Sonntag 26. Mai 2013, 01:52

Global


Sündenbock Bankier: „US-Banker-Gagen nicht besonders hoch“

„Löhne an der Wallstreet erreichen Rekordniveau![1]“ Mit 140 Milliarden Dollar würden New Yorks Banker 2010 so viel verdienen wie noch nie. Europas linker Mainstream ereifert sich in vielen Tausend Meldungen, in vielen Tausend Leserbriefen spiegelt sich deren Meinung dann im Volke wieder. Purer Treibstoff für die Mühlen von Globalisierungsängstigern

Pendler an Bushaltestelle
Pendler an Bushaltestelle
Bild: Creative Commons
„Ich glaube nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe!“, sagte Winston Churchill einmal. Wie immer bei so großen Zahlen sollte man auch hier einen tieferen Blick hinter vordergründig schockierende Aussagen wagen.

Der Betrag von 140 Milliarden Dollar, den New Yorks Bankenbranche verdiente, ist alleine deshalb schon so riesig, weil es eben so viele von ihnen gibt. Eine knappe Million nämlich. Genau sind es 976.000 Menschen. Zählen Sie die Bruttoeinkommen aller Angestellten Wiens und Niederösterreichs zusammen, berücksichtigen Sie die unterschiedliche Arbeitskultur und Sie werden staunen: Sie erhalten eine Milliardensumme, die nicht viel niedriger ausfallen wird.

New York City: Wenn Hausmeister so viel wie Banker kriegen

Wenn man die gigantische Summe von 140 Milliarden durch die Anzahl der Bankangestellten dividiert, erhält man ein Bruttogehalt von knapp 143.400 Dollar. Oder von 95.600 Euro brutto im Jahr und das in einer Stadt, deren Mietpreise beim Dreifachen des Frankfurter oder Wiener Niveaus liegen. Eine Zweizimmerwohnung in Downtown Manhattan im 9. Stock kostet 7.000 Dollar. Monatlich bekommt der US-Banker 10.243 Euro, wollte er aber Downtown wohnen, müsste er 70% gleich wieder abliefern. Zur Veranschaulichung: Der Durchschnittsbanker macht in New York 143.000 Dollar. Der Hausmeister eines großen Appartementhauses verdient aber auch schon zwischen 80.000 und 100.000 Dollar im Jahr.

Amerikas schlanker Staat

 

Wenn man die Spezifika der US-amerikanischen Arbeitskultur berücksichtigt, bleibt vom großen fetten Bankergehalt ohnedies nicht mehr viel übrig. US-Löhne kann man schon deshalb nicht mit solchen in Österreich vergleichen, weil der Staat bei uns Aufgaben übernimmt, die Amerikaner vom Bruttogehalt privat bezahlen müssen. Amerikaner werden leichter gekündigt als Österreicher, und sie bekommen bei Jobverlust weniger Arbeitslosengeld - und das auch nur für kürzere Zeit. Sie müssen alleine deshalb schon mehr verdienen, um rechtzeitig vorsorgen zu können. Österreichs öffentliche Universitäten verteidigen international hartnäckig die hintersten Ränge, dafür kosten sie aber die Studenten (und deren Eltern) auch nur wenig. Amerikaner müssen mehr verdienen, weil sie für die College- und Universitätsbildung ihrer Kinder vorsorgen müssen.

Die Bereitstellung solcher staatlicher Leistungen lässt sich Europas Staatsapparat fürstlich entlohnen. Österreichs Unternehmen müssen zu den Bruttolöhnen ihrer Angestellten zusätzlich 32,5 Prozent von den Bruttogehältern an das Finanzamt abführen. Die 32,5 Prozent bekommen diejenigen, die sie erarbeitet haben, freilich nie zu Gesicht. Österreichs Firmen haben um genau diese 32,5% die Löhne schon zuvor gekürzt.

In Amerika liegen die Zusatzkosten für die Firmen meist nur bei 7 Prozent, also um 25,5 Prozentpunkte (!) niedriger. Die Amerikaner verdienen optisch also mehr, müssen dafür aber auch mehr Leistungen selber übernehmen.

Damit ist das amerikanische Banker-Gehalt von 143.400 Dollar in Österreich sozialversicherungsbereinigt nur mehr 115.802 Dollar wert. Die Differenz von 27.598 Dollar muss der österreichische Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttogehalt für seinen Mitarbeiter an staatliche Stellen überweisen. Für die hohen Kosten staatlicher Universitäten, für Arbeitslosen- und Unfallversicherungen.

