern darum, war wo das Sagen hat, sondern darum, dass sich Österreich bestens positioniert, eine Spitzenstellung absichert.
Jeder 5. Vollarbeitsplatz im Tourismus
Man muss sich nur einige Daten und Fakten vor Augen halten. 2009 betrug die Wertschöpfung im österreichischen Tourismus 42,6 Milliarden Euro, das sind 15,4 Prozent des Bruttonationalprodukts. Insgesamt existieren 770.000 Vollzeitarbeitsplätze, was heißt, dass jeder 5. Vollarbeitsplatz am Tourismus hängt.
Der Tourismus, also die „Versorgung“ der Geschäftsreisenden ebenso wie der „gewöhnlichen Touristen“ und Urlaubsreisenden, die sich erholen, ihre Freizeit genießen, in der Natur sporteln wollen, ist damit eine tragende Säule der Gesamtwirtschaft. Österreich ist nicht nur innerhalb der EU Spitzenreiter sondern nach Berechnungen der WTO mit rund 2.600,-- US Dollar touristischer Auslandseinnahmen pro Kopf, mit Gesamtausgaben der Urlaubsgäste, Geschäftsreisenden und Tagesbesucher von rund 30 Milliarden Euro. die Nr. 1 weltweit.
Geldhahn gezielt öffnen statt zudrehen
Damit es auch so bleibt, muss nicht nur müssen nicht nur laufend neue Investitionen, finanzieller wie innovativer Art getätigt werden sondern müssen insbesondere die Marketing-Aktivitäten weiter ausgebaut werden. Nachdem 90.000 Tourismusbetriebe in Österreich registriert sind und aufgrund der Kammer-Pflicht-Mitgliedschaft der WKO zu ordentlichen Einnahmen verhelfen, die zugegebermaßen auch notwendig sind, um Österreichs Präsenz rund um den Erdball optimal zu gewährleisten, sollte aber auch die WKO überdenken, ob es nicht zu einfach ist, nur den Geldhahn zuzudrehen. Sondern vielmehr ein konkretes Angebot zu machen, wie „Österreich-Werbung neu“ aussehen sollte.


















Kommentar hinzufügen