Mittwoch 22. Mai 2013, 17:20

Energie & Ressourcen

Strompreis als Zankapfel der Energiewende

Ökostrom hat seine Tücken. Zumindest, was die Kostenfrage betrifft. Der Kampf um den Strompreis eskaliert. Kritiker der Energiewende warnen vor Stromsperren und Energiearmut. Sie befürchten bis 2020 Teuerungen um 30 %. Die energieintensive Industrie hingegen befürchtet einen Verteilungskampf. 

Strompreis als Zankapfel der Energiewende
Strompreis als Zankapfel der Energiewende
Bild: birgitH/pixelio.de
Deutschland. Die Debatte um den Strompreis trägt seltsame Blüten. Die energieintensive Industrie befürchtet aufgrund der Förderung der erneuerbaren Energien zur Kasse gebeten zu werden. Branchenvertreter warnen vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Einmal mehr müssen die erneuerbaren Energien als ultimativer Preistreiber herhalten. Dank zahlreicher Kostenbefreiungen bei Netzentgelten und zugleich sinkenden Börsenstrompreisen zahlen energieintensive Betriebe kaum mehr als vor Fukushima, die Belastungen gehen gezielt auf Kosten der Bürger. Kritiker der Energiewende befürchten Versorgungsengpässe und stellen zugleich 30 % steigende Energiekosten in den Raum. Es geht nicht um die Energiewende, sondern um Förderungen!

Stromschlucker: Nur 0,3 % der EEG-Kosten

Die traurige Tatsache: Konventionelle und damit so überhaupt nicht erneuerbare Energien werden dreimal so hoch subventioniert wie umweltfreundliche Energiequellen, die seitens Brüssel an sich fix eingeplant sind. Die ziemlich absurde Kostendebatte stellt seit geraumer Zeit sämtliche Ausbaupläne und ernsthafte Lösungen in den Schatten. Und während Privathaushalte in traditioneller Manier gerupft werden greifen Unternehmen in die juristische Trickkiste, um weiterhin billig davon zu kommen. Die Kostenwahrheit bleibt auf der Strecke. Laut einer Berechnung der Bundesnetzagentur verbrauchen die größten Stromschlucker knapp 20 % der Elektrizität, übernehmen jedoch lediglich 0,3 % der EEG-Kosten. Von wegen Ausgewogenheit, da geht was mächtig schief.

Wo bleibt die Kostenwahrheit?

Wie der Blick hinter die Kulissen beweist, profitieren fossile Energieträger seit Jahrzehnten von staatlichen Subventionen, Begünstigungen und frisierten Rahmenbedingungen. Transparenz weit gefehlt, die anfallenden Kosten lösen sich wohlwollend im Staatsbudget aus. Die Gesamtkosten einer Kilowattstunde Onshore-Windenergie liegen bei 8,1 Ct/kWh, Wasserkraft ist mit 7,6 Ct/kWh ähnlich gut gestellt. Steinkohlestrom kostet vergleichsweise 14,8 Ct/kWh, Braunkohlestrom 15,6 Ct/kWh und Atomenergie zwischen 16,4 und 42,2 Ct/kWh, je nach Häufigkeit der Pannen. Erneuerbare Energien wurden bislang mit lapidaren 54 Milliarden Euro subventioniert. Üppige Füllhörner hingegen waren den fossilen Kraftwerkern beschert: Die Förderung von Steinkohlestrom belief sich von 1970 bis 2012 auf 177 Milliarden Euro, bei Braunkohlestrom waren es immer noch 65 Milliarden Euro, Spitzenreiter ist Atomstrom mit 187 Milliarden Euro aus den kollektiven Fördertöpfen. Eine ähnlich der EEG-Umlage für konventionelle Energien wäre demzufolge mit 10,2 Cent pro Kilowattstunde dreimal so hoch wie fossiler Strom. Die Endverbraucher zahlen die Mehrkosten für fossilen Strom über Steuern und Abgaben.

Weniger Förderung für Windkraft und Sonnenenergie 

Während Politiker und Vertreter der Interessensgruppen die ach so üppigen Förderungen der erneuerbaren Energien lautstark bekritteln, herrscht angesichts der Subventionspolitik für fossile Kraftwerke betretenes Schweigen, sichtlich fühlt man sich im höchst lukrativen Gewohnheitsrecht eingeschränkt. Konkret geht es darum, die Risiken und Folgekosten endlich einmal realistisch zu bilanzieren. Während erneuerbare Energie mit marginalen Folgekosten brillieren, sind fossile Energieträger systembedingt teurer, daran ist nichts zu rütteln, da helfen keine noch so schönen Worte. Sachlichkeit ist angebracht, zumal die europaweit vereinbarte Energiewende als langfristige Investition mit hoher Wertschöpfung zu werten ist. Alleine das alltägliche Drama um die horrenden Treibstoffkosten sollte auf eine gewisse Dringlichkeit des Umdenkens verweisen, es wird sicher nicht besser.

Kartellamt bezieht Position

Mittlerweile tummelt sich auch das Kartellamt auf der ohnehin hoffnungslos überfüllten Bühne der deutschen Energiewende. Die Politik muss darauf achten, dass ihr die Kosten der Energiewende nicht aus dem Ruder laufen. Bei der Förderung der erneuerbaren Energien sei eine Schieflage entstanden. Die Förderung habe jedes vernünftige Maß gesprengt, so die mahnenden Worte von Kartellamtspräsident Andreas Mundt gegenüber dem „Handelsblatt". Zugleich kommen kritische Worte wegen der zahlreichen Ausnahmen für die Industrie bezüglich der EEG-Umlage, Stromsteuer und den Netzentgelten. Ein Systemwechsel wäre angebracht.

Kommt jetzt ein Quotenmodell?

Seitens des BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie) ist angesichts der wiederholten Forderung nach einem Quotenmodell ausgeprägte Verwunderung auszumachen. Von mittelstandsfeindlich ist die Rede, BEE-Präsident Dietmar Schütz findet dafür wenig lobende Worte, denn ausgerechnet diejenigen, die am lautesten nach mehr Markt und Wettbewerb rufen, möchten ein System etablieren, das an Mehrkosten, staatlichen Vorgaben und bürokratischem Aufwand kaum zu übertreffen ist, so ein sichtlich indignierter D. Schütz. Tatsache ist, dass die Quotenmodelle rundum ziemlich erfolglos verlaufen sind. Das Beispiel Großbritannien belegt, dass der Mittelstand dabei ziemlich hoffnungslos
in den Startlöchern stecken bleibt, die Fördertöpfe sind quasi die geradezu elitäre Angelegenheit großer Unternehmer. Feste Einspeisetarife sind den klassischen Quotensystem haushoch überlegen, was Kosteneffizienz und Anwendbarkeit betrifft, doch auch Bonus- und Prämiensysteme können da nicht mithalten. Weiters kommt hinzu, dass bedingt durch schwankende Marktpreise die Planungssicherheit für Anlagenbetreiber gering ausgeprägt ist und Kapitalgeber bleiben weitgehendst aus, lediglich finanzstarke Investoren bleiben im Rennen. Wer hier das Sagen hat, liegt auf der Hand. Risikoaufschläge sind ein weiteres Manko, die Zeche zahlt der Konsument. Der Innovationsdruck bleibt ebenso auf der Strecke wie der Wettbewerb.

Wenn es mit der Energiewende so weiter geht, wird der Applaus aus Brüssel spärlich ausfallen.


 




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