Amerikaner fleißiger als Europäer

Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass Amerikaner einfach mehr und länger arbeiten als Europäer. Sind US-Bürger regelmäßig bis zum 65. Lebensjahr im Job, wirft ein ÖBB-Verwaltungsbeamter schon mit Anfang 50 das rote Handtuch − fast 15 Jahre früher. Volkswirtschaftlich gesehen produziert er also um 15 Jahre weniger an Volksvermögen, saugt aber das von den wenigen Erwerbstätigen erarbeitete 15 Jahre länger ab. Das europäische Perpetuum mobile permanenter Wohlstandsvernichtung. Trotz der höheren US-Wochenarbeitszeiten gibt es dort nur 12,5 Urlaubstage. Freizeitweltmeister Deutschland und sein Vize Österreich kommen auf das Doppelte. Nicht zu vergessen: unsere weltrekordmäßig hohe Anzahl an gesetzlichen Feiertagen.

Tabelle1 Bild Hörl/EU-InfothekDas Gehalt des Wallstreet-Bankers ist vor allem auch deshalb höher als das eines Alpenländers, weil Amerikaner schlicht und ergreifend mehr arbeiten. Amerikaner sitzen um 9,1% länger im Büro als Österreicher und um 16,2% länger als ihre deutschen Kollegen. Damit produzieren sie auch für ihre Firmen um 9,1% bzw. 16,2% mehr. Die US-Nationalbank druckt entsprechend mehr Geld und bringt es in Umlauf.

Die Umsätze und Gewinne ihrer Arbeitgeber sind ebenfalls entsprechend höher und somit zahlen sie auch höhere Gehälter aus. Würden Americans so wenig arbeiten (und produzieren) wie Germans, würden sie statt 115.802 Dollar auch nur 97.030 Dollar verdienen können. Oder 105.319 Dollar in Austria. Bei einem Dollarkurs von 1,50 sind das 64.687 Euro, die ein amerikanischer Banker in Deutschland brutto verdienen würde. Netto ca. 30.000 Euro im Jahr oder 2.300 Euro netto im Monat. In Österreich wären es immerhin noch 70.213 Euro brutto, netto aber auch nur so um die 32.000 Euro im Jahr oder 2.300 Euro im Monat.

Dabei ist ja gar nichts gegen den freizeitorientierten Lebensstil auf unserem Kontinent einzuwenden, man muss sich dann aber klar sein, dass man bei arbeitsorientierteren Lebensstilen mehr in der Tasche hätte. Gerne rechnen Soziologen auf Ö1 in ungezählten Modellen vor, wie man mit weniger Arbeit reicher werden könnte, wenn man sie nur gerechter verteilen würde.

Die reale Welt beweist das Gegenteil.

143.000 Dollar Banker-Gehalt wären in Deutschland 65.000 Euro wert - Brutto

64.687 Euro brutto. Das ist also das furcht- und neiderregende Jahres-Bruttosalär von 143.400 Dollar eines US-Bankers, wenn man es auf deutsche Verhältnisse umrechnet. Oder 2.300 Euro netto im Monat.

Der Neid vieler Europäer wäre wahrscheinlich geringer, würden sie den Alltag eines US-Bankangestellten nur einen Tag miterleben. Wie viele New Yorker, leben auch Bankangestellte aufgrund der hohen Immobilienpreise weit außerhalb der Stadt. Etwa in Städten wie Newark. Sie pendeln mit dem 6:00-Zug zwei Stunden in die Stadt, arbeiten dort in engen und lauten Großraumbüros. Der Leistungsdruck ist groß: Wer für die Firma zu wenig schafft, der fliegt. Der 10-Stundentag ist in der City Standard, bezahlte Überstunden dagegen nicht. Des Nachts sitzen die Herren in ihren Anzügen und den schwarzen Aktenkoffern wieder in den überfüllten Zügen nach Hause. Und erst jetzt, spätabends, bleibt die Zeit, um im Kinderzimmer nach den Schlafenden zu schauen. Tag für Tag. Und das bei 2 Wochen Urlaub im Jahr. Noch neidisch?

„Bestellen Sie also ruhig noch ein Bier, es ist schon 17 Uhr!“




[1] Berner Zeitung 2/2010

 




In den oberen Riegen werden

In den oberen Riegen werden NIE Überstunden bezahlt. dort nicht und hier nicht.
Dafür Abfertigungen die einem Einfamillienhaus gleich kommen

Thema total verfehlt

Niemand auf der Welt ereifert sich gegen den kleinen Bankangestellten mit Durchschnittsgehalt. Es geht um die großen Spieler mit den Millionengehältern. Dies ist nun inzwischen zum Glück auch kein Thema mehr von links oder rechts, sondern von 99% Verlierern versus 1% Krisengewinnlern. Eine Korrelation zu Globalisierungsgegnern ist hier auch nicht zu erkennen, das ist ein ganz anderes Thema.

Auch Ihre ausführungen zum Thema Arbeitsproduktivität strotzen vor Unkenntnis. Ich empfehle Ihnen dringend das Analysieren und Schreiben aufzugeben, Sie können es nämlich nicht. Sorry!

